you cannot use someone else's map
- - to find yourself - - [private Szene & feste Postreihenfolge]
Charaktere
Datum
26.01.2024
Tageszeit
abends
Ort
Waverley Station, Edinburgh
3 Posts
2 Scenes
offline
Kathi

OUTFIT • Am Ende konnte sie gar nicht mehr so genau sagen, ob es Georges oder ihre Idee gewesen war. Dieser Tripp nach Edinburgh mit dem Zug, bei welchem das Wochenende zur Hälfte bereits im Wagon verbracht wurde. Gefühlt. Sie hatte damals innerlich abgewunken, als es hieß, ihr Freund würde in die Großstadt ziehen. Oh, sie befanden sich noch immer in Schottland selbst. Kein Grund zur Sorge, denn Edinburgh war einem einfach ein Begriff. Nicht so weit weg wie ihre Eltern in Aberdeen und mit dem Auto entsprach dies sicherlich auch der Wahrheit. Der junge Mann schnappte sich schließlich in regelmäßigen Abständen eine Mitfahrgelegenheit und nun, nachdem der Zug nach beinahe sechs Stunden endlich in den Hauptbahnhof einfuhr, konnte Cassandra sehr gut verstehen, warum er es tat. Ihre Familie hatte kritisch die Augenbrauen zusammengezogen. Ob das wirklich notwendig sei? Die Fahrt. Ja, das ist es, hatte ihre knappe Antwort gelautet, ehe sie das Ticket online kaufte und versuchte, die vielen Selbstzweifel im Inneren fortzuschieben.
So ganz konnte es kaum jemand verstehen. Allerhöchstens vielleicht noch @Hailey Chamberlaine, obwohl ihre beste Freundin auf einem wahren Höhenflug war, was den Umzug anging. Alles schien sich zu fügen. Die Gleichaltrige war jedoch auf der Lebensskala ein klein wenig weiter vorangeschritten als Cassandra selbst, wenn man in Hinblick an die anstehende Hochzeit dachte. Holy. Ihre eigenen Lippen hatten nicht einmal auf die eines Mannes getroffen, aber da musste man sich auch nicht stressen. Egal, was das Umfeld da unterschwellig weißmachen wollte.
Nun verlagerte sie ihr Gewicht jedenfalls leicht auf den kleinen Rollkoffer, welchen sie sich von ihrer Cousine ausgeliehen hatte. Damit sie den Ausstieg auf keinen Fall verpasste, stand die Rothaarige seit einigen Minuten in der Nähe der Waggontür und tippte ihrem Freund eine knappe Nachricht, dass sie gleich da sei. Nur wenige Minuten der Verspätung; welch ein Glück. Sie konnte sich auch direkt in Rosemarkie melden und schrieb in die Familiengruppe. Auch wenn man nicht viel von diesem kleinen Abenteuertrip hielt, würde man der Nichte nicht verbieten, nach Edinburgh zu fahren. Es gab bereits etliche Gespräche über die Universitätsbewerbungen und inwiefern es sich lohnen könnte. Am Ende würde man es ohnehin nur vermuten. Aber Cassandras Bauchgefühl sträubte sich ein klein wenig, holy.
George hingegen war wieder die ruhige Stimme in all dem Sturm. Erst am vergangenen Wochenende meinte der wenig Ältere, sie solle sich ein eigenes Bild machen. Nach Edinburgh kommen und sich zusammen mit ihm die Universität ansehen, bevor sie die Bewerbung final absandte. Zuerst hatte Cassandra es für einen kleinen Scherz gehalten. Man konnte sich bei dem lockeren Mundwerk ihres Freundes nicht immer sicher sein, welche Aussage wirklich für wahrgenommen werden konnte, doch George schien es ernst zu sein. Er sah doch, wie unsicher Cassandra wirkte und das, obwohl die Frist langsam gen Ende ging. Schon vor einigen Wochen hatte die Makepeace alle Unterlagen vorbereitet, aber der Senden-Knopf im E-Mail-Postfach hakte einfach. Kurzer Prozess, sie würde es tun und am Sonntagmittag hoffentlich mit klareren Gedanken zurück in den Norden fahren. Ihr Freund war jedenfalls vollends davon überzeugt und er behielt meistens recht damit. Oder überzeugte Cassandra am Ende dann doch noch.
Als der Zug zum Halten kam, schienen die Mitfahrenden mehr in Bewegung zu kommen. Es wurden Taschen gepackt, Jacken zugezogen und die Schülerin drängte sich mit den Ersten aus dem Zug heraus, ehe sie auf dem Bahnsteig landete. Viele strömten in die verschiedenen Richtungen, während Cassandra sich zu einer Säule rettete, um den Überblick zu behalten. Ein kurzer Blick auf das Smartphone. George hatte ihre Nachricht gelesen und längst einen Daumen nach oben geschickt. Well, wo bist du denn?, flötete sie stumm in Gedanken und kam sich zurück in der Stadt ein wenig deplatziert vor. Das Mädchen vom Land, eben.
Dann ein brünetter Lockenkopf. Sie hob die Hand, obwohl ihre Augen die grünlichen Iriden ihres Freundes längst getroffen hatten. „Hey! Danke fürs Abholen und das Wochenende an sich“, sagte sie augenblicklich über den Lärm des Bahnsteigs hinweg und drückte den jungen Mann an sich. Kurzes Augenliderschließen, um den Moment auszukosten, ihn innerhalb der kurzen Zeit erneut so nah bei sich wissen zu dürfen. Bislang hatte sie nie bei Georges Wohngemeinschaft übernachtet und es würde wohl ein enges Unterfangen werden, aber gerade wechselte sich die eine Nervosität mit der anderen ab. Zugfahrt unbeschadet überstanden. Jetzt also ihm so nah sein zu können.
„Beim nächsten Mal muss ich mir auch eine Mitfahrgelegenheit suchen. Die Strecke ist…“, ließ sie den Satz unbeendet ausklingen und machte eine ausladende Handbewegung. „Aber ich bin da.“ Das war wohl alles, was letztlich zählte. Er auch. Oh, ihr Herz!
2 Posts
0 Scenes
offline
alex
Freitag Abend - anders als sonst hockte er nicht bei Damian, oder war drauf und dran mit Freunden oder seinen Mitbewohnern das studentische Nachleben Edinburghs unsicher zu machen. Georgie war nicht so der Typ für Clubs, aber den Abend im Pub oder in ner Bar zu verbringen - besonders einer mit guter Musik (oder noch besser, seiner Musik) - war dann doch immer ganz nett. Während die anderen noch zu Hause waren, um sich auf so einen typischen Freitag-Abend vorzubereiten; zwischen Date, Bar und Studentenparty, hatte Georgie sich seine Jacke und Mütze geschnappt und sich auf den Weg zum Bahnhof gemacht. Der Bus war schon relativ voll gewesen, aber zum Glück trotzdem pünktlich - und so stand er nun auf dem Gleis, an dem Cassie’s Zug ankommen solle. Und wartete. Hauptsächlich, weil er lieber doch etwas früher los gegangen war. Er konnte gar nicht erklären, woher diese plötzlich Aufregung her kam, war ja nur Cassie - Cassie, die er schon so lange kannte, die doch eine gute Freundin war und nicht jemand, der ihm irgendwie Unbehagen bereiten sollte. Und war es auch nicht wirklich, nur … unerwartete Aufregung. Bestimmt nur, sagte er sich, weil er wollte, dass sie eine gute Zeit hatte. Das er ihr helfen konnte, eine Entscheidung zu treffen - und dazu auch noch die richtige. Würde sich natürlich freuen, wenn sie im kommenden Herbst ebenfalls nach Edinburgh ziehen würde, aber unterm Strich sollte sie ja glücklich sein - auch wenn sie dafür in Rosemarkie bleiben würde. Mögliche Gründe hin oder her, so war er etwas früh dran und durfte etwas warten. Er nutzte den Moment, um sich etwas abseits der Menschen, die eifrig auf ihren Zug warteten, gegen eine der Säulen der Platform zu lehnen und dann sein Notizbuch aus der über-großen Jackentasche seines Mantels zu fischen. Die Anzeige kündige für den Zug ein paar Minuten Verspätung an und so hatte er noch Zeit - Zeit die er nutzte, um weiter an seinen Lyrics zu kritzeln, an dem neuen Song, an dem er schon seit einigen Wochen arbeitete und bis heute früh nicht wirklich weiter gekommen war. – Nun aber war er plötzlich inspiriert, seine Gedanken kreisten um Textstellen wie copper curls und star-lit smiles, während er leise eine Melodie vor sich hin summte und zwischen Textpassagen ein paar Noten kritzelte. Woher diese plötzliche Muse kam, nachdem er vor ein paar tagen noch so frustriert ganze Seiten wieder durchgestrichen hatte, weil er mit allem so unzufrieden war, wusste er nicht.
Sein Handy vibrierte in der Hosentasche und er klemmte den Stift zwischen die Seiten des Notizbuchs, um es heraus zumischen. Ein Lächeln huschte über sei Gesicht, als er die Nachricht von Cassie las - einhändig schickte er schnell einen Daumen hoch zurück, bevor er sein Smartphone wieder in die Hosentasche zurück steckte. Einen Moment lang konzentrierte er sich noch einmal auf seine Notizen - wollte das Momentum nutzen (& sich vielleicht etwas von seiner Aufregung ablenken). Zwischen Uni, Arbeit und den Freundschaften, die er hier in Edinburgh geschlossen hatte, blieb ihm immer weniger Zeit für seine Musik. Und wenn er doch Zeit hatte, dann fehlte oft die Inspiration. Frustrierend, weil es doch seine große Leidenschaft war und er früher so viel Zeit dafür hatte - und nun drehte sich alles um die ganzen Hausaufgaben und Mini-Tests; um das Portfolio und das Essay, um lernen-lesen-schreiben. Zum Glück kam er aber jetzt gar nicht dazu, melancholisch zu werden - als er das nächste Mal von der Seite aufsah, sah er schon den Zug einfahren. Direkt schob er Büchlein und Stift zurück in die Jackentasche und richtete sich etwas auf, um zu beobachten, wo Cassie auftauchen könnte.
“Hey!!” Kaum hatte er die bekannten, kupferroten Locken erblickt, zeigte sich ein breites Grinsen auf seinem Gesicht; eingerahmt von den Grübchen, die sich bei echter Freude immer gerne zur Show stellten. Schnell stieß er sich von der Säule ab, an die er sich gelehnt hatte und ging die letzten paar Schritte auf Cassie zu, bevor sie ihm quasi in die Arme fiel. Sein Lächeln wurde sanfter und für einen Augenblick schloss auch er die Augen - ganz automatisch, ohne sich bewusst dazu entschlossen zu haben - als er seine Arme um sie legte und Cassie an sich drückte. Fast könnte er sich einbilden, sie roch nach Heimat. Natürlich Blödsinn, aber es fühlte sich dennoch gut an, sie hier zu haben. Dabei hatten sie sich erst letztes Wochenende gesehen, seitdem mehrmals geschrieben um zu vereinbaren, wann er sie wo abholen könnte und selbst sein Heimweh (welches zugegeben doch etwas ausgeprägter war, als er vor dem Umzug erwartet hätte) hatte noch nicht wieder zugeschlagen. War einfach schön, Cassie zu sehen. “Ist doch selbstverständlich” erklärte er, als sie sich wieder voneinander lösten. War’s für ihn auch wirklich. Sowohl die Einladung, dass Cassie das Wochenende bei ihm verbringen könnte und er ihr die Stadt zeigt, als auch das Abholen vom Bahnhof. “Schön, dass du da bist.”
Er lachte, nickte dann verständnisvoll - gerade mal ein knappes halbes Jahr, welches er nun schon? erst? in Edinburgh wohnte und doch hatte er schon mehrmals die Bahn- oder Busfahrt in die Heimat auf sich genommen. Und Cassie musste das gar nicht weiter ausführen, er wusste schon, was sie meinte - Georgie konnte sich auch echt so einiges vorstellen, was er mit seiner Zeit lieber anstellen wollte. “Machts auf jeden Fall angenehmer.” Mit dem Auto war man gerne ein bis zwei Stunden schneller - und lief nicht in Gefahr, in Inverness den Anschluss zu verpassen. Etwas, was Cassie zum Glück nicht passiert war, denn sie stand ja wie geplant nun hier. “Genau, du bist da!” Erneut grinste er breit, griff dann nach ihrem Koffer. Kam ja nicht in Frage, dass sie den hier selber durch die Gegend schob. “Ich dachte, wir gehen kurz zu mir, dann kannst du deine Sachen ablegen?” Oder sich frisch machen oder wonach auch immer ihr nach der langen Fahrt war. “Und dann können wir was essen?” Er blickte fragend zu ihr, während er schon mal den Weg zur Bushaltestelle einschlug. “Wir können was kochen oder was essen gehen - worauf hättest du Lust?” Er war extra einkaufen gewesen, auch wenn Jude, sein Mitbewohner, sich etwas über ihn lustig gemacht hatte. Besonders als Georgie erklärt hatte, dass Cassie eine gute Freundin war - nur eine gute Freundin. War ihm aber egal, weil Cassie sollte sich ja wohl fühlen. Anderseits hatten sie alle längst heraus gefunden, wo man für möglichst wenig Geld möglichst gut essen gehen konnte. Korean BBQ um die Ecke gehörte zu seinen liebsten Orten, aber auch das türkische Restaurant oder der Japaner, wo Sarah kellnerte und nicht selten preislich was machen konnte - gab auf jeden Fall ne Auswahl. Georgie eh Typ Alles-Esser, da richtete er sich gern nach Cassie.
Sein Handy vibrierte in der Hosentasche und er klemmte den Stift zwischen die Seiten des Notizbuchs, um es heraus zumischen. Ein Lächeln huschte über sei Gesicht, als er die Nachricht von Cassie las - einhändig schickte er schnell einen Daumen hoch zurück, bevor er sein Smartphone wieder in die Hosentasche zurück steckte. Einen Moment lang konzentrierte er sich noch einmal auf seine Notizen - wollte das Momentum nutzen (& sich vielleicht etwas von seiner Aufregung ablenken). Zwischen Uni, Arbeit und den Freundschaften, die er hier in Edinburgh geschlossen hatte, blieb ihm immer weniger Zeit für seine Musik. Und wenn er doch Zeit hatte, dann fehlte oft die Inspiration. Frustrierend, weil es doch seine große Leidenschaft war und er früher so viel Zeit dafür hatte - und nun drehte sich alles um die ganzen Hausaufgaben und Mini-Tests; um das Portfolio und das Essay, um lernen-lesen-schreiben. Zum Glück kam er aber jetzt gar nicht dazu, melancholisch zu werden - als er das nächste Mal von der Seite aufsah, sah er schon den Zug einfahren. Direkt schob er Büchlein und Stift zurück in die Jackentasche und richtete sich etwas auf, um zu beobachten, wo Cassie auftauchen könnte.
“Hey!!” Kaum hatte er die bekannten, kupferroten Locken erblickt, zeigte sich ein breites Grinsen auf seinem Gesicht; eingerahmt von den Grübchen, die sich bei echter Freude immer gerne zur Show stellten. Schnell stieß er sich von der Säule ab, an die er sich gelehnt hatte und ging die letzten paar Schritte auf Cassie zu, bevor sie ihm quasi in die Arme fiel. Sein Lächeln wurde sanfter und für einen Augenblick schloss auch er die Augen - ganz automatisch, ohne sich bewusst dazu entschlossen zu haben - als er seine Arme um sie legte und Cassie an sich drückte. Fast könnte er sich einbilden, sie roch nach Heimat. Natürlich Blödsinn, aber es fühlte sich dennoch gut an, sie hier zu haben. Dabei hatten sie sich erst letztes Wochenende gesehen, seitdem mehrmals geschrieben um zu vereinbaren, wann er sie wo abholen könnte und selbst sein Heimweh (welches zugegeben doch etwas ausgeprägter war, als er vor dem Umzug erwartet hätte) hatte noch nicht wieder zugeschlagen. War einfach schön, Cassie zu sehen. “Ist doch selbstverständlich” erklärte er, als sie sich wieder voneinander lösten. War’s für ihn auch wirklich. Sowohl die Einladung, dass Cassie das Wochenende bei ihm verbringen könnte und er ihr die Stadt zeigt, als auch das Abholen vom Bahnhof. “Schön, dass du da bist.”
Er lachte, nickte dann verständnisvoll - gerade mal ein knappes halbes Jahr, welches er nun schon? erst? in Edinburgh wohnte und doch hatte er schon mehrmals die Bahn- oder Busfahrt in die Heimat auf sich genommen. Und Cassie musste das gar nicht weiter ausführen, er wusste schon, was sie meinte - Georgie konnte sich auch echt so einiges vorstellen, was er mit seiner Zeit lieber anstellen wollte. “Machts auf jeden Fall angenehmer.” Mit dem Auto war man gerne ein bis zwei Stunden schneller - und lief nicht in Gefahr, in Inverness den Anschluss zu verpassen. Etwas, was Cassie zum Glück nicht passiert war, denn sie stand ja wie geplant nun hier. “Genau, du bist da!” Erneut grinste er breit, griff dann nach ihrem Koffer. Kam ja nicht in Frage, dass sie den hier selber durch die Gegend schob. “Ich dachte, wir gehen kurz zu mir, dann kannst du deine Sachen ablegen?” Oder sich frisch machen oder wonach auch immer ihr nach der langen Fahrt war. “Und dann können wir was essen?” Er blickte fragend zu ihr, während er schon mal den Weg zur Bushaltestelle einschlug. “Wir können was kochen oder was essen gehen - worauf hättest du Lust?” Er war extra einkaufen gewesen, auch wenn Jude, sein Mitbewohner, sich etwas über ihn lustig gemacht hatte. Besonders als Georgie erklärt hatte, dass Cassie eine gute Freundin war - nur eine gute Freundin. War ihm aber egal, weil Cassie sollte sich ja wohl fühlen. Anderseits hatten sie alle längst heraus gefunden, wo man für möglichst wenig Geld möglichst gut essen gehen konnte. Korean BBQ um die Ecke gehörte zu seinen liebsten Orten, aber auch das türkische Restaurant oder der Japaner, wo Sarah kellnerte und nicht selten preislich was machen konnte - gab auf jeden Fall ne Auswahl. Georgie eh Typ Alles-Esser, da richtete er sich gern nach Cassie.
3 Posts
2 Scenes
offline
Kathi
Diese Sache mit der Atmung und der Nervosität war wirklich so ein Ding. Häufig genug belächelt, doch Cassandra baute es in ihren Alltag ein. Die Mütze saß, die leichten natürlichen Wellen ragten darunter hervor – solange, bis ihre Mutter sie doch davon überzeugen würde, sich endlich einen Bob schneiden zu lassen, der ihr hübsches Kinn besser zur Geltung bringen würde. Ihre Brusttasche befand sich in der perfekten Lage vor ihrem Körper, um das Handy und das kleine Portemonnaie herauszuholen, wenn man nach der Fahrkarte verlangt hätte. Sie war auf heute vorbereitet gewesen. Verbindungen gecheckt, den Koffer bereits zu Beginn der Woche gepackt, auf Instagram einen Countdown in der Story eingestellt, damit es sich irgendwie noch offizieller anfühlte und weil sie von ihren Freund:innen die kleinen Likes wollte. Brauchte. Es ihr ein gutes Gefühl im Inneren verpasste. Aber das alles reichte nicht aus, damit ihre Atmung nicht unruhig wurde. Es geschah schon mehrmals auf der Hinfahrt; nicht erst beim Einfahren in den Hauptbahnhof. Seltsam war das irgendwie. Ein Gefühl schlich sich unnachgiebig in ihre Brust hinein, welches sie schon lange Zeit nicht mehr so stark verspürte.
Cassandra besah sich ihr leicht geschminktes Gesicht (alles während der Zugfahrt geschehen, denn wer hatte morgens ausreichend Zeit, Make-up aufzutragen?), spiegelnd in einem der Zugfenster, während sie aufrecht im Gang stand, um den mehrminütigen Ausstieg bloß nicht zu verpassen. Oh, sie wusste doch selbst, wie das wirkte, well. Nun fragte niemand mehr danach und die Aufregung konnte doch eigentlich verschwinden. Jetzt, wo sie George bei sich hatte und damit den ultimativen Edinburgh-Experten. Er, der diesen Umzug vor über einem halben Jahr mit einer schieren Leichtigkeit auf sich nahm und die Heimat zwar vermisste, aber irgendwie erfolgreich im neuen Lebensabschnitt angekommen war. Es liegt an seinem Mut, entschied Cassandra still heimlich für sich und schloss daraus auch, weswegen es ihr selbst wohl schwerer zu fallen schien, sich im kommenden Sommer in der Metropole sehen zu können. Vollkommen gleich, ob es jedoch Edinburgh oder eine andere Großstadt wurde. Die Bewerbungen für Online-Universitäten und entsprechende Kurse hingegen waren ihr mit einer Leichtigkeit entgegengekommen. Das Drücken von Enter bedurfte nur wenige Sekunden des Durchatmens. Aber die University of Edinburgh? Oh, dass sie nicht lachte.
Mit Sicherheit waren es die vielen Menschen auf dem Bahnsteig, welche ihren Weg einschlugen. Manche, um rasch die nächste Verbindung zu erreichen, andere weil Edinburgh das Endziel darstellte. Sie fiel George regelrecht in die Arme; einerseits vor Erleichterung, dass alles funktionierte, andererseits weil – oh, da entstand eine mentale Blockade. Sein bekannter Duft, das anscheinend neue Waschmittel und die Gerüche des Bahnhofs mischten sich ineinander, doch Cassandra atmete tief ein und aus. Die Aufregung legte sich endlich, weil sie an Georges Seite schon häufig Mutiges getan hatte, aber sich das Allermeiste davon irgendwie erträglicher anfühlte. Es dann am Ende getan zu haben. Verstand sich. Alles an ihm. George. Ihr George. Ihr George hier in dieser Großstadt und sein Grübchenlächeln strahlte ihr entgegen, als wären sie gerade an der Bushaltestelle in Fortrose aufeinandergetroffen und schulterten den Rucksack auf dem Weg zur Schule. Lange war es auf diese Weise gutgegangen und ihr Herz war bei seiner Universitätszusage schlimmer gebrochen, als sie ihn damals jemand anderen küssen sah. Beides hatte viel mit ihr gemacht; aber es war irgendwie erträglicher ihn in den Armen einer Person zu sehen, anstatt den Drummond gar nicht mehr sehen zu können.
Sein gutes Herz stellte George als Selbstverständlichkeit dar und tatsächlich hatte sie den wenig Älteren selten anders kennengelernt. Dennoch bedeutete es Cassandra viel, dass er sein Wochenende dafür widmete, ihr bei der Zukunftsfrage zu helfen und sie nicht etwa automatisch zu überreden, sich doch endlich an seiner Universität zu bewerben. Natürlich hatten beide Freunde im Vorfeld die Pro- und Contrapunkte erörtert, dokumentiert und das Ergebnis schließlich reflektiert, doch am Ende würde er sich für sie freuen. Vollkommen gleich, wo sie ihr Geschichtsstudium begann. Oder auch nicht, damit ich auf dem Hof bleiben kann, meldete sich eine leise kritische Stimme in ihrem Kopf, die sogleich wieder fortgeschoben wurde.
Es war ein tröstliches Gefühl, dass George die Heimat regelmäßig besuchte. Das wusste sie sowohl von seiner Mutter als auch von sich selbst. Wenn sie gemeinsam etwas mit der Clique unternahmen, zusammen mit Hailey und Damian, fühlte es sich sogar tatsächlich fast wie früher an. Auch Telefonate oder ihre dauerhaften Textnachrichten machten es erträglicher, aber so ganz wie gewohnt würde es wohl wirklich erst wieder werden können, wenn sie ebenfalls nach Edinburgh zog. Mach es doch einfach, harschte sie sich in manchen schlaflosen Nächten an. Öffnet Liebe nicht ungeahnte Vorstellungen? Aber ob diese Handlung wirklich in den entsprechenden Rahmen fiel, wusste die Schülerin keineswegs. Was würde nur in einem Roman geschrieben stehen?
Mit einem breiten Lächeln im eigenen Gesicht ließ sich die Makepeace den kleinen Koffer abnehmen und hielt sich eng neben George, der sich durch das Getümmel des Bahnsteigs bahnte. „Oh ja, verschnaufen und dann etwas essen klingt perfekt“, frohlockte sie sogleich und klatschte knapp in die Hände, als sei es nun schon beschlossen. Wo sie das allerdings taten, war ihr relativ gleich. Casandra spürte, wie die vielen Eindrücke sofort auf sie einprasselten und legte die Stirn knapp in Falten. „Essen gehen? Einfach, weil ich nicht weiß ob ich dir nicht sonst am Schneidebrett einschlafe, so sorry“, lachte sie auf, obwohl es wahrscheinlich der Wahrheit entsprach. „Ich bin da echt ganz offen. Halte mich total an dich“, sagte sie dann und hob beide Handflächen knapp vor die Brust, als wolle sie ihre Aussage damit noch unterstreichen.
Als sie an der Bushaltestelle stehenblieben, glitten ihre Augen rasch über die Anzeigetafeln und die unterschiedlichen Zeiten der verschiedenen Linien. „Wenn ich an die Infrastruktur hier denke, vermisse ich Aberdeen beinahe schon“, meinte sie mit leiser Stimme, mehr zu sich selbst. „Aber wie geht es dir sonst?“ Als habe sich seit einer Woche so viel geändert, mhm? Ihr Handy in die Hand summte mehrmals vibrierend, als Reaktionen in der Familiengruppe eintrudelten. Wahrscheinlich konnte der Hof erst jetzt entspannt in den Abend gehen, da sie wussten, Cassandra war wohlbehalten in Edinburgh angekommen. Dass ihre ältere Schwester die Nachricht lediglich gelesen aber nicht beantwortete, sprach ebenfalls bereits wieder Bände. Uff.
Cassandra besah sich ihr leicht geschminktes Gesicht (alles während der Zugfahrt geschehen, denn wer hatte morgens ausreichend Zeit, Make-up aufzutragen?), spiegelnd in einem der Zugfenster, während sie aufrecht im Gang stand, um den mehrminütigen Ausstieg bloß nicht zu verpassen. Oh, sie wusste doch selbst, wie das wirkte, well. Nun fragte niemand mehr danach und die Aufregung konnte doch eigentlich verschwinden. Jetzt, wo sie George bei sich hatte und damit den ultimativen Edinburgh-Experten. Er, der diesen Umzug vor über einem halben Jahr mit einer schieren Leichtigkeit auf sich nahm und die Heimat zwar vermisste, aber irgendwie erfolgreich im neuen Lebensabschnitt angekommen war. Es liegt an seinem Mut, entschied Cassandra still heimlich für sich und schloss daraus auch, weswegen es ihr selbst wohl schwerer zu fallen schien, sich im kommenden Sommer in der Metropole sehen zu können. Vollkommen gleich, ob es jedoch Edinburgh oder eine andere Großstadt wurde. Die Bewerbungen für Online-Universitäten und entsprechende Kurse hingegen waren ihr mit einer Leichtigkeit entgegengekommen. Das Drücken von Enter bedurfte nur wenige Sekunden des Durchatmens. Aber die University of Edinburgh? Oh, dass sie nicht lachte.
Mit Sicherheit waren es die vielen Menschen auf dem Bahnsteig, welche ihren Weg einschlugen. Manche, um rasch die nächste Verbindung zu erreichen, andere weil Edinburgh das Endziel darstellte. Sie fiel George regelrecht in die Arme; einerseits vor Erleichterung, dass alles funktionierte, andererseits weil – oh, da entstand eine mentale Blockade. Sein bekannter Duft, das anscheinend neue Waschmittel und die Gerüche des Bahnhofs mischten sich ineinander, doch Cassandra atmete tief ein und aus. Die Aufregung legte sich endlich, weil sie an Georges Seite schon häufig Mutiges getan hatte, aber sich das Allermeiste davon irgendwie erträglicher anfühlte. Es dann am Ende getan zu haben. Verstand sich. Alles an ihm. George. Ihr George. Ihr George hier in dieser Großstadt und sein Grübchenlächeln strahlte ihr entgegen, als wären sie gerade an der Bushaltestelle in Fortrose aufeinandergetroffen und schulterten den Rucksack auf dem Weg zur Schule. Lange war es auf diese Weise gutgegangen und ihr Herz war bei seiner Universitätszusage schlimmer gebrochen, als sie ihn damals jemand anderen küssen sah. Beides hatte viel mit ihr gemacht; aber es war irgendwie erträglicher ihn in den Armen einer Person zu sehen, anstatt den Drummond gar nicht mehr sehen zu können.
Sein gutes Herz stellte George als Selbstverständlichkeit dar und tatsächlich hatte sie den wenig Älteren selten anders kennengelernt. Dennoch bedeutete es Cassandra viel, dass er sein Wochenende dafür widmete, ihr bei der Zukunftsfrage zu helfen und sie nicht etwa automatisch zu überreden, sich doch endlich an seiner Universität zu bewerben. Natürlich hatten beide Freunde im Vorfeld die Pro- und Contrapunkte erörtert, dokumentiert und das Ergebnis schließlich reflektiert, doch am Ende würde er sich für sie freuen. Vollkommen gleich, wo sie ihr Geschichtsstudium begann. Oder auch nicht, damit ich auf dem Hof bleiben kann, meldete sich eine leise kritische Stimme in ihrem Kopf, die sogleich wieder fortgeschoben wurde.
Es war ein tröstliches Gefühl, dass George die Heimat regelmäßig besuchte. Das wusste sie sowohl von seiner Mutter als auch von sich selbst. Wenn sie gemeinsam etwas mit der Clique unternahmen, zusammen mit Hailey und Damian, fühlte es sich sogar tatsächlich fast wie früher an. Auch Telefonate oder ihre dauerhaften Textnachrichten machten es erträglicher, aber so ganz wie gewohnt würde es wohl wirklich erst wieder werden können, wenn sie ebenfalls nach Edinburgh zog. Mach es doch einfach, harschte sie sich in manchen schlaflosen Nächten an. Öffnet Liebe nicht ungeahnte Vorstellungen? Aber ob diese Handlung wirklich in den entsprechenden Rahmen fiel, wusste die Schülerin keineswegs. Was würde nur in einem Roman geschrieben stehen?
Mit einem breiten Lächeln im eigenen Gesicht ließ sich die Makepeace den kleinen Koffer abnehmen und hielt sich eng neben George, der sich durch das Getümmel des Bahnsteigs bahnte. „Oh ja, verschnaufen und dann etwas essen klingt perfekt“, frohlockte sie sogleich und klatschte knapp in die Hände, als sei es nun schon beschlossen. Wo sie das allerdings taten, war ihr relativ gleich. Casandra spürte, wie die vielen Eindrücke sofort auf sie einprasselten und legte die Stirn knapp in Falten. „Essen gehen? Einfach, weil ich nicht weiß ob ich dir nicht sonst am Schneidebrett einschlafe, so sorry“, lachte sie auf, obwohl es wahrscheinlich der Wahrheit entsprach. „Ich bin da echt ganz offen. Halte mich total an dich“, sagte sie dann und hob beide Handflächen knapp vor die Brust, als wolle sie ihre Aussage damit noch unterstreichen.
Als sie an der Bushaltestelle stehenblieben, glitten ihre Augen rasch über die Anzeigetafeln und die unterschiedlichen Zeiten der verschiedenen Linien. „Wenn ich an die Infrastruktur hier denke, vermisse ich Aberdeen beinahe schon“, meinte sie mit leiser Stimme, mehr zu sich selbst. „Aber wie geht es dir sonst?“ Als habe sich seit einer Woche so viel geändert, mhm? Ihr Handy in die Hand summte mehrmals vibrierend, als Reaktionen in der Familiengruppe eintrudelten. Wahrscheinlich konnte der Hof erst jetzt entspannt in den Abend gehen, da sie wussten, Cassandra war wohlbehalten in Edinburgh angekommen. Dass ihre ältere Schwester die Nachricht lediglich gelesen aber nicht beantwortete, sprach ebenfalls bereits wieder Bände. Uff.
