Herzlich willkommen in Großbritannien!
Das aufregende Großstadtleben in London oder doch lieber die idyllische Hügellandschaft der Cotswolds? Vielleicht studierst du an der renommierten Universität von Oxford? Oder zieht es dich eher in den Norden, wo Edinburgh und die Highlands auf dich warten? Vielleicht schlägt dein Herz für das Landleben, während du dich gleichzeitig nach Meer und Wellenreiten sehnst? In diesem Fall bist du auf der Gower-Halbinsel in Wales genau richtig.
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I could only tell you where confusion ends and pain begins
[private Szene & feste Postreihenfolge]
Datum
13.01.2024
Tageszeit
abends
Ort
The World's End Pub
21 Jahre
Student [Englische und Schottische Literatur] & Aushilfe
ungebunden (queer)
katholisch
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Kira
13.01.2024, abends
The World's End Pub
Schuld war so eine Sache. Sie wog schwer auf den Schultern, auf der Brust, drückte einem die Lunge zusammen, bis man glaubte, man würde ersticken. In der Nacht hielt sie einen wach, während man an die Decke starrte, darauf wartend, dass der Schlaf einen endlich übermannen würde. Schuld zwängte sich unaufhaltsam in die kleinsten Zwischenräume des Alltags, dämpfte die Lebendigkeit und legte einen hässlichen, grauen Schleier darüber. Wie ein wildes Tier lauerte sie im Hintergrund, jederzeit bereit dazu, ihrem Opfer spitze Krallen und Zähne ins Fleisch zu graben; eine ewige Mahnung, die unter der Oberfläche brodelte, selbst dann noch, wenn man sie nicht permanent wahrzunehmen schien. Schuld war ein ewiger Begleiter geworden, manchmal nur als ein unterschwelliges Gefühl, das ein zartes Kribbeln durch den Körper schickte, doch meist schlug sie mit einer Wucht zu, die ihm nicht nur den Schlaf raubte, sondern auch den Appetit verdarb. Selten hatte Finnian sich schäbiger und mehr von Schuld getrieben gefühlt, als in diesem Moment; hier an diesem Tisch in der hintersten Ecke eines Pubs.

Unter der zerkratzten Tischplatte wippte eines seiner Beine rastlos auf und ab, ein kaum kontrollierbares Ventil für die Anspannung, die ihn gepackt hielt, während sein Blick immer wieder auf dem Handy verharrte, das vor ihm lag. Noch konnte er das alles ablasen, dachte sich der Feigling in ihm, jener Teil, der Lösungen bevorzugte, die keine direkte Konfrontation verlangten. Ein Griff nach dem Telefon, aufstehen, ein schneller Abgang durch die Tür, und die Sache einfach vergessen. Er musste nicht hier sein. Dieser Gedanke wirkte verführerisch, fast logisch in seiner Einfachheit, und doch wusste er zugleich, dass er sich selbst belog. Doch, er musste, denn er wäre ein furchtbarer Mensch, wenn er jetzt einfach verschwand. Seit der letzten Begegnung mit Valentin waren Monate vergangen, Monate, in denen er jeden Kontakt konsequent vermieden hatte, als ließe sich Vergangenes dadurch ungeschehen machen. Nachrichten blieben unbeantwortet, Anrufe unbeachtet, als stünde auf der anderen Seite jemand, vor dem man sich schützen müsste. Als wäre Valentin das Problem. Mit dieser Erkenntnis breitete sich erneut Scham in ihm aus, eine unangenehme Erinnerung daran, wie feige Rückzug manchmal sein konnte. Umso überraschender war es gewesen, dass Valentin dem Treffen zugestimmt hatte. Ein Teil von ihm hatte fest damit gerechnet, abgewiesen zu werden, und hätte dieses Schweigen sogar verstanden; vielleicht als gerechte Konsequenz.

Entsprechend blieb unklar, welches Gefühl überwiegen sollte, als ihm Valentins vertrautes Gesicht ins Auge fiel. Es war eine Mischung aus Erleichterung und aufkommender Unruhe, die sich weder klar benennen noch richtig voneinander trennen ließ. Irgendwo dazwischen verharrte er, innerlich stockend, während sich die Geräusche um ihn herum für einen Moment in den Hintergrund schoben. Zögernd hob sich seine Hand, ein beinahe scheuer Versuch, auf sich aufmerksam zu machen, kaum mehr als eine angedeutete Bewegung, als sich ihre Blicke trafen und kurz aneinander hängen blieben. Mit spürbarer Anstrengung zwang er seine Lippen zu einem Lächeln, das sich fremd anfühlte, während Valentin sich dem Tisch näherte. In seinem Kopf formte er bereits Worte, doch er verwarf sie wieder, erschienen sie ihm doch zu schwer oder zu banal. Dieses Wiedersehen fühlte sich weder vertraut noch fremd an, sondern wie etwas dazwischen, in dem Vergangenes und Gegenwärtiges aufeinanderprallten. Einen Moment musterte Finnian den anderen und kam zu dem Schluss, dass er etwas sagen musste, immerhin hatte er um dieses Treffen geben. Aber wie begann man so ein Gespräch? „Hey, freut mich, dass es geklappt hat.“ So vielleicht.

23 Jahre
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Linea
13.01.2024, abends
The World's End Pub
In den letzten Tagen hatte er sich sehr zurückgezogen in sein Zimmer, um an neuer Musik zu arbeiten und seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Schließlich sagte man ja, wenn einem Musiker das Herz gebrochen wurde, dann entstehen die besten Songs. Vielleicht stimmte es, vielleicht aber auch nicht. Aber das Schreiben und das Spielen half ihm. Lenkte ihn ab. Aber das Schlimme daran war, dass er sich darin auch verlor. Manchmal bekam er gar nicht mehr wirklich mit, dass er mehrere Stunden am Stück damit verbracht hatte, an einer Melodie oder einem Song zu arbeiten. Das fiel ihm entweder dann auf, wenn jemand an sein Zimmer klopfte, sein Handy mal aufleuchtete oder er aus dem Fenster blickte und die Sonne bereits untergegangen war.
Die Musik war auf der einen Seite sein Ventil und sein Zufluchtsort, das Einzige im Moment, wo er das Gefühl hatte, die Kontrolle noch zu besitzen. Wo er nicht anfing, alles zu zerdenken. Nicht über irgendwelche Anzeichen nachdachte, ob er diesen Schritt hätte kommen sehen können. Die Musik war einfach da. Es gab ihm die Möglichkeit, seine Gefühle rauszulassen, ohne Reaktionen zu erhalten. Keine Phrasen zu hören, das wird wieder oder du hast jemand besseres verdient. Worte, die vielleicht irgendwie stimmten, aber Val nicht hören wollte. Noch nicht. Er musste sich erst selbst finden. Finden, wo er hier in Edinburgh stand. Schließlich war das der Traum von ihr gewesen und nicht von ihm. Edinburgh war die Zukunft mit ihr und nun musste er sich eine Zukunft ohne sie suchen. Etwas, wogegen sich sein Herz noch sträubte. In Lissabon war es auch schmerzhaft, aber dort hatte er eben auch eine Familie und nicht alles erinnerte ihn dort an sie. Und je mehr Val den Schmerz zu ließ, desto mehr igelte er sich ein. Verlor sich in seiner Kunst. Da war dann diese Nachricht von Finnian eine Wendung, mit der er nicht gerechnet hätte.

Eine Nachricht so einfach und subtil. Können wir uns im Pub World's End treffen? Die erste Reaktion seit Monaten von Fin. Eine, die man nicht einfach unbeantwortet lassen konnte, wenn man nicht wollte, sonst gar nichts mehr von einem alten Freund zu hören. Auch wenn er jedes Recht dazu gehabt hätte, diese Nachricht genauso zu ignorieren wie seine Nachrichten und Anrufe. Noch heute wusste er eben nicht, wieso das so gekommen war. Ebenfalls ein Mysterium für sich, was er sich die letzten Monate eben auch nicht erklären konnte. Aber vielleicht konnte er dieses ja lösen. Herausfinden, warum er sich nicht gemeldet hatte. Daher kam nur ein kurzes „Okay" von seiner Seite. Nicht weil er nicht mehr schreiben wollte, sondern weil er einfach auch nicht wusste, was er sonst noch dazu schreiben sollte. Schließlich würden sie ja bei einem Treffen ja reden können. Die Fragen, warum er das abgezogen hatte, konnte er auch beim Treffen stellen und ihm dabei in die Augen sehen und schauen, ob es der Wahrheit entsprach oder eben nicht.

So verließ er dann eben auch die WG und tauchte dann zur vereinbarten Uhrzeit beim Pub auf. Es war ein seltsames Gefühl nicht zu wissen, was dieser Abend bringen würde. Es war alles möglich. Man versuchte sich zu erklären bzw. es zu verstehen und trotzdem könnte es passieren, dass sich nach dem Gespräch die Wege sich weiterhin trennen würden. Oder aber man saß zusammen und hatte einen Abend, der gut endete und man nach einem klärenden Gespräch einfach mal abschalten konnte. Den Moment einfach genießen. Auch wenn er selbst wohl nicht gerade die beste Gesellschaft dafür war.
Nachdem er draußen noch einmal tief ein- und ausgeatmet hatte, trat er in den Pub hinein. Seine Hände in den Manteltaschen vergraben, wo sie etwas nervös an den Ringen an seiner Hand spielten, als er sich nach Finnian um sah. Als er ihn entdeckte, nickte er kaum merklich und trat dann in seine Richtung und blieb dann vor dem Tisch stehen. Ein freundliches Lächeln trat auf seine Lippen, bevor er dem anderen kurz zur Begrüßung die Hand auf die Schulter legte. “Hey. Schön, dass du dich gemeldet hast.“ Kam es schon fast zu einfach über seine Lippen, bevor er seinen Mantel auszog, ihn über einen der Stühle legte und sich neben seinem Freund niederließ. Die Anspannung war kaum zu übersehen. Zumindest nicht für Val. Das hier war ein Moment, der so gestellt wirkte. “Wie läuft dein Studium?“ Vielleicht wäre es erst einmal gut, das offensichtliche Thema zu umschiffen und erstmal mit etwas Neutralem anzufangen. Vielleicht konnte das ja die Stimmung etwas lockern.
21 Jahre
Student [Englische und Schottische Literatur] & Aushilfe
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Kira
13.01.2024, abends
The World's End Pub
Schön, dass du dich gemeldet hast. Die Worte hätten wie eine Spitze wirken können, wie ein Stich unter die Rippen, doch aus Valentins Mund wirkten sie anders, ehrlich gemeint, ohne versteckte Schärfe, und genau das ließ das schlechte Gewissen in ihm nur umso heftiger aufflammen. Zu gut kannte er Valentin, wusste um diese unaufgeregte Aufrichtigkeit, mit der er sagte, was er dachte, und der Gedanke daran, so lange gebraucht zu haben, um sich wieder zu melden, legte sich schwer auf seine Brust. Ein flüchtiges Zucken ging durch seine Mundwinkel, während er beobachtete, wie sein Freund den Mantel ablegte und sich neben ihn auf den freien Platz schob, so voller Selbstverständlichkeit, als hätte es diese Monate der Funkstille nie gegeben. Die Frage nach seinem Studium wirkte dabei so lächerlich simpel, dass sie für einen Moment die Illusion erzeugte, alles sei unverändert geblieben. Zwei Freunde in einem Pub, die über ihren Alltag erzählten, fast als hätten sie nahtlos an den letzten Sommer angeknüpft. Dieser Gedanke hatte etwas tröstliches, auch wenn er wusste, dass die Realität komplexer war, und dennoch wünschte er sich, es könnte so einfach sein. „Ganz gut“, antwortete er zögernd und senkte den Blick zur Tischplatte, ließ ihn weiter zur Getränkekarte wandern, die in der Mitte aufgestellt stand, ohne sie anzurühren. „Die Gruppenarbeiten sind allerdings ziemlich anstrengend.“ Ein leises Schnauben begleitete die Worte. „Die meiste Arbeit bleibt da fast immer an mir hängen.“ Was vielleicht daran liegen mochte, dass er ähnlich wie zu Schulzeiten einen gewissen Ruf als Streber weghatte und sich viele auf seiner Einsatzbereitschaft ausruhten. Ermüdend war das, auch wenn er wusste, dass seine Kommilitonen später Probleme bei ihren Klausuren haben würden, weil sie sich nicht ausgiebig mit dem Stoff befasst hatten. „Aber abgesehen davon… gut.“ Besser. Es ging ihm besser als noch vor einem halben Jahr, mental stabiler, aufmerksamer, präsenter. Vorlesungen ergaben wieder Sinn, der Stoff ließ sich greifen, und sogar der Antrieb für die anstehenden Klausuren war zurückgekehrt. Darauf war er irgendwie schon ziemlich stolz, auch wenn er das nicht laut aussprach. Half eben doch, wenn man eine gewisse Konstante ausradierte, die einem permanent ein schlechtes Gefühl vermittelt und immer wie ein drohender Schatten über allem gehangen hatte.

Er räusperte sich. „Wie ist es bei dir?“ Die Frage erfüllte ihren Zweck als höfliche Geste, als ein Zurückreichen des Interesses, das man einander entgegenbrachte, besonders nach einer so langen Phase des Schweigens. Schließlich hatte es kaum nennenswerten Austausch gegeben in den vergangenen Wochen und Monaten, und den letzten echten Berührungspunkt hatte es, wenn seine Erinnerung ihn nicht täuschte, auf der Gartenparty im vergangenen Sommer gegeben. Wie die Zeit doch verging. Seine Finger verschränkten sich im Schoß, während die Daumen unruhig aneinander rieben, eine verräterische Bewegung, die seine innere Anspannung widerspiegelte, als er darüber nachdachte, wie er den Elefant im Raum am besten ansprechen sollte. „Hör mal“, begann er schließlich und ließ den Blick vorsichtig zu seinem Nebenmann wandern, öffnete bereits den Mund, bereit, eine Entschuldigung zu formulieren oder zumindest den Ansatz einer Erklärung zu liefern, der rechtfertigte, weshalb sie nun hier saßen. Genau in diesem Moment schob sich eine freundliche Stimme dazwischen: „Darf ich euch schon was bringen?“ Perplex blinzelte er die Bedienung an, die ihnen ein offenes Lächeln schenkte, und für einen kurzen Augenblick verhedderte sich sein innerer Faden. Wie auf Autopilot nickte er und sprach das Erstbeste aus, das ihm in den Sinn kam. „Ein Irish Coffee, bitte.“ Etwas Süßes konnte sicherlich nicht schaden, um die geschundenen Nerven zu beruhigen.

Nachdem auch Valentin seine Bestellung aufgegeben und die Bedienung sich wieder entfernt hatte, wandte er sich ihm erneut zu, sichtbar bemüht, den unterbrochenen Gedanken wieder aufzugreifen. „Tut mir leid, ich wollte—“, setzte er an, als ob er die Verantwortung dafür trug, dass man sie soeben unterbrochen hatte, und fuhr sich mit einer Hand über das Gesicht. Anschließend hielt er sie offen vor sich, beinahe so, als würde er auf den Tisch vor ihnen zeigen. „Das. Das wollte ich“, stellte er fest, die Augenbrauen in konzentrierter Anspannung zusammengezogen. „Mich entschuldigen.“ Vielsagend tippte er mit einem Finger sein Handy an. „Dafür, dass ich mich nie zurückgemeldet habe.“ Er schluckte. „Ehrlich gesagt überrascht es mich ziemlich, dass du heute gekommen bist.“ Das rechnete er Valentin natürlich hoch an, doch Finnian hätte es ebensogut verstanden, wenn der keinen Bock auf ihn gehabt hätte. „Damit hatte ich nicht gerechnet.“

23 Jahre
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Linea
13.01.2024, abends
The World's End Pub
Es lag nicht in seiner Natur vorab zu urteilen oder generell zu urteilen. Für ihn zählte Ehrlichkeit und echtes Interesse. Eben zeigen, dass er da war. Jemand, der zuhört. Jemand der versucht, sich in die Lage hineinzuversetzen und es zu verstehen. Schließlich wollte er niemandem ein schlechtes Gefühl vermitteln. Zeigen, dass er doch Verständnis aufbringen könnte, wenn man die Karten offenlegt. Val war niemand, der auf Streit oder Meinungsverschiedenheiten aus war. In seinen Augen gab es immer einen Grund, warum jemand so handelte, wie derjenige es eben tat. Und ihm war es wichtiger, es zu verstehen und dann vielleicht zu helfen, statt die Kränkung oder das verletzte Ego zu zeigen. Schließlich machte das nur mehr kaputt, statt es besser zu machen oder eine Lösung zu finden. Vermutlich gab es Leute, die genau diese Gutmütigkeit von ihm ausnutzen würden, vielleicht sogar taten. Aber das war ihm egal, deswegen änderte er sich nicht. Genau aus diesem Grund ging Val eben auch so offen auf Finnian zu. Es würde sie heute Abend nicht weiterbringen, wenn er zeigte, wie enttäuscht er gewesen war.
Daher versuchte er, den Raum zu schaffen, damit es lockerer wurde. Dass es hier jetzt nicht so rüber kam, als hätten sie sich nicht Monate gesehen. Aber Val bemerkte eben auch die zögernde Antwort. Dieser gesenkte Blick und es war etwas, was ihm so vertraut vorkam. Was er auch von sich kannte. Wie er sich zum Teil auch fühlte, weil eben auch bei ihm gerade alles nicht perfekt lief. Da er an einem Punkt in seinem Leben angekommen war, wo er nicht wusste, wie es weitergehen würde. Aber das war nichts, was gerade hierher gehörte. Daher konzentrierte er sich darauf, was Fin sagte. "Vermutlich, weil sie wissen, dass du deine Arbeit gewissenhaft machst und sie sich selbst eher ausruhen. Solche Leute habe ich auch bei mir. Etwas, was ich nicht verstehe. Schließlich studiert man doch, um später den Job gewissenhaft machen zu können.“ Aber ja, vielleicht musste man auch sagen, dass sicherlich nicht alle so sehr vernarrt in die Musik waren wie er selbst. Dem es wichtig war, dass man verstand, welche Gefühle ihn dazu gebracht haben, so eine Melodie zu machen oder dergleichen. Musik sollte ein Mittel sein, das Menschen sich damit identifizieren können und sich verbunden fühlen. Vielleicht auch, weil sie sich nicht mehr so alleine fühlen. “Hast du dir denn dein Studium so vorgestellt? Ich mein, so nach dem ein oder anderen Semester merkt man ja, ob es das Richtige ist oder nicht.“ Für ihn war sein eigenes Studium genau das, was er gewollt hatte. Es erfüllte ihn und machte ihm zu großen Teilen auch wirklich Spaß, auch wenn es manchmal sehr fordernd war. “Es ist sehr... intensiv. Ich habe als Abschlussprojekt mich für eine Song-Suite entschieden. Da ein Thema finden und das zu entwickeln ist schon eine Aufgabe, aber das wird schon.“ Dazu lenkte es ab und seit ein paar Tagen hatte er auch eigentlich auch schon ein Thema im Kopf, was vielleicht funktionieren würde. Aber noch sind von seinen Ideen der letzten Tage, noch nichts Gutes in seinen Augen bei raus gekommen.

Es war für Val okay, eben nicht über das Thema direkt zu sprechen. Auch wenn er sich schon fragte, was damals vorgefallen war. Ob diese Sache, die er mitbekommen hatte, der Grund war, warum sich Finnian so abgekapselt hatte. Aber der Portugiese wollte eben auch seinem Freund den Raum geben, selbst zu entscheiden, was er darüber sprechen wollte. Sein Blick glitt zu seinem Freund. Schaute ihn aufrichtig an, wollte ihm so zeigen, dass er auf jeden Fall zuhören würde. Er aber eben auch auf der anderen Seite ihn nicht drängen wollte. Erst als die Stimme neben ihnen ertönte, wandte sich sein Blick ab und ging zur Bedienung. Überlegte einen Moment, was er trinken sollte. “Einen Minztee, bitte.“ Auch das war mittlerweile eine kleine Marotte von ihm geworden, dass er gefühlt immer irgendwo eine Tasse Tee trank, egal wo er war. Aber er tat gut, gerade wenn er zuvor zu viel gesungen hatte und das Gefühl bekam, seine Stimme wurde schwächer.

Als sie dann zu dem Thema kamen, was die ganze Zeit doch noch zwischen ihnen gehangen hatte, war es zu einem eine Überraschung diese Entschuldigung zu hören und zum anderen aber auch ein Stück weit eine Erleichterung, da er selbst sah das es kein feiner Zug gewesen war von ihm. Er ließ die Worte für den Moment wirken. Sie selbst gedanklich verarbeiten, um eben auch zu überlegen, wie er darauf reagieren wollte. Seine Hände legte er auf den Tisch ineinander, um eben auch etwas an einem der Ringe zu drehen. Es war so eine unbewusste Geste, die er tat, eine, die innehielt, als die Kellnerin zurückkam und ihnen ihre bestellten Getränke gab. Val selbst bedankte sich mit einem Lächeln, bevor sich sein Blick zuerst auf den dampfenden Tee vor ihm legte und dann seine Aufmerksamkeit auf Finnian legte. “Schon gut. Du wirst sicherlich deine Gründe gehabt haben, so zu reagieren. Und ich dachte mir, wenn du dich vielleicht wieder meldest, dann gibt es mir die Chance deine Beweggründe zu verstehen.“
21 Jahre
Student [Englische und Schottische Literatur] & Aushilfe
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Kira
13.01.2024, abends
The World's End Pub
Die dunklen Augen, die bis eben noch auf Valentins Gesicht geruht hatten, glitten ausdruckslos zurück auf die Tischplatte. Er nickte langsam. Gewissenhaft. Finnian wusste nicht, ob dieses Wort zu ihm passte, ob es sein Wesen treffend widerspiegelte oder bloß eine Zuschreibung war, die aufs reine Äußerliche gerichtet war. War er gewissenhaft? Eigentlich nicht. Nicht wirklich. Jedenfalls fühlte er sich nicht so, entsprechend befremdlich klang diese Wesensbeschreibung im Zusammenhang mit seiner Person. Arbeitswütig hätte er eher akzeptiert, getrieben von diesem alten Drang, es anderen recht zu machen, Erwartungen zu erfüllen und möglichst reibungslos zu funktionieren. Umso beruhigender war die Erkenntnis, dass Valentin ähnliche Erfahrungen in seinen Kursen gemacht hatte, als gäbe es diese Menschen überall, die sich stillschweigend auf der Arbeit und der Verlässlichkeit anderer ausruhten. Dann ging es wenigstens nicht nur ihm so.

Seine Arme verschränkten sich locker auf dem Tisch, bevor sein Blick wieder zu Valentin fand. Nein, er hatte sich sein Studium so nicht vorgestellt, doch daran trugen weder die Universität noch der Studiengang, den er gewählt hatte, die Schuld, sondern diese verdammte Erstsemesterparty vor einem Jahr. Die, lange vor der verheerenden Gartenfete, die den Stein erst ins Rollen gebracht hatte. Hätte er geahnt, welchen Ärger sie nach sich ziehen würde, wäre er nie hingegangen; dann würde er heute vielleicht noch immer in der South Side leben, sich eine Wohnung mit Oliver teilen und— seine Mundwinkel krümmten sich angestrengt zu einem Lächeln. Das war egal. Es war vorbei. Vorbei. Das Wort lag bitter auf seiner Zunge, obwohl er es nicht aussprach. Er schluckte es hinunter, so wie er alles hinunterschluckte, was ihn überforderte, wütend oder traurig machte. Einfach weg damit — alles davon — er wollte es nicht. „Ich hatte keine richtigen Vorstellungen, bevor das erste Semester losging“, gestand Finnian. „Ich wusste nur, dass ein paar Leute nicht glücklich damit sein würden, wenn ich studiere.“ Sein Vater gehörte dazu, der ihm bis heute vorwarf, nichts Vernünftiges aus seinem Leben zu machen. Was Andrew allerdings unter vernünftig verstand, wusste Finnian nicht. Vermutlich eine Arbeit für die Kirche. Irgendwas, das eine Familie ernähren konnte. Als ob Finnian jemals eine haben würde. „Aber ich hab bisher viel Spaß, ich mag mein Studium und meine Wahlfächer — bisher habe ich es nicht bereut.“ Die persönliche Ebene ausgeklammert, stimmte das sogar. Literatur machte ihm Freude, das Lernen ebenso. Sein Blick wurde neugierig. „Sag bloß, du hast dir dein Studium anders vorgestellt?“ Valentins Wahl für sein Abschlussprojekt bedachte Finnian mit einem Laut, der endlich etwas Euphorie aus ihm heraus kitzelte. Es freute ihn, dass sein Freund auf einem guten Weg war, auch wenn er kaum wusste, was eine Song-Suite eigentlich war.

Tee. Wissend schmunzelte er, als die Bedienung Valentins Bestellung aufnahm. Diese Entscheidung überraschte ihn kein bisschen. Er wusste, dass der Portugiese keinen Alkohol vertrug, aus diesem Grund bestellte er so gut wie nie etwas Hochprozentiges, ging lieber auf Nummer sicher und Finnian respektierte ihn dafür. Ihm selbst hätte diese Zurückhaltung ebenfalls gutgetan, denn ein zu hoher Alkoholpegel hatte ihm jene unglückselige Nacht mit Louis erst eingebracht. „Minztee“, wiederholte er andächtig, hob verspielt die Augenbrauen und musterte seinen Nebenmann, die Wange in die Hand gestützt. „Ich finde es echt charmant, dass du jedes Mal Tee bestellst.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Very british.“

Langsam lehnte er sich zurück ins Polster des Stuhls, die Augen dabei auf den Irish Coffee gerichtet, den er soeben dankend entgegengenommen hatte, und schwieg einen Moment. „Ja“, sagte er schließlich, und dieses eine Wort klang so verdammt unschlüssig, weil er nicht wusste, wie er Valentin seine Beweggründe begreiflich machen sollte. Standardausreden zogen nicht mehr; wie beschäftig konnte ein Mensch sein, um nicht auf einen Anruf oder eine SMS zu reagieren? Er war schließlich nicht der King of England. „Ach, es war alles ein bisschen viel letztes Jahr, weißt du? Ich bin zweimal umgezogen, musste für Klausuren lernen — und Nachhilfe gebe ich ja auch noch. Ich hab— ich bin—“, hilflos stockte er, suchte nach Worten, aber fand keine guten. Seine Finger schlossen sich um die Tasse. „Es war einfach sehr viel letztes Jahr“, wiederholte er und trank einen Schluck.

23 Jahre
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Linea
13.01.2024, abends
The World's End Pub
Es gab diese Leute immer. Egal ob im Studium oder doch in der Arbeitswelt. Die Jobs, die er noch vor einem Jahr gemacht hat, haben ihm diese Erfahrung auch gezeigt. Es gab Menschen die mit wenig Eigeninitiative versuchten sehr weit zu kommen. Er wusste nur nicht ob das einfach ein Ding hier in Schottland oder es generell eine Sache der Menschen war. Nur war das etwas, worüber man sich wohl keine allzu großen Gedanken machen sollte. Schließlich war das eine Sache die man nicht in fünf Minuten klären konnte. Vielleicht waren es auch einfach die Eigenheiten der Menschen, die jeden auf seine eigene Art und Weise ausmachen.

Umso interessanter war es auf der einen Seite schon, dass sie beide diese Erfahrungen gemacht haben. Das sie sich vielleicht in der Hinsicht doch ähnlich sind. Eine Gemeinsamkeit, die verbinden konnte. Oder vielleicht auch nochmal zeigte, dass sie ähnlich tickten und sich daher eigentlich vor dem Kontaktabbruch gut verstanden hatten. Der Portugiese hörte Finnian aufmerksam zu und nickte leicht bei seinen Ausführungen. “Moment, wieso das denn? Ich mein eigentlich sollte man doch stolz sein, wenn sich jemand dazu entscheidet, sich weiterzubilden.“ Das konnte er nicht nachvollziehen, weil seine Familie stolz darauf war, dass er sich dazu entschieden hatte zu studieren. Das Einzige, worüber sie traurig waren, waren sie eher über den Umstand, dass er es nicht in Portugal gemacht hat, sondern eben in dieser Stadt. Ein Umstand, der sich früher richtig angefühlt hat, aber aktuell? Aktuell wusste er nicht, was er machen sollte, wenn er in ein paar Monaten seinen Bachelor schreiben würde.
“Tatsächlich ja. Ich hatte tatsächlich erwartet, dass es trockener wäre. Aber ich mag es sehr, dass man neue Musik produziert und gleichzeitig sich damit auseinandersetzen kann, was man wirklich mit dieser Musik ausdrücken möchte. Oder auch wie sehr Musik sich auf die Stimmung einer Person auswirken kann. "Ich habe auch schon darüber nachgedacht, ob ich nicht vielleicht auch meinen Master noch machen soll, wenn ich den Bachelor geschafft habe.“ Aber gerade das war eben etwas, worüber er nicht mehr sicher war. Schließlich war er damals nur wegen Zélia mit nach Edinburgh gekommen. Jetzt war er an einem Punkt, wo er selbst erst einmal schauen musste, wo sein Weg ihn hinführen würde.

Es war wie eine Macke von ihm mit dem Tee. Dann, wenn andere Alkohol tranken oder so, war er derjenige, der einen Tee bevorzugte. Einfach weil er selbst wusste, dass er so gut wie gar keinen Alkohol vertrug und zum anderen, aber auch wenn er mal was trank, kam er auf dumme Ideen. “Hey! Ich passe mich an, auch wenn ich den Tee mit Milch nicht als meinen Favorit bezeichnen würde. Da bleibe ich lieber bei Kräutertee.“ Val schubste ihn leicht mit der Schulter an. “Aber nicht nur weil ich mich anpasse, sondern tatsächlich habe ich das Gefühl, dass es gut für meine Stimme ist und außerdem... ich und angetrunken ist keine gute Kombi.“ Val selbst war einfach jemand, der das Leben genoss. Einfach versuchte jeden Tag so zu nehmen und zu leben, wie er gerade kam.

Wo gerade noch die Leichtigkeit vorhanden war, die so wirkte, als hätten sie sich nicht Monate nicht gesehen, war sie in einem Moment wieder weg. “Verstehe. Aber kurz auf eine Nachricht antworten war nicht drin?“ Ein Gedanke, der ihn eben auch nicht losließ. Schließlich war so eine Nachricht in wenigen Sekunden geschrieben. “Hör zu Fin... ich möchte mich nicht aufdrängen oder dass du das Gefühl hast, mir etwas sagen zu müssen, was du nicht möchtest... aber ich bin da und höre zu.“ Sein Blick ruhte auf dem Jüngeren. “Ich mein,... ich habe damals auf der Gartenparty auch etwas mitbekommen.“
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Kira
13.01.2024, abends
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Trocken kratzte das lieblose Lachen in seinem Hals, das er unweigerlich ausstieß, als Valentin von Stolz sprach. Dieses Wort existierte nicht im Vokabular seines Vaters, aber das war in Ordnung. Es war ihm schon lange nicht mehr wichtig, dass sein Erzeuger stolz auf ihn war, ebenso wie es ihm vollkommen gleichgültig war, dass er für den Mann nie mehr sein würde, als ein Ärgernis, ein Klotz am Bein, etwas, das man mit sich herumschleppen musste, wie eine lästige Grippe. Das war okay, war es wirklich, aber manchmal, in seltenen Augenblicken, tat es dann doch irgendwie weh, denn ein sicheres Fundament, wie es für den Großteil seiner Mitmenschen selbstverständlich war, kannte er nicht. Da gab es keinen doppelten Boden, kein Sicherheitsnetz unter dem Seil, auf dem er balancierte; wenn er fiel, dann brach er sich das Genick, darum war Fallen keine Option. „Ach“, er winkte ab, wollte das Thema nicht vertiefen und den Abend damit nur unnötig verkomplizieren, „mein Vater hält einfach nicht viel davon. Der findet ein Studium sinnlos. Aus meiner Familie väterlicherseits hat kaum jemand studiert.“ Es hatte ihn sehr viel Überwindung gekostet, seinem Vater zu erzählen, dass er studieren würde, noch dazu Literatur. Nichts, das die Welt bräuchte, hatte Andrew darauf erwidert. An dem Abend hatte er sich zusätzlich eine Ohrfeige eingefangen, nachdem die Gemüter hochgekocht waren, und am Ende hatte Finnian sich seine Schuhe geschnappt und war nach Roseburn geflüchtet, in die Sicherheit von Olivers Wohnung. Bei der Erinnerung daran, rieb er sich mit den Fingern abwesend über seine Wange, während er Valentin beobachtete, als der von seinem Studium erzählte, und Finnian damit ein amüsiertes Lächeln entlockte. „Also ist es im positiven Sinne anders, als du es dir vorgestellt hast“, stellte er fest. Das klang gut; Finnian hatte bereits befürchtet, Valentin könnte vielleicht unglücklich mit seiner Studienwahl geworden sein. „Wenn es dir so gut gefällt und es sich richtig anfühlt, wäre es zumindest nicht verkehrt, über den Master nachzudenken.“ Dabei zuckte er mit den Schultern. „Aber bis dahin hast du ja noch ein bisschen Zeit.“

In gespielter Entrüstung, griff Finnian sich dramatisch an die Brust, stieß ein betroffenes Japsen aus und riss die Augen vor Unglaube weit auf. „Tee ohne Milch?“, wiederholte er und ließ seine Stimme dabei absichtlich ein paar Oktaven höher wandern, nur um am Ende das furchtbare Schauspiel mit einem Kopfschütteln und einem ergeben Schnaufen zu beenden. „Na gut, na gut, dir sei verziehen“, seufzte er dann und lächelte, als Valentin ihm in die Seite knuffte. „Tee ist auf jeden Fall viel förderlicher für die Gesundheit als Alkohol, da hast du Recht.“ Nachdenklich warf er einen Blick in seine Tasse und fragte sich, ob er Valentin schonmal betrunken erlebt hatte. „Wie bist du denn drauf, wenn du zu viel trinkst?“ Da gewann die Neugierde dann doch die Oberhand und er konnte es sich nicht nehmen lassen, dem ein wenig auf den Zahn zu fühlen.

„Ich— also—“, setzte er an, fand allerdings keine gute Erklärung dafür, wieso er nicht zwei Sekunden hatte aufbringen können, um eine Nachricht zu beantworten. Ein einfaches Emoji hätte es ja vielleicht auch getan. Wie sollte er Valentin verständlich machen, dass er am Ende befürchten musste, eine Tracht Prügel zu beziehen, wann immer er irgendwelchen Leuten irgendwelche Texte schrieb. Zumal man sein Handy zum Ende der Beziehung hin einfach einkonfisziert hatte und er gar nicht hätte antworten können, selbst wenn er gewollt hätte. Eifersucht war eine ekelhafte Sache. Unmöglich konnte er das laut aussprechen, er wollte es auch gar nicht aussprechen, dafür schämte er sich zu sehr. Kurz streifte sein Blick den von Valentin, bevor er lieber wieder seinen Irish Coffee anstarrte. Die Gartenparty. Ihm wurde schlagartig schlecht. Die Party, auf der Louis ihn ungefragt geküsst hatte; die Party, auf der Oliver Louis fast erwürgt hatte; die Party, auf der Louis Oliver aus Notwehr die Glasflasche an den Kopf geschlagen hatte. Das war viel Blut gewesen.

Das hier ist deine Schuld!

Seine Schuld — Finnians Schuld. Olivers’ Worte klingelten ihm noch immer in den Ohren. Er wollte den Abend einfach nur vergessen, aber das war schlicht unmöglich. Fast jeden Tag musste er daran denken: an die vorwurfsvollen Blicke und Worte, an das hässliche Bild von Händen, die sich um einen Hals schlangen und Blut, das Klamotten und den Boden rot färbte. Er wollte lachen. Er wollte weinen. Er wollte sich übergeben. Am besten alles auf einmal. Doch sein Gesicht war nur eine glatte Maske. „Ich hatte Beziehungsprobleme“, stieß er nach einer gedehnten Stille leise aus und biss sich auf die Lippe.

23 Jahre
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Linea
13.01.2024, abends
The World's End Pub
Manchmal fragte er sich, wie es sein konnte, dass Eltern nicht hinter solchen Entscheidungen ihrer Kinder standen. Ein Studium zu machen, war schließlich nichts Schlechtes. Er selbst war froh, dass seine Eltern oder besser gesagt seine Familie ihm immer den Rücken gestärkt hatten. Dass er selbst seine Entscheidungen und Erfahrungen machen konnte, ohne diesen Rückhalt zu verlieren. Dadurch, dass er in den letzten Jahren durchaus schon öfters mitbekommen hatte, dass es bei vielen nicht so zu sein schien, war er umso dankbarer seiner Familie gegenüber. Es war dann doch etwas besonderes. “Das tut mir leid, dass du da keine Unterstützung von deiner Familie bekommst. Aber du kannst trotzdem Stolz darauf sein, dass du studierst. Für die Zukunft kann es nur nützlich sein. Irgendwann werden sie das auch so sehen. Zumindest wünschte Val es Finnian, dass seine Eltern bzw. die Familie seines Vaters eben irgendwann auch stolz darauf waren.

“Ja schon. Ich dachte damals das es viel mehr Theorie ist, als es jetzt der Fall ist. Also für jemanden, der schon Jahre zuvor viele Lieder geschrieben hat und gefühlt jede freie Minute damit verbracht hat, ist es echt nicht viel Neues. Außer das man sich gezielter auf Bereiche fokussieren muss.“ Es war leicht für ihn über seine Leidenschaft zur Musik zu reden. Es war das was ihn ausmachte. Was ihn auch irgendwo immer antrieb und ihm aktuell auch half nach vorne zu schauen. Leicht nickte er bei den Worten seines Freundes. „Durchaus. Es ist nur... das ich gerade an einem Punkt in meinem Leben angekommen bin, wo ich überlegen muss wo mein Weg mich nun wieder hinführt.“ Schließlich hat er damals seine Heimat wegen verlassen um mit Zélia hier eine Zukunft aufzubauen. Jetzt durch die Trennung, wusste er eben nicht ob er seine Zukunft hier noch sah. Auch wenn er jetzt auf jeden Fall seinen Bachelor fertig machen würde. Aber danach? Danach war er sich eben noch nicht so sicher, wo sein Weg ihn hinführen würde. “Bis Mai ist es nicht mehr so lange und dazu kommt dann auch wieder dieser ganze Aufwand für meinen Aufenthaltstitel zu verlängern. Gibt da schon vieles zu beachten.“ Aber musste ja stets nach vorne schauen. Es war halt einfach aktuell für ihn nicht leicht so positiv nach vorne zu schauen,wenn er selbst aktuell mehr das Gefühl hatte, dass sein Leben gerade einem kleinen Trümmerhaufen glich. Aber er wollte Finnian damit nun auch nicht belasten.

Dazu tat es auch gerade gut einfach mal abzuschalten. Konnte auch bei der kleinen Schauspieleinlage nicht anders als zu lachen. “Lockerer und komme meistens auf irgendwelche dumme Schnapsideen. Und realisiere dann vielleicht am nächsten Tag dann noch was ich so verzapft habe. Wie ist es bei dir?“ Aber er war auch hier in Edinburgh ernster geworden. Er war nicht mehr so spontan und locker wie früher. Ihm fehlte einfach dieses Lebensgefühl von seiner Heimat. Könnte natürlich auch einfach am Wetter liegen oder so. Oder dass er fand, dass die Leute hier eben auch einfach anders waren als in Portugal.

Valentin gab Finnian den Raum den er brauchte auf seine Aussage zu reagieren. Denn so wie er auf die Worte reagierte, bekam er das Gefühl nicht los, dass es damit durchaus zu tun hatte. Aus einem Gefühl heraus, legte er seine Hand auf den Unterarm von Finnian. Um so seine Worte noch einmal zu unterstreichen, dass er für ihn da war, wenn er darüber reden wollte. “Das tut mir Leid. Probleme in einer Beziehung verändern vieles.“ Es traf ihn unerwartet. Vielleicht weil er es ein bisschen nachvollziehen konnte. Das wenn gerade einem sein eigenes privates Leben um die Ohren schlug, man lieber niemand anderen damit belasten wollte. “War also der Vorfall dort auf dieser Party der Grund für diese Probleme?“