Kindness always pays back good
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Cap
Schlimmster Tag seit langem. Und er konnte diesmal zurecht sagen, dass es nicht (nur) an seiner Stimme lag. Er hatte Saja nun fast eine Woche und jetzt war sie weg und er konnte nicht mal nach ihr rufen, ohne entweder Schmerzen zu haben oder halb zu ersticken oder im schlimmsten Fall beides. Er hatte ewig gesucht, sogar andere Parkbesucher gefragt, aber niemand hatte sie gesehen, also war er niedergeschlagen nach Hause bzw in den Shop gegangen und hatte nach einem Bild gesucht, für ein Suchplakat. Aber er würde noch nicht dazu kommen, es auszudrucken, denn er musste arbeiten, so schwer es ihm auch fiel. Wenigstens trug sie ein Halsband mit einem Tag, auf dem nicht nur ihr Name sondern auch die Adresse des Shops und die Telefonnummer standen. Wie gut, dass Maggie darauf bestanden hatte. Er hatte da noch keine Ahnung gehabt, war gerade aber mehr als froh. Davon ab, war Saja über den Züchter ja auch gechippt worden. Eine weitere, sehr gute, Vorsichtsmaßnahme, wie er jetzt fand.
Wenigstens half die Arbeit, sich so gut es ging, abzulenken, auch wenn jedes Telefonklingeln in ihm die Hoffnung weckte, dass jemand Saja gefunden haben könnte. Nur, dass er jedes Mal enttäuscht wurde und es sich noch nicht mal anmerken lassen durfte. Aber er konnte das. Er musste das durchstehen, dann konnten sie nachher das Plakat gestalten und rund um den Park aufhängen. Er konzentrierte sich aber voll auf die Arbeit, weswegen der Tag irgendwie verflog, bis es Nachmittags war und er sich zumindest eine kurze Pause gönnen konnte, solange keiner im Laden war. Maggie war losgefahren um eine Lieferung zu machen, also war er allein hier und gerade sah es auch nicht so aus, als würde allzu schnell wieder ein Kunde reinkommen, weswegen er sich bückte um seine Trinkflasche aus der Kanne wieder aufzufüllen. Stark verdünnter Apfelsaft, ohne Sprudel. Getränke mit Sprudel waren für ihn zur Seltenheit – zu Luxus geworden. Er konnte es noch trinken, aber es war noch unangenehmer das zu schlucken als sonst schon, weswegen er es nach Möglichkeit vermied.
Der Angriff hatte sein Leben wirklich nachhaltig verändert und er hatte sich in vielem umstellen müssen. Musste auf Getränke und Lebensmittel verzichten, wenn er nicht wollte, dass es ihm verdammt schlecht ging. Aber lieber so, als tot. Nicht wahr?
Er trank mühsam einen Schluck aus seiner Flasche, während er an der Theke lehnte, mit dem Rücken zur Tür. Darüber nachdenkend, was nachher alles auf das Suchplakat musste. Telefonnummer, Sajas Beschreibung, ein gut erkennbares Bild. Die Chipnummer, falls jemand mit ihr zum Tierarzt ging um nach einem Chip zu suchen. Hoffentlich hatte sie jemand nicht einfach mitgenommen, sie war immerhin ein Rassehund in einer ungewöhnlichen Farbe. Sowas hörte man schließlich immer wieder. Dass Leute Hunde oder Katzen einfach behielten, während der eigentliche Besitzer sich entsetzliche Sorgen machte. So wie er jetzt. Er hätte besser aufpassen müssen.
Wenigstens half die Arbeit, sich so gut es ging, abzulenken, auch wenn jedes Telefonklingeln in ihm die Hoffnung weckte, dass jemand Saja gefunden haben könnte. Nur, dass er jedes Mal enttäuscht wurde und es sich noch nicht mal anmerken lassen durfte. Aber er konnte das. Er musste das durchstehen, dann konnten sie nachher das Plakat gestalten und rund um den Park aufhängen. Er konzentrierte sich aber voll auf die Arbeit, weswegen der Tag irgendwie verflog, bis es Nachmittags war und er sich zumindest eine kurze Pause gönnen konnte, solange keiner im Laden war. Maggie war losgefahren um eine Lieferung zu machen, also war er allein hier und gerade sah es auch nicht so aus, als würde allzu schnell wieder ein Kunde reinkommen, weswegen er sich bückte um seine Trinkflasche aus der Kanne wieder aufzufüllen. Stark verdünnter Apfelsaft, ohne Sprudel. Getränke mit Sprudel waren für ihn zur Seltenheit – zu Luxus geworden. Er konnte es noch trinken, aber es war noch unangenehmer das zu schlucken als sonst schon, weswegen er es nach Möglichkeit vermied.
Der Angriff hatte sein Leben wirklich nachhaltig verändert und er hatte sich in vielem umstellen müssen. Musste auf Getränke und Lebensmittel verzichten, wenn er nicht wollte, dass es ihm verdammt schlecht ging. Aber lieber so, als tot. Nicht wahr?
Er trank mühsam einen Schluck aus seiner Flasche, während er an der Theke lehnte, mit dem Rücken zur Tür. Darüber nachdenkend, was nachher alles auf das Suchplakat musste. Telefonnummer, Sajas Beschreibung, ein gut erkennbares Bild. Die Chipnummer, falls jemand mit ihr zum Tierarzt ging um nach einem Chip zu suchen. Hoffentlich hatte sie jemand nicht einfach mitgenommen, sie war immerhin ein Rassehund in einer ungewöhnlichen Farbe. Sowas hörte man schließlich immer wieder. Dass Leute Hunde oder Katzen einfach behielten, während der eigentliche Besitzer sich entsetzliche Sorgen machte. So wie er jetzt. Er hätte besser aufpassen müssen.
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Beth
Er hasste es zu verlieren. Gut: Das war wohl nichts Besonderes, weil welcher Sportler verlor schon gerne?; aber verdammt: Diese elende 4:1-Niederlage am 31.01. gegen Liverpool war am Ende einfach nur noch einer Demütigung gleichgekommen. Gestern waren sie wieder in London angekommen und seitdem versuchte er soziale Medien zu meiden. Er konnte sich nämlich wirklich gut vorstellen, in welche Abgründe menschlichen Abschaums er sich dort begeben würde und seine masochistische Ader war vielleicht durchaus ein wenig vorhanden, aber definitiv nicht in diesem Ausmaß. Heute hatten sie eine kurze Nachbesprechung gehabt, gefolgt von einem kurzen Training und danach hatte er sich vorgenommen, heute ein wenig Selfcare zu betreiben. Nicht dass er glaubte das verdient zu haben, er kannte sich aber gut genug um zu wissen, dass er genau das jetzt brauchte um in zwei Tagen wieder seine Bestleistung zu zeigen.
Selfcare bedeutete bei ihm unter Anderem, dass er joggen ging. Das machte er zwar generell häufig, es half ihm aber nun mal auch immer wieder, seinen Kopf frei zu bekommen. Zwei Kilometer war er gelaufen, als er mehr oder minder gezwungenermaßen stehen blieb um sein Handy aus der Hosentasche zu ziehen. Was zum Teufel? Wieso war die Musik aus? Nach einer kurzen Fehleranalyse konnte er zwar ausmachen, dass seine Airpods sich plötzlich nicht mehr verbanden, aber warum und wie er das schnell lösen konnte, wusste er deshalb auch noch nicht. Na toll. So viel zum Selfcare-Tag. Joggen ohne Musik war kein Selfcare. Er seufzte kurz, nahm die AirPods in die Ohren und merkte dann, dass er auch noch das dazugehörige Case zuhause liegen lassen hatte. Klasse. Die Miniatur-Kopfhörer landeten also auch einfach in seiner Hosentasche und dann lief er recht unmotiviert noch ein paar Meter, ehe sein Blick auf einen kleinen Flauscheball (aka einen Hund) fiel. Im ersten Moment dachte er sich nicht viel mehr als ‚niedlich‘, aber ein paar Momente später kam ihm dann doch etwas merkwürdig vor: Niemand hier schien sich für den Zwerg verantwortlich zu fühlen. Augenblicklich blieb Lior erneut stehen, blickte sich um und ging schließlich zwei Meter vor dem Tier in die Hocke. „Hola, guapo. ¿Qué haces aquí tú solito?“ [„Hallo, Süßer. Was machst du hier denn so alleine?“] Automatisch wurde seine Stimme etwas wärmer und sanfter, während seine Hand sich leicht ausstreckte um das Tierchen schnuppern zu lassen. Glücklicherweise erwies der Hund sich nicht gerade als scheu und so war das Tier schnell bei ihm und Lior konnte auch schnell das Halsband mit den Marken ausfindig machen, die ihm alles wichtige verrieten. „Hola, Saja“, grüßte er nun also standesgemäß, ehe er schnell ein Foto von der Marke machte und dann die Kapuzenkordel seiner Sweatjacke herauszog, um sie provisorisch an den Ring im Halsband zu knoten. War nicht ideal, aber bestimmt besser als einen fremden Hund durch die Stadt zu tragen.
Nur ein paar Minuten später waren Saja und er an seinem Auto angekommen, wo er Saja kurzerhand im Kofferraum parkte und dann vom Fahrersitz aus die Adresse der Hundemarke googlete. Das war nicht weit weg, weil er seiner Kordelleine aber nicht so sehr vertraute, wie seinem Auto, fuhr er die Strecke von knappen zwei Kilometer lieber. Ein Parkplatz in der Nähe des Blumenladens war schnell gefunden, der Kofferraum geöffnet und der Hund dann doch auf den Arm genommen. Keine Minute später betrat er mit Saja auf dem Arm den Laden, wo er direkt den Hinterkopf einer Person ausmachen konnte. „Hola“, grüßte er wieder und verdrehte innerlich die Augen. Englisch, Lior! „uhm… ich hab hier wen gefunden und ich glaube, sie gehört zu euch?“, fragte er dann mit einem offenen Lächeln, als der Mann sich zu ihm umgedreht hatte. „Steht zumindest auf ihrer Hundemarke?“
Selfcare bedeutete bei ihm unter Anderem, dass er joggen ging. Das machte er zwar generell häufig, es half ihm aber nun mal auch immer wieder, seinen Kopf frei zu bekommen. Zwei Kilometer war er gelaufen, als er mehr oder minder gezwungenermaßen stehen blieb um sein Handy aus der Hosentasche zu ziehen. Was zum Teufel? Wieso war die Musik aus? Nach einer kurzen Fehleranalyse konnte er zwar ausmachen, dass seine Airpods sich plötzlich nicht mehr verbanden, aber warum und wie er das schnell lösen konnte, wusste er deshalb auch noch nicht. Na toll. So viel zum Selfcare-Tag. Joggen ohne Musik war kein Selfcare. Er seufzte kurz, nahm die AirPods in die Ohren und merkte dann, dass er auch noch das dazugehörige Case zuhause liegen lassen hatte. Klasse. Die Miniatur-Kopfhörer landeten also auch einfach in seiner Hosentasche und dann lief er recht unmotiviert noch ein paar Meter, ehe sein Blick auf einen kleinen Flauscheball (aka einen Hund) fiel. Im ersten Moment dachte er sich nicht viel mehr als ‚niedlich‘, aber ein paar Momente später kam ihm dann doch etwas merkwürdig vor: Niemand hier schien sich für den Zwerg verantwortlich zu fühlen. Augenblicklich blieb Lior erneut stehen, blickte sich um und ging schließlich zwei Meter vor dem Tier in die Hocke. „Hola, guapo. ¿Qué haces aquí tú solito?“ [„Hallo, Süßer. Was machst du hier denn so alleine?“] Automatisch wurde seine Stimme etwas wärmer und sanfter, während seine Hand sich leicht ausstreckte um das Tierchen schnuppern zu lassen. Glücklicherweise erwies der Hund sich nicht gerade als scheu und so war das Tier schnell bei ihm und Lior konnte auch schnell das Halsband mit den Marken ausfindig machen, die ihm alles wichtige verrieten. „Hola, Saja“, grüßte er nun also standesgemäß, ehe er schnell ein Foto von der Marke machte und dann die Kapuzenkordel seiner Sweatjacke herauszog, um sie provisorisch an den Ring im Halsband zu knoten. War nicht ideal, aber bestimmt besser als einen fremden Hund durch die Stadt zu tragen.
Nur ein paar Minuten später waren Saja und er an seinem Auto angekommen, wo er Saja kurzerhand im Kofferraum parkte und dann vom Fahrersitz aus die Adresse der Hundemarke googlete. Das war nicht weit weg, weil er seiner Kordelleine aber nicht so sehr vertraute, wie seinem Auto, fuhr er die Strecke von knappen zwei Kilometer lieber. Ein Parkplatz in der Nähe des Blumenladens war schnell gefunden, der Kofferraum geöffnet und der Hund dann doch auf den Arm genommen. Keine Minute später betrat er mit Saja auf dem Arm den Laden, wo er direkt den Hinterkopf einer Person ausmachen konnte. „Hola“, grüßte er wieder und verdrehte innerlich die Augen. Englisch, Lior! „uhm… ich hab hier wen gefunden und ich glaube, sie gehört zu euch?“, fragte er dann mit einem offenen Lächeln, als der Mann sich zu ihm umgedreht hatte. „Steht zumindest auf ihrer Hundemarke?“
