The past cannot be changed. The future is yet in your power.
[private Szene & feste Postreihenfolge]
Charaktere
Datum
11.05.2024
Tageszeit
später Nachmittag
Ort
Wohnung von Jonathan
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Lara
Immer wieder öffne und schließe ich die Case von meinen Kopfhörern. Eigentlich beruhigt mich Musik immer, aber heute habe ich das Gefühl, sobald ich nur die ersten Klänge meiner Lieblingsbands hört wurde ich innerlich unruhig. Anfangs hatte ich dann einfach nur in den tausend Playlisten rumgeklickt, aber nichts hatte den gewünschten Effekt. Die kleine sarkastische Stimme in mir lachte aus voller Brust und rollte sich nur so auf dem Boden. Was hatte ich auch erwartet, der wohl schlimmste Weg in meinem Leben stand vor mir - oder besser gesagt, ich war schon auf dem Weg. Und zurück ging nicht mehr. Wenigstens gab es ein Plan B, auch wenn ich nicht besonders glücklich über diesen war. Schließlich würde es bedeuten, dass ich wieder zu meiner Mutter ziehen müsste. Und dann dürfte ich mir wieder anhören, wieso ich nur alles auf die Schauspielerei gesetzt hatte - sie hätte ja auch schon immer gesagt, dass es nur eine Träumerei ist. Ich schnaubte leise. Gerade sie musste mir was von Träumen erzählen - schließlich jagte sie heute noch nach dem Traum der großen Liebe. Ein Stich durchzuckte mich - große Liebe. Ich hatte meine und die Betonung lag auf hatte. Und mit dem Verlust ihrer großen Liebe habe ich nicht nur die Liebe, welche mich immer unterstützt hatte und mich geliebt hatte als noch ganz klein war - als ich noch niemand war - sondern ich habe auch meinen besten Freund. Meine Familie. Irgendwie habe ich mit London alles verloren. Obwohl es meine große Chance sein sollte.
Seufzend zieh ich doch meine Kopfhörer aus den Ohren und stand von meinem Sitz auf - der nächste Halt ist mein Bahnhof. Von der Gepäckablage zog ich meinen Koffer und schultere meinen Rucksack. Traurig, wenn man überlegte, dass in den zwei Taschen ganzes Leben sich befand - oder das was davon noch übrig war.
Mein Herz klopfte so laut - das ich das Gefühl hatte, dass jeder um mich herum es hören konnten. Ein Tieferatemzug und ich suchte den Namen auf dem Klingelschild. Doch bevor ich drücken konnte drehte ich mich fluchend um. Was mach ich eigentlich hier? Wieso hatte ich den Gedanken, dass Nate mich aufnehmen würde - weil er immer dein Zuhause sein wird. Immer dein Hafen. Dein erster Gedanke und dein letzter.
Ich lehnte mich gegen die Haustür und schloss kurz die Augen. Nur weil ich so fühlte und an ihn dachte, hieß es ja nicht, dass er immer noch so für mich fühlte. Erneut gab es ein Stich in meinem Herzen. Auch wenn mein Kopf wusste, dass es nur logisch wäre, wenn er mich hasste. Bei unserer Trennung habe so unschöne Dinge gesagt - die mir sofort leid getan hatte, aber in dem Moment war ich komplett blind. Ich verziehe das Gesicht - für den Moment hasse ich mich immer nicht.
Ich merkte, wie mich der Mut verlässt und ich dann doch lieber gleich zu meiner Mutter fahren wollte - doch bevor ich mich durchringen konnte wurde die Tür hinter mir aufgerissen und ich fiel wortwörtlich nach hinten. Ein junger Typ sah mich erschrocken an und brabbelte irgendeine Entschuldigung, bevor er mir die Hand reichte. Dankend nahm ich sie an und sah dann dabei zu, wie er den Hausflur verließ. War das ein Wink vom Schicksal? Vielleicht. Irgendwas in mir stupste mein Mut an und ich griff nach meinen Koffer. Nur ein paar Stufen und dann stand ich vor der Tür, die mir so vertraut war. Die Tür zu meinem ersten richtigen Zuhause. Der Ort, an den ich dachte, wenn ich sagte, ich will nach Hause. Nochmal ein tiefer Atemzug und ich klopfte an die Tür.
Seufzend zieh ich doch meine Kopfhörer aus den Ohren und stand von meinem Sitz auf - der nächste Halt ist mein Bahnhof. Von der Gepäckablage zog ich meinen Koffer und schultere meinen Rucksack. Traurig, wenn man überlegte, dass in den zwei Taschen ganzes Leben sich befand - oder das was davon noch übrig war.
Mein Herz klopfte so laut - das ich das Gefühl hatte, dass jeder um mich herum es hören konnten. Ein Tieferatemzug und ich suchte den Namen auf dem Klingelschild. Doch bevor ich drücken konnte drehte ich mich fluchend um. Was mach ich eigentlich hier? Wieso hatte ich den Gedanken, dass Nate mich aufnehmen würde - weil er immer dein Zuhause sein wird. Immer dein Hafen. Dein erster Gedanke und dein letzter.
Ich lehnte mich gegen die Haustür und schloss kurz die Augen. Nur weil ich so fühlte und an ihn dachte, hieß es ja nicht, dass er immer noch so für mich fühlte. Erneut gab es ein Stich in meinem Herzen. Auch wenn mein Kopf wusste, dass es nur logisch wäre, wenn er mich hasste. Bei unserer Trennung habe so unschöne Dinge gesagt - die mir sofort leid getan hatte, aber in dem Moment war ich komplett blind. Ich verziehe das Gesicht - für den Moment hasse ich mich immer nicht.
Ich merkte, wie mich der Mut verlässt und ich dann doch lieber gleich zu meiner Mutter fahren wollte - doch bevor ich mich durchringen konnte wurde die Tür hinter mir aufgerissen und ich fiel wortwörtlich nach hinten. Ein junger Typ sah mich erschrocken an und brabbelte irgendeine Entschuldigung, bevor er mir die Hand reichte. Dankend nahm ich sie an und sah dann dabei zu, wie er den Hausflur verließ. War das ein Wink vom Schicksal? Vielleicht. Irgendwas in mir stupste mein Mut an und ich griff nach meinen Koffer. Nur ein paar Stufen und dann stand ich vor der Tür, die mir so vertraut war. Die Tür zu meinem ersten richtigen Zuhause. Der Ort, an den ich dachte, wenn ich sagte, ich will nach Hause. Nochmal ein tiefer Atemzug und ich klopfte an die Tür.
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Jana
Die letzten Monate waren hart. Sehr hart. Nicht nur, weil ich unglaublich viel gearbeitet habe – ein eigenes Café kostet so viel mehr Zeit, als ich ohnehin schon eingeplant habe -, nein, auch deswegen, weil ich die Liebe meines Lebens verloren habe. Wegen dem Café? Ich kann mir keinen echten Reim aus unserer Geschichte – oder besser aus unserem Ende – machen. Es ging alles so schnell, kam so plötzlich und vielleicht, ganz vielleicht, habe ich die Vorzeichen nicht sehen wollen. Ich kann es nicht mehr sagen. Drifteten unsere Leben bereits ab dem Moment auseinander, als Ela nach London gezogen ist? Immer wieder frage ich mich auch, ob ich hätte mitgehen sollen, ob es etwas geändert hätte. Ich wollte ihr alles ermöglichen, wollte, dass sie ihren Traum verwirklichen kann, denn sie hat es verdient. Genauso sehr habe aber auch ich verdient, endlich meinen Traum leben zu können. Der Traum, der alles an Zeit in Anspruch genommen hat. Gleichzeitig war ich aber auch froh, dass es so lief, denn so gab es in meinem Leben zumindest etwas, auf das ich mich konzentrieren konnte. Und ich bin stolz darauf, was bisher schon aus meinem Café geworden ist. Es ist klein, aber ein Rückzugsort für Menschen, die Bücher lieben, die gern meinen Kuchen essen, ausgewählten Kaffee trinken und sich entspannen wollen. Kein Starbucks mit Computern, keine Steckdosen, die man für seinen Laptop und das Homeoffice nutzen kann (mit wenigen Ausnahmen natürlich), es ist einfach ein ruhiger Ort, den ich liebe. Und den ich aufgebaut habe. Und dass ich einmal in meinem Leben mich priorisiert habe, hatte zur Folge, dass ich nun Single bin.
Nun Single klingt beinahe so, als ob wir uns gerade erst getrennt haben, was absolut nicht stimmt. Es ist Wochen – Monate – her, dennoch konnte bisher nichts die Leere richtig füllen, die ich seitdem empfinde. Immer wieder erwische ich mich dabei, wie ich Gedanken habe, die ich mit ihr teilen möchte, wie ich von Erlebnissen berichten möchte, wie ich hoffe, dass die Wohnung am Abend nicht leer und dunkel ist, wenn ich nach Hause komme. Und doch ist sie es. An diesem Nachmittag bin ich früher zuhause, muss noch Papierkram erledigen und bin ganz froh darüber, mal ein wenig Zeit in der Wohnung verbringen zu können. Leise Musik läuft im Hintergrund, ich habe etwas zu Essen auf dem Tisch stehen, aber eigentlich keinen Hunger, während meine Finger über die Tastatur meines Laptops fliegen und Briefe schreiben, Rechnungen überweisen, Finanzübersichten erstellen – all diesen Kram, der zwangsläufig mit dabei ist, wenn man ein eigenes Geschäft führt. Und dann klopft es an der Tür. Irritiert, weil ich niemanden erwarte und vor allem auch, weil die Person bereits vor der Wohnung steht, stehe ich auf und gehe zur Wohnungstür, nur um im nächsten Moment das Gefühl zu haben, einen Geist zu sehen. Wenn ich wirklich dachte, ich wäre auch nur ansatzweise über meine Gefühle hinweggekommen oder ich wäre auf dem Weg dorthin – ich hatte mich geirrt.
Da steht sie. Langes, blondes Haar. Dieselben Gesichtszüge wie immer. Sogar der Geruch, der mir entgegen strömt, ist vertraut. Die ersten Worte bleiben mir im Hals stecken und ich bin mir sicher, dass ich sie anstarre. Eine Sekunde. Zwei. Drei. „Was machst du hier?“ Nicht gerade die beste oder freundlichste Begrüßung, aber das Erste, was ich über die Lippen bekomme. Ich denke nicht einmal daran, sie hineinzubitten, weil ich auch gar nicht sicher bin, ob ich das möchte. Gleichzeitig… will ich es so sehr. Komischer Zwiespalt, der in meinem Körper entsteht.
Nun Single klingt beinahe so, als ob wir uns gerade erst getrennt haben, was absolut nicht stimmt. Es ist Wochen – Monate – her, dennoch konnte bisher nichts die Leere richtig füllen, die ich seitdem empfinde. Immer wieder erwische ich mich dabei, wie ich Gedanken habe, die ich mit ihr teilen möchte, wie ich von Erlebnissen berichten möchte, wie ich hoffe, dass die Wohnung am Abend nicht leer und dunkel ist, wenn ich nach Hause komme. Und doch ist sie es. An diesem Nachmittag bin ich früher zuhause, muss noch Papierkram erledigen und bin ganz froh darüber, mal ein wenig Zeit in der Wohnung verbringen zu können. Leise Musik läuft im Hintergrund, ich habe etwas zu Essen auf dem Tisch stehen, aber eigentlich keinen Hunger, während meine Finger über die Tastatur meines Laptops fliegen und Briefe schreiben, Rechnungen überweisen, Finanzübersichten erstellen – all diesen Kram, der zwangsläufig mit dabei ist, wenn man ein eigenes Geschäft führt. Und dann klopft es an der Tür. Irritiert, weil ich niemanden erwarte und vor allem auch, weil die Person bereits vor der Wohnung steht, stehe ich auf und gehe zur Wohnungstür, nur um im nächsten Moment das Gefühl zu haben, einen Geist zu sehen. Wenn ich wirklich dachte, ich wäre auch nur ansatzweise über meine Gefühle hinweggekommen oder ich wäre auf dem Weg dorthin – ich hatte mich geirrt.
Da steht sie. Langes, blondes Haar. Dieselben Gesichtszüge wie immer. Sogar der Geruch, der mir entgegen strömt, ist vertraut. Die ersten Worte bleiben mir im Hals stecken und ich bin mir sicher, dass ich sie anstarre. Eine Sekunde. Zwei. Drei. „Was machst du hier?“ Nicht gerade die beste oder freundlichste Begrüßung, aber das Erste, was ich über die Lippen bekomme. Ich denke nicht einmal daran, sie hineinzubitten, weil ich auch gar nicht sicher bin, ob ich das möchte. Gleichzeitig… will ich es so sehr. Komischer Zwiespalt, der in meinem Körper entsteht.
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Lara
Es fühlte sich an, als würde sich die Erde langsamer drehen. Als würde ich stundenlang auf diese Wohnungstür starren, obwohl es sicherlich nur ein paar Minuten waren. Die Angst, dass Nate gar nicht zu Hause war stieg mit jeder Sekunde. War das der Hinweis vom Schicksal, dass das hier eine sehr dumme Idee war? Ich hatte ihm so weh getan mit meiner Worten - ihn beschimpft, dass er mich nicht unterstützen würde. Obwohl es eher anders rum war - ich hatte nur meine Karriere und den großen Durchbruch gesehen in London, nicht die Möglichkeit, die er hier in bekommen hatte. Diesen Laden, der einfach nur perfekt passte für ihn und seinen Traum. Leise seufzte ich und wollte mich schon umdrehen - weglaufen. Vor allem weglaufen, weil mich so viele Gefühle innerlich überrannten. Doch dann wurde die Tür geöffnet und ich sah die braunen Augen, welche mir die Welt bedeutet haben. In den ich mich stundenlang verloren habe. Die, die mir sofort wieder weiche Knie bereiten. Mein Herz klopfte wie wild und ich hatte das Gefühl, es würde jede Sekunde rausspringen.
Mein Kiefer spannte sich an und ich presste die Zähne aufeinander - ich bekam einfach den Mund nicht auf. Seine Anwesenheit hat mich kalt erwischt, obwohl ich darauf vorbereit war. Kurz sah ich auf meine verschränkten Finger vor mir und atmete ruhig durch und sah dann wieder zu meinem Exfreund. Mein Mund öffnete sich, aber sofort schloss ich ihn wieder. Was sollte ich auch sagen? Alles was ich mir zurecht gelegt hatte wollte mir nicht mehr einfallen. Mein ganzer Kopf war leer, aber dennoch mit so vielen Erinnerungen und Gedanken voll. "Hey" brachte ich mühsam hervor. Ein kurzer und tiefer Atemzug noch und dann brach alles aus mir raus. "Ich wusste nicht wohin ich sollte. Meine erste Intention war es hier herzufahren. Ich weiß, es war eine schreckliche Idee. Ich hätte zu Mum fahren sollen. Es tut mir leid, dass ich hier bin."
Wieder atmete ich tief aus und sah zu Boden. Ich musste, wie ein geschlagener Hund aussehen. Ich konnte ihm nicht ins Gesicht sehen. Viele zu groß war die Scham.
Mein Kiefer spannte sich an und ich presste die Zähne aufeinander - ich bekam einfach den Mund nicht auf. Seine Anwesenheit hat mich kalt erwischt, obwohl ich darauf vorbereit war. Kurz sah ich auf meine verschränkten Finger vor mir und atmete ruhig durch und sah dann wieder zu meinem Exfreund. Mein Mund öffnete sich, aber sofort schloss ich ihn wieder. Was sollte ich auch sagen? Alles was ich mir zurecht gelegt hatte wollte mir nicht mehr einfallen. Mein ganzer Kopf war leer, aber dennoch mit so vielen Erinnerungen und Gedanken voll. "Hey" brachte ich mühsam hervor. Ein kurzer und tiefer Atemzug noch und dann brach alles aus mir raus. "Ich wusste nicht wohin ich sollte. Meine erste Intention war es hier herzufahren. Ich weiß, es war eine schreckliche Idee. Ich hätte zu Mum fahren sollen. Es tut mir leid, dass ich hier bin."
Wieder atmete ich tief aus und sah zu Boden. Ich musste, wie ein geschlagener Hund aussehen. Ich konnte ihm nicht ins Gesicht sehen. Viele zu groß war die Scham.
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Jana
Wäre ich gefragt worden, ob ich über meine Trennung mittlerweile hinweggekommen war, hätte ich ja gesagt. Und es wäre absolut gelogen gewesen. Viel zu viele Abende lag ich in meinem Bett, einsam, nachdenklich, überlegend, ob ich ihr schreiben sollte oder nicht. Immer wieder entschied ich mich dagegen, aber schon darüber nachzudenken, brachte mich erneut zu ihr. Zurück in unsere Beziehung, die beendet war. Ein oder zwei Mal dachte ich sogar daran, die Wohnung aufzugeben und mir eine neue, eigene zu besorgen, nur um etwas für mich zu haben. Aber ich hatte weder die Zeit noch das Geld dafür. Nach außen hin gab ich jemanden, der fröhlich und zufrieden war und ich war es auch – eigentlich. Ich hatte meine Ziele erreicht, das eigene Café eröffnet und es lief. Es lief gut. Ich bekam Kundschaft, es wurden Kuchen bestellt, Menschen kamen immer wieder und besuchten mich – uns, denn mittlerweile hatte ich auch eine Angestellte. Es war schön und ich genoss es. Aber gleichzeitig wusste ich auch, dass der Mensch an meiner Seite fehlte, mit dem ich diesen Erfolg teilen konnte.
Ich rechnete mit keinem Besuch, als es an diesem Nachmittag an meine Tür klopfte. Und es klopfte wirklich direkt an der Tür, was mich schon ein wenig stutzig machte. Ich rechnete mit allem – Postboten, die den Weg ins Haus fanden und eigentlich etwas für die Nachbarn abgeben wollten. Die Nachbarn selbst, die sich wieder über den Lärm über uns beschwerten, der mir relativ egal war, weil ich vormittags nie zuhause war und abends schnell schlief – wie ein Stein, vor lauter Übermüdung, weil ich noch immer oft schlecht schlief. Aber mit niemandem sprach ich über all diese Probleme. Ich rechnete also mit vielem, aber nicht damit, dass sie vor mir stand. Wie ein Schatten meiner Vergangenheit, der in die Gegenwart eindrang und sich ziemlich präsent über mich legte. Mein Herz schlug schnell und ja, ich bekam nicht mehr raus als die Nachfrage danach, was sie hier machte – und dabei war ich nicht unbedingt freundlich.
Sie beantwortete mir die Frage, die ich gestellt hatte, gleichzeitig kamen aber so viele neue hinzu. Ich wusste, wieso sie bei mir war und nicht zu ihrer Mutter ging und während es sich einerseits absolut richtig anfühlte, fühlte ich mich in ihrer Gegenwart auch falsch. Es war verdreht. Sie entschuldigte sich bei mir dafür, dass sie gekommen war, und obwohl ich wusste, dass es richtig war, wenn sie gehen würde, fürchtete ich direkt den Moment, wenn dies auch wirklich geschah. Die eigentliche Frage, die mir auf der Zunge brannte, war: Was machte sie hier? Nicht hier, vor meiner Haustür… Hier in Edinburgh. „Komm rein“, sagte ich schließlich und trat einen Schritt zur Seite aus der Tür heraus, um ihr Platz zu machen. Ich musste ihr wohl kaum erklären, wo das kleine Wohnzimmer mit der Couch und dem Esstisch war, denn bis vor ein paar Monaten war sie selbst ein ständiger Besucher dieser Räume. Nervosität stieg in mir auf, ließ meine Fingerspitzen kribbeln und ich atmete tief durch, als sie erneut in meinen vier Wänden war, obwohl ich dachte, dass dies so schnell nicht mehr geschehen würde. Vielleicht auch nie wieder. „Was machst du hier?“, fragte ich schließlich erneut, schüttelte dann aber den Kopf. „Nicht hier, ich meine in… Edinburgh…“ Machte das Sinn? „Willst du was trinken?“, fügte ich noch an, weil ich mich ihr gegenüber nun als Gastgeber fühlte. Immerhin wohnte sie hier ja nicht mehr.
Ich rechnete mit keinem Besuch, als es an diesem Nachmittag an meine Tür klopfte. Und es klopfte wirklich direkt an der Tür, was mich schon ein wenig stutzig machte. Ich rechnete mit allem – Postboten, die den Weg ins Haus fanden und eigentlich etwas für die Nachbarn abgeben wollten. Die Nachbarn selbst, die sich wieder über den Lärm über uns beschwerten, der mir relativ egal war, weil ich vormittags nie zuhause war und abends schnell schlief – wie ein Stein, vor lauter Übermüdung, weil ich noch immer oft schlecht schlief. Aber mit niemandem sprach ich über all diese Probleme. Ich rechnete also mit vielem, aber nicht damit, dass sie vor mir stand. Wie ein Schatten meiner Vergangenheit, der in die Gegenwart eindrang und sich ziemlich präsent über mich legte. Mein Herz schlug schnell und ja, ich bekam nicht mehr raus als die Nachfrage danach, was sie hier machte – und dabei war ich nicht unbedingt freundlich.
Sie beantwortete mir die Frage, die ich gestellt hatte, gleichzeitig kamen aber so viele neue hinzu. Ich wusste, wieso sie bei mir war und nicht zu ihrer Mutter ging und während es sich einerseits absolut richtig anfühlte, fühlte ich mich in ihrer Gegenwart auch falsch. Es war verdreht. Sie entschuldigte sich bei mir dafür, dass sie gekommen war, und obwohl ich wusste, dass es richtig war, wenn sie gehen würde, fürchtete ich direkt den Moment, wenn dies auch wirklich geschah. Die eigentliche Frage, die mir auf der Zunge brannte, war: Was machte sie hier? Nicht hier, vor meiner Haustür… Hier in Edinburgh. „Komm rein“, sagte ich schließlich und trat einen Schritt zur Seite aus der Tür heraus, um ihr Platz zu machen. Ich musste ihr wohl kaum erklären, wo das kleine Wohnzimmer mit der Couch und dem Esstisch war, denn bis vor ein paar Monaten war sie selbst ein ständiger Besucher dieser Räume. Nervosität stieg in mir auf, ließ meine Fingerspitzen kribbeln und ich atmete tief durch, als sie erneut in meinen vier Wänden war, obwohl ich dachte, dass dies so schnell nicht mehr geschehen würde. Vielleicht auch nie wieder. „Was machst du hier?“, fragte ich schließlich erneut, schüttelte dann aber den Kopf. „Nicht hier, ich meine in… Edinburgh…“ Machte das Sinn? „Willst du was trinken?“, fügte ich noch an, weil ich mich ihr gegenüber nun als Gastgeber fühlte. Immerhin wohnte sie hier ja nicht mehr.
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Lara
Jeder hatte schon mal diesen Moment in Büchern gelesen oder in Filmen/Serien gesehen - doch in echt war es anders. Es fühlte sich so laut an, aber eigentlich war es nur still. Die Welt war still, selbst die eigenen Gedanken. Für diese Sekunden, wenn man seinem Expartner, die man immer noch liebte wieder in die Augen sehen konnte. Und dann brach doch wieder alles zusammen und es wurde laut. Die Welt, die Gedanken und die eigene Anspannung. Weswegen aus meinem Mund tausend Informationen und Wörter nur so rausbrachen. Ich war selten jemand, der einfach viel sprach – außer bei Menschen, bei den ich mich wohl und sicher fühlte. Und dazu zählte Nate schon immer und würde es wahrscheinlich auch immer. Es war wie ein Urvertrauen, was einfach nicht wegging. Wenn ich ehrlich war, wollte ich auch nicht das es wegging. Schließlich war er immer mein Zuhause gewesen – und zum eigenem Zuhause sollte man immer ein Urvertrauen haben.
Ich wusste nicht mit was ich gerechnet hatte – ich hätte ihm alles verzeihen, eine Standpauke auf dem Flur, das er die Tür einfach wieder zugemacht hätte, mich wegzuschicken – alles wäre gerechtfertigt gewesen. Natürlich hatte gehofft, dass er mich nicht wegschicken würde, dennoch schluckte ich kurz bevor ich mit einem „Danke“ in die Wohnung trat. Eine Welle neuer Gefühle überkamen mich. Das zweite Zuhause. Die erste eigene Wohnung. Das erste richtige Zuhause, wo ich einfach ich sein konnte. Wie schluckte ich kurz. Auch in London habe ich eine Wohnung gehabt, aber sie hatte sie nie so angefühlt wie diese Wohnung. Vielleicht weil das wichtigste gefehlt hatte. Nervös ging ich zum Wohnzimmer – meine Jacke immer noch an – und setzte mich aufs Sofa. Mein ganzer Körper war angespannt, meine Schenkel presste ich zusammen, kratzte mit meinem Nagel vom Zeigefinger über die Haut unterhalb vom Daumennagel. Ich war noch nie selbstbewusst gewesen – auch wenn alles immer glaubten, wegen meiner Liebe zur Schauspielerei, aber es war so, auf der Bühne war ich jemand anders. Eine feste Rolle, eine Figur, die definiert war und ich nicht noch selber finden musste. Es war somit viel einfacher Selbstbewusst auf der Bühne zu stehen und den Leuten, diese Rolle zu zeigen. Anders war es bei Nate, bei ihm konnte ich schon immer ich sein und doch ein gewissen Grad an Selbstbewusstsein haben. Jetzt sah es anders aus, jetzt fühlte ich mich ganz klein. Nochmal seufzte ich und sah ihn an. „Ich habe in London die Rolle verloren und weitere Jobangebote blieben aus. Ich habe mein Agenten verloren und somit eben auch London. Und ich wusste erstmal nicht wohin.“ Erzählte ich ihm dann doch. Zu mindestens die Kurzversion davon. Ein gequältes, halbherziges Lächeln kam auf meine Lippen, aber verschwand direkt wieder. Bei seiner Frage mit dem Trinken schüttelte ich den Kopf. „Ich habe meine Wohnung nicht halten können und ich hatte nichts mehr in London, weswegen ich zurück nach Hause wollte. Und ich dachte erst an dich und nicht an Mum. Ich weiß, aber auch nicht so richtig was ich erwartet habe. Nicht, dass du mich hier aufnimmst und alles wieder gut ist. Ich wusste einfach nur nicht, was ich machen sollte.“ Redete ich dann doch weiter und seufzte. Weil das war die Wahrheit. Ich hatte kein Plan und wusste nicht was ich wollte und wie es weitergehen würde.
Ich wusste nicht mit was ich gerechnet hatte – ich hätte ihm alles verzeihen, eine Standpauke auf dem Flur, das er die Tür einfach wieder zugemacht hätte, mich wegzuschicken – alles wäre gerechtfertigt gewesen. Natürlich hatte gehofft, dass er mich nicht wegschicken würde, dennoch schluckte ich kurz bevor ich mit einem „Danke“ in die Wohnung trat. Eine Welle neuer Gefühle überkamen mich. Das zweite Zuhause. Die erste eigene Wohnung. Das erste richtige Zuhause, wo ich einfach ich sein konnte. Wie schluckte ich kurz. Auch in London habe ich eine Wohnung gehabt, aber sie hatte sie nie so angefühlt wie diese Wohnung. Vielleicht weil das wichtigste gefehlt hatte. Nervös ging ich zum Wohnzimmer – meine Jacke immer noch an – und setzte mich aufs Sofa. Mein ganzer Körper war angespannt, meine Schenkel presste ich zusammen, kratzte mit meinem Nagel vom Zeigefinger über die Haut unterhalb vom Daumennagel. Ich war noch nie selbstbewusst gewesen – auch wenn alles immer glaubten, wegen meiner Liebe zur Schauspielerei, aber es war so, auf der Bühne war ich jemand anders. Eine feste Rolle, eine Figur, die definiert war und ich nicht noch selber finden musste. Es war somit viel einfacher Selbstbewusst auf der Bühne zu stehen und den Leuten, diese Rolle zu zeigen. Anders war es bei Nate, bei ihm konnte ich schon immer ich sein und doch ein gewissen Grad an Selbstbewusstsein haben. Jetzt sah es anders aus, jetzt fühlte ich mich ganz klein. Nochmal seufzte ich und sah ihn an. „Ich habe in London die Rolle verloren und weitere Jobangebote blieben aus. Ich habe mein Agenten verloren und somit eben auch London. Und ich wusste erstmal nicht wohin.“ Erzählte ich ihm dann doch. Zu mindestens die Kurzversion davon. Ein gequältes, halbherziges Lächeln kam auf meine Lippen, aber verschwand direkt wieder. Bei seiner Frage mit dem Trinken schüttelte ich den Kopf. „Ich habe meine Wohnung nicht halten können und ich hatte nichts mehr in London, weswegen ich zurück nach Hause wollte. Und ich dachte erst an dich und nicht an Mum. Ich weiß, aber auch nicht so richtig was ich erwartet habe. Nicht, dass du mich hier aufnimmst und alles wieder gut ist. Ich wusste einfach nur nicht, was ich machen sollte.“ Redete ich dann doch weiter und seufzte. Weil das war die Wahrheit. Ich hatte kein Plan und wusste nicht was ich wollte und wie es weitergehen würde.
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Jana
Jeder konnte wohl ein Lied davon singen, wie es war, wenn man jemanden aus seinem Leben verlor. Dabei ging es auch, wenn die andere Person nicht starb, es reichte schon, wenn man verlassen wurde. Ich wusste gar nicht, was am schlimmsten für mich an dieser Situation war: Allein sein, nicht der Menschen um sich haben, mit dem man alles teilen konnte… Es gab so viele Dinge, die mir schwerfielen, so vieles, was anders war und kaum etwas fühlte sich besser an. Gab es irgendetwas, das besser war? Ich stürzte mich Hals über Kopf in mein Café und baute etwas Großartiges auf, aber immer wieder erwischte ich mich dabei, wie ich einfach nur mit ihr darüber sprechen wollte. Ich wollte meinen Erfolg mit ihr teilen, ich wollte, dass wir beide diesen Erfolg haben konnten. Aber ich war allein und sie war in London. Und es würde niemals wieder so sein, wie es einmal war, dessen war ich mir eine lange Zeit sicher.
Diese Sicherheit zerbrach, als Ela vor meiner Haustür stand und mich in einen Strudel riss, bei dem ich dachte, dass es ihn in meinem Leben nicht mehr gab. Jedes noch so kleine Selbstbewusstsein, welches ich aufgebaut hatte und das gesagt hätte, dass ich sie nicht mehr brauchte, dass ich über die Trennung hinweg war, zerbrach in dem Moment, als sie da war. Sehnsucht holte mich ein, aber ebenso überkam mich auch der Schmerz wieder, den ich all die letzten Monate fühlen musste. Und so sehr ich sie mit offenen Armen empfangen wollte, so sehr weigerte mein Körper sich, ihr auch nur einen Schritt entgegenzukommen.
Aber sie wegzuschicken fühlte sich am schlimmsten und vor allem falsch an. Also trat ich zur Seite und ließ sie rein, erneut zurück in meine kleine Welt, die ich so sicher verschlossen hielt. Vor der Außenwelt. Ich nickte nur, als sie sich bedankte und wir ins Wohnzimmer gingen, einen Ort, den sie kannte. Wir kannten ihn. Wie oft lagen wir hier, Arm in Arm, und während ich die letzten Wochen nicht mehr darüber nachdenken musste, wie es war, hier mit ihr zu leben, kamen nun alle Erinnerungen zurück. Ihr Duft stieg in meine Nase und sie erfüllte den Raum gänzlich.
Ich bemerkte, dass sie nervös war – oder zumindest glaubte ich, genau das zu sehen, als sie auf dem Sofa saß. Mir ging es genauso, vor allem wusste ich im ersten Moment nicht, wo ich mich hinsetzen sollte. Der Stuhl neben der Couch erschien mir zu weit weg, beinahe so, als wollte ich bewusst sehr viel Abstand zwischen uns bringen. Andererseits wäre das nicht einmal gelogen, dennoch… Ich setzte mich ebenfalls auf die Couch, ein Stückchen von ihr entfernt, nachdem sie ablehnte, etwas zu trinken haben zu wollen. Und dann waren da noch diese vielen Fragen, die ich in den Raum stellte. „Ich wusste nicht - .. das tut mir leid…“, sagte ich ehrlich, wenn auch ein wenig leiser. Es tat mir leid, dass sie ihren Job, ihren Traum, verloren hatte. Ich wünschte ihr schließlich trotz allem nur das Beste. Mein Herz begann zu rasen, als sie so offen sagte, dass sie zuerst an mich dachte. Mir wäre es genauso gegangen, aber ehrlicherweise wollte ich diese Worte nicht hören. Ich wollte mich davor schützen, ihr zu verfallen, weil ich Angst hatte, dass es wieder geschehen könnte. Dass ich mich wieder auf sie einlasse und erneut verletzt werde. Also atmete ich tief ein und aus, um meine Nerven zu beruhigen. „Es ist auch nicht alles gut“, antwortete ich ehrlich, wenn auch ein wenig harsch. Ich biss mir auf die Lippe, um nicht direkt die Einladung aufzusprechen, dass sie zumindest auf dem Sofa schlafen konnte. Ein paar Tage oder so. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Ela. Es tut mir wirklich leid, dass du so eine Scheiße durchmachen musstest – und durchmachst…“ - aber hier kannst du nicht bleiben. Doch die Worte blieben mir im Hals stecken.
Diese Sicherheit zerbrach, als Ela vor meiner Haustür stand und mich in einen Strudel riss, bei dem ich dachte, dass es ihn in meinem Leben nicht mehr gab. Jedes noch so kleine Selbstbewusstsein, welches ich aufgebaut hatte und das gesagt hätte, dass ich sie nicht mehr brauchte, dass ich über die Trennung hinweg war, zerbrach in dem Moment, als sie da war. Sehnsucht holte mich ein, aber ebenso überkam mich auch der Schmerz wieder, den ich all die letzten Monate fühlen musste. Und so sehr ich sie mit offenen Armen empfangen wollte, so sehr weigerte mein Körper sich, ihr auch nur einen Schritt entgegenzukommen.
Aber sie wegzuschicken fühlte sich am schlimmsten und vor allem falsch an. Also trat ich zur Seite und ließ sie rein, erneut zurück in meine kleine Welt, die ich so sicher verschlossen hielt. Vor der Außenwelt. Ich nickte nur, als sie sich bedankte und wir ins Wohnzimmer gingen, einen Ort, den sie kannte. Wir kannten ihn. Wie oft lagen wir hier, Arm in Arm, und während ich die letzten Wochen nicht mehr darüber nachdenken musste, wie es war, hier mit ihr zu leben, kamen nun alle Erinnerungen zurück. Ihr Duft stieg in meine Nase und sie erfüllte den Raum gänzlich.
Ich bemerkte, dass sie nervös war – oder zumindest glaubte ich, genau das zu sehen, als sie auf dem Sofa saß. Mir ging es genauso, vor allem wusste ich im ersten Moment nicht, wo ich mich hinsetzen sollte. Der Stuhl neben der Couch erschien mir zu weit weg, beinahe so, als wollte ich bewusst sehr viel Abstand zwischen uns bringen. Andererseits wäre das nicht einmal gelogen, dennoch… Ich setzte mich ebenfalls auf die Couch, ein Stückchen von ihr entfernt, nachdem sie ablehnte, etwas zu trinken haben zu wollen. Und dann waren da noch diese vielen Fragen, die ich in den Raum stellte. „Ich wusste nicht - .. das tut mir leid…“, sagte ich ehrlich, wenn auch ein wenig leiser. Es tat mir leid, dass sie ihren Job, ihren Traum, verloren hatte. Ich wünschte ihr schließlich trotz allem nur das Beste. Mein Herz begann zu rasen, als sie so offen sagte, dass sie zuerst an mich dachte. Mir wäre es genauso gegangen, aber ehrlicherweise wollte ich diese Worte nicht hören. Ich wollte mich davor schützen, ihr zu verfallen, weil ich Angst hatte, dass es wieder geschehen könnte. Dass ich mich wieder auf sie einlasse und erneut verletzt werde. Also atmete ich tief ein und aus, um meine Nerven zu beruhigen. „Es ist auch nicht alles gut“, antwortete ich ehrlich, wenn auch ein wenig harsch. Ich biss mir auf die Lippe, um nicht direkt die Einladung aufzusprechen, dass sie zumindest auf dem Sofa schlafen konnte. Ein paar Tage oder so. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Ela. Es tut mir wirklich leid, dass du so eine Scheiße durchmachen musstest – und durchmachst…“ - aber hier kannst du nicht bleiben. Doch die Worte blieben mir im Hals stecken.
