wake up, make the same mistakes
cycles can be hard to break [private Szene & feste Postreihenfolge]
Charaktere
Datum
09.02.2024
Tageszeit
vormittags
Ort
Old Town WG & draußen
21 Posts
3 Scenes
offline
Kira
Das Schnarren in der Luft vibrierte wie ein Bohrer in seinem Schädel, drang immer tiefer ein, vereinnahmte seinen traumlosen und unbequemen Schlaf, bis er endlich langsam die Augen aufschlug und ziemlich benommen gegen das grelle Sonnenlicht anblinzelte, das ungehindert durch die fleckigen Scheiben drang. Stöhnend drückte er das Gesicht zurück ins weiche Polster, ohne irgendwelche Anstalten zu machen, nach dem Handy zu greifen, das irgendwo neben ihm auf dem Couchtisch einen eingehenden Anruf verkündete. Sein Arm hing schlaff über der Kante der Couch und baumelte träge Richtung Fußboden. Nach ein paar Sekunden kehrte endlich wieder Ruhe ein und mit ihr die ausgesprochen verlockende Aussicht, einfach wieder wegzudösen, doch dann begann das Vibrieren von neuem. Seufzend streckte Finnian den Arm aus, ohne die Augen noch einmal aufzuschlagen, tastete blind über den Tisch, bis er sein Handy endlich zwischen den Fingern hielt und drückte sich das Display fast schon gegen die Nase. Erst nach einem kurzen Moment gewannen die Buchstaben an Schärfe, klar genug, um den Namen zu erkennen. Nur stand dort keiner.
Don’t pick up.
Ah. In weiser Voraussicht hatte er den Kontakt damals unter genau diesem Hinweis abgespeichert, ein kleiner Trick, der dafür sorgte, dass er, so wie jetzt, niemals auf die Idee kommen würde, einen Anruf von dieser Nummer anzunehmen, nicht einmal aus Versehen. Manchmal war er wirklich clever. Achtlos ließ er das Handy auf den Teppich gleiten, drehte sich umständlich auf den Rücken und hinterfragte gar nicht erst, warum er auf der Couch geschlafen hatte. An das Gröbste von letzter Nacht erinnerte er sich noch ziemlich gut; nur an den Film, den er und Howell zum Ende hin angeschmissen hatten, hatte er keinerlei Erinnerung mehr. Star Wars? Eine Schande, dass er das vergessen hatte. Einen Moment blieb er einfach liegen und starrte zur Decke. Er hätte keinerlei Problem damit gehabt, den Tag einfach im Liegen zu verbringen, allerdings vorzugsweise in seinem Bett und nicht in einem Wohnzimmer, das er sich mit drei anderen Personen teilte. Bei diesem Gedanken wurde sein Gesicht plötzlich heiß und mit einem Ruck saß er aufrecht. Prüfend glitt der Blick durch den Raum, tastete den Flur dahinter ab, doch von seinen Mitbewohnern fehlte jede Spur. Hoffentlich hatten die ihn nicht alle hier schlafen sehen. Gott, war das peinlich. Mit neu erwachter Eile strampelte er die Fleecedecke von sich — deren Herkunft ihm vollkommen schleierhaft blieb — sammelte das Handy vom Boden auf und huschte in die Sicherheit seines Schlafzimmers.
Gerade als er einen Blick auf die Uhr werfen wollte, flammte das Display erneut auf: A. Baird. Scheiße, nein. Vorsichtig, als könne sein Vater durch die Leitung hindurch spüren, wie konsequent sein eigener Sohn ihn ignorierte, legte Finnian mit spitzen Fingern das Handy langsam auf seinem Bett ab, als handelte es sich dabei um etwas Empfindliches, das jeden Moment in die Luft gehen könnte; bei der Nummer, die gerade versuchte, ihn an den Hörer zu nötigen, war das vielleicht gar nicht so abwegig. Dann pflückte er ein paar frische Klamotten aus dem Kleiderschrank und verschwand anschließend im Badezimmer, um sich den gestrigen Abend gründlich von Haut und Haaren zu waschen.
Frisch geduscht, neu eingekleidet und nun mit einer Zahnbürste im Mundwinkel schob er sich wieder aus dem Bad, und riskierte noch einmal einen Blick auf das Handydisplay. 8 Anrufe in Abwesenheit, zwei von Don’t pick up und sechs von seinem Vater. Nachdenklich legte er die Stirn in Falten. Dabei war heute doch gar nicht Sonntag — was konnte so wichtig sein? Gar nichts, vermutlich. Selbst für die monatliche Schelte, rund um Geld, Verantwortung, Dankbarkeit und die Kosten, die er angeblich verursachte, war es noch zu früh; der Monat streckte sich immerhin noch an die drei Wochen lang. Fast war er versucht, zurückzurufen, zu fragen, was sein Erzeuger an diesem schönen Samstagvormittag von ihm wollte, doch da stellte sein Handy bereits den Dienst ein: Akku leer. Tja, so ein Pech aber auch.
Mit einem gleichgültigen Schulterzucken wandte Finnian sich ab und schlurfte zurück in den Flur, gerade in dem Moment, als sich neben ihm eine Tür öffnete. Für einen Augenblick blieb er stehen wie festgewachsen, während Howell im Türrahmen erschien. Es vergingen ein paar Sekunden, in denen sich beide wortlos musterten, bevor Finnian schließlich die freie Hand hob. „Gu’em Morbem“, schafften es seine Worte mühevoll um die Zahnbürste herum genuschelt nach draußen — und dann war er auch schon wieder im Badezimmer verschwunden.
Don’t pick up.
Ah. In weiser Voraussicht hatte er den Kontakt damals unter genau diesem Hinweis abgespeichert, ein kleiner Trick, der dafür sorgte, dass er, so wie jetzt, niemals auf die Idee kommen würde, einen Anruf von dieser Nummer anzunehmen, nicht einmal aus Versehen. Manchmal war er wirklich clever. Achtlos ließ er das Handy auf den Teppich gleiten, drehte sich umständlich auf den Rücken und hinterfragte gar nicht erst, warum er auf der Couch geschlafen hatte. An das Gröbste von letzter Nacht erinnerte er sich noch ziemlich gut; nur an den Film, den er und Howell zum Ende hin angeschmissen hatten, hatte er keinerlei Erinnerung mehr. Star Wars? Eine Schande, dass er das vergessen hatte. Einen Moment blieb er einfach liegen und starrte zur Decke. Er hätte keinerlei Problem damit gehabt, den Tag einfach im Liegen zu verbringen, allerdings vorzugsweise in seinem Bett und nicht in einem Wohnzimmer, das er sich mit drei anderen Personen teilte. Bei diesem Gedanken wurde sein Gesicht plötzlich heiß und mit einem Ruck saß er aufrecht. Prüfend glitt der Blick durch den Raum, tastete den Flur dahinter ab, doch von seinen Mitbewohnern fehlte jede Spur. Hoffentlich hatten die ihn nicht alle hier schlafen sehen. Gott, war das peinlich. Mit neu erwachter Eile strampelte er die Fleecedecke von sich — deren Herkunft ihm vollkommen schleierhaft blieb — sammelte das Handy vom Boden auf und huschte in die Sicherheit seines Schlafzimmers.
Gerade als er einen Blick auf die Uhr werfen wollte, flammte das Display erneut auf: A. Baird. Scheiße, nein. Vorsichtig, als könne sein Vater durch die Leitung hindurch spüren, wie konsequent sein eigener Sohn ihn ignorierte, legte Finnian mit spitzen Fingern das Handy langsam auf seinem Bett ab, als handelte es sich dabei um etwas Empfindliches, das jeden Moment in die Luft gehen könnte; bei der Nummer, die gerade versuchte, ihn an den Hörer zu nötigen, war das vielleicht gar nicht so abwegig. Dann pflückte er ein paar frische Klamotten aus dem Kleiderschrank und verschwand anschließend im Badezimmer, um sich den gestrigen Abend gründlich von Haut und Haaren zu waschen.
Frisch geduscht, neu eingekleidet und nun mit einer Zahnbürste im Mundwinkel schob er sich wieder aus dem Bad, und riskierte noch einmal einen Blick auf das Handydisplay. 8 Anrufe in Abwesenheit, zwei von Don’t pick up und sechs von seinem Vater. Nachdenklich legte er die Stirn in Falten. Dabei war heute doch gar nicht Sonntag — was konnte so wichtig sein? Gar nichts, vermutlich. Selbst für die monatliche Schelte, rund um Geld, Verantwortung, Dankbarkeit und die Kosten, die er angeblich verursachte, war es noch zu früh; der Monat streckte sich immerhin noch an die drei Wochen lang. Fast war er versucht, zurückzurufen, zu fragen, was sein Erzeuger an diesem schönen Samstagvormittag von ihm wollte, doch da stellte sein Handy bereits den Dienst ein: Akku leer. Tja, so ein Pech aber auch.
Mit einem gleichgültigen Schulterzucken wandte Finnian sich ab und schlurfte zurück in den Flur, gerade in dem Moment, als sich neben ihm eine Tür öffnete. Für einen Augenblick blieb er stehen wie festgewachsen, während Howell im Türrahmen erschien. Es vergingen ein paar Sekunden, in denen sich beide wortlos musterten, bevor Finnian schließlich die freie Hand hob. „Gu’em Morbem“, schafften es seine Worte mühevoll um die Zahnbürste herum genuschelt nach draußen — und dann war er auch schon wieder im Badezimmer verschwunden.
18 Posts
2 Scenes
offline
chulia
Es war seltsam, aufzuwachen und sich einerseits tausendmal besser zu fühlen als am Abend zuvor, und sich gleichzeitig aber zu schämen, weil man wusste, man hatte sich daneben benommen oder eben einfach nicht das gleiche sonnige Persona nach Außen tragen können hatte, das man eigentlich für jede Situation, mochte sie auch noch so schrecklich sein, zur Hand hatte. Da Howell jedoch beflissen übte, ehrlich mit sich zu sein, musste er sich wohl eingestehen, dass seine miese Laune vom Vorabend weder eine Überraschung noch ein Einzelfall gewesen war. Das hieß dann wohl auch, dass er sich nicht dafür entschuldigen konnte, indem er es herunterspielte. Dass er nicht so tun konnte, als würde das nie passieren, auch wenn er sehr gern so getan hätte, als wäre gestern gar nichts gewesen, als hätte er sich nicht seltsam benommen, und als hätte er sich nicht geweigert, darüber zu reden, wie ein Kleinkind, das sich nicht trösten lassen wollte.
Howell war das alles so peinlich, dass er den Morgen damit zubrachte, erst einmal gar nicht aufzustehen, sondern stundenlang in seinem Bett herumzulungern. Währenddessen spielte er ein wenig an seinem Handy herum, checkte seine Followerzahl auf Tiktok (von gestern auf heute waren es zwei Follower weniger geworden) und scrollte sich dann durch Twitter, was nie eine gute Idee war und wovon er sich dennoch nicht abhalten konnte. Vielleicht hatten seine Freunde recht, ja, vielleicht war doch was an der Behauptung dran, dass er masochistisch veranlagt war.
Fakt war, dass er das Aufstehen aus dem einfachen Grund prokrastinierte, dass er wusste, er würde nicht drumherum kommen, sich zu entschuldigen. Da er aber noch keinen Schimmer hatte, wie er das am besten anstellte, lag er eben rum und hoffte, es würde sich schon irgendwie von allein ergeben. Zum Beispiel, indem er aufstand und feststellte, dass Finnian ganz zufällig schon ausgeflogen war. Oder indem man ihm eröffnete, er habe alles nur geträumt, sowohl seinen Flop beim Open Mic, als auch die Stunden danach, in denen er erst Trübsal geblasen und dann Finnian den Schal vom Hals geschnitten hatte. Wenn er daran dachte, fühlte sich Howell fast ein bisschen ertappt. Er war nicht mal betrunken gewesen, aber im Nachhinein kam er sich trotzdem ein bisschen dämlich vor und als hätte er definitiv etwas falsch gemacht - dabei war es bestimmt nicht der zerschnittene Schal, den er zu verantworten hatte, sondern vielmehr seine Laune, die er nicht sonderlich gut hatte verstecken können. Das war es, was ihm peinlich war, aber was auch alles andere an der Situation informiert hatte.
Als Howell schließlich doch aufstand, hatte er jedoch keinerlei Glück. Vielmehr passierte sogar das, von dem er gehofft hatte, es würde nicht passieren: kaum hatte er die Tür geöffnet, befand er sich auch schon quasi von Angesicht zu Angesicht mit Finnian. Einen Moment lang starrten sie einander nur an - Finnian in ordentlichen Klamotten, Howell in Unterhemd und den Schwimmshorts, die er manchmal als Schlafhose zweckentfremdete (er war nicht so gut im Wäsche waschen und Verzweiflung macht kreativ oder so), auf der grelle Hibiscus-Blüten abgebildet waren. Pink auf Blau. "Morgen", entfuhr es Howell verspätet, da hatte sich Finnian bereits wieder in Bewegung gesetzt und Howell starrte ihm, sich am Kopf kratzend, etwas ratlos hinterher. Nach kurzem Zögern folgte er dem Zähneputzenden aber einfach bis zum Badezimmer, dessen Tür weit offen stand, sodass Howell noch etwas tapsig und zerstreut einfach hinten drein lief, so wie er es auch bei Callum gemacht hätte. Privatsphäre brauchte man seiner Meinung nach beim Zähneputzen nicht, und da er Fin sowieso hatte erwischen wollen, konnte er das genauso gut auch hier machen. Beim Zähneputzen. "Bist du schon lange wach?", plauderte er sogleich drauf los, als wenn er selbst nicht schon seit acht Uhr im Bett Löcher in die Luft gestarrt hätte.
Howell war das alles so peinlich, dass er den Morgen damit zubrachte, erst einmal gar nicht aufzustehen, sondern stundenlang in seinem Bett herumzulungern. Währenddessen spielte er ein wenig an seinem Handy herum, checkte seine Followerzahl auf Tiktok (von gestern auf heute waren es zwei Follower weniger geworden) und scrollte sich dann durch Twitter, was nie eine gute Idee war und wovon er sich dennoch nicht abhalten konnte. Vielleicht hatten seine Freunde recht, ja, vielleicht war doch was an der Behauptung dran, dass er masochistisch veranlagt war.
Fakt war, dass er das Aufstehen aus dem einfachen Grund prokrastinierte, dass er wusste, er würde nicht drumherum kommen, sich zu entschuldigen. Da er aber noch keinen Schimmer hatte, wie er das am besten anstellte, lag er eben rum und hoffte, es würde sich schon irgendwie von allein ergeben. Zum Beispiel, indem er aufstand und feststellte, dass Finnian ganz zufällig schon ausgeflogen war. Oder indem man ihm eröffnete, er habe alles nur geträumt, sowohl seinen Flop beim Open Mic, als auch die Stunden danach, in denen er erst Trübsal geblasen und dann Finnian den Schal vom Hals geschnitten hatte. Wenn er daran dachte, fühlte sich Howell fast ein bisschen ertappt. Er war nicht mal betrunken gewesen, aber im Nachhinein kam er sich trotzdem ein bisschen dämlich vor und als hätte er definitiv etwas falsch gemacht - dabei war es bestimmt nicht der zerschnittene Schal, den er zu verantworten hatte, sondern vielmehr seine Laune, die er nicht sonderlich gut hatte verstecken können. Das war es, was ihm peinlich war, aber was auch alles andere an der Situation informiert hatte.
Als Howell schließlich doch aufstand, hatte er jedoch keinerlei Glück. Vielmehr passierte sogar das, von dem er gehofft hatte, es würde nicht passieren: kaum hatte er die Tür geöffnet, befand er sich auch schon quasi von Angesicht zu Angesicht mit Finnian. Einen Moment lang starrten sie einander nur an - Finnian in ordentlichen Klamotten, Howell in Unterhemd und den Schwimmshorts, die er manchmal als Schlafhose zweckentfremdete (er war nicht so gut im Wäsche waschen und Verzweiflung macht kreativ oder so), auf der grelle Hibiscus-Blüten abgebildet waren. Pink auf Blau. "Morgen", entfuhr es Howell verspätet, da hatte sich Finnian bereits wieder in Bewegung gesetzt und Howell starrte ihm, sich am Kopf kratzend, etwas ratlos hinterher. Nach kurzem Zögern folgte er dem Zähneputzenden aber einfach bis zum Badezimmer, dessen Tür weit offen stand, sodass Howell noch etwas tapsig und zerstreut einfach hinten drein lief, so wie er es auch bei Callum gemacht hätte. Privatsphäre brauchte man seiner Meinung nach beim Zähneputzen nicht, und da er Fin sowieso hatte erwischen wollen, konnte er das genauso gut auch hier machen. Beim Zähneputzen. "Bist du schon lange wach?", plauderte er sogleich drauf los, als wenn er selbst nicht schon seit acht Uhr im Bett Löcher in die Luft gestarrt hätte.
