but is there something more than that?
[private Szene & feste Postreihenfolge]
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Carii
OUTFIT | Zeitgenössisch, was das Theater dort unten auf der Bühne veranstaltet. Aktivismus, Cancel Culture, Shitstorms. Politik und Gesellschaft. Über moralische Gewissheit geht es und die Macht öffentlicher Urteile. Viel Stoff, dem das Traverse Theatre mit dem reduzierten Bühnenbild und den wenigen Requisiten genug Platz einräumt. Da kann man über den unglücklichen Versuch hinwegsehen, die vierte Wand zu durchbrechen. Heute Abend vielleicht nicht das richtige Publikum erwischt? Ein paar letzte Worte, dann holen sie die Lichter sie allmählich zurück ins Hier und Jetzt. Da stimmt man wie selbstverständlich in den Beifall ein. So richtig rund findet Selma die Sache aber nicht. Die Katharsis, die vermisst sie, aber hey, Louis und sie sitzen nicht im griechischen Amphitheater.
Die verschränkten Arme vor der Brust könnte man als Ablehnung deuten, tatsächlich suchen kalte Fingerspitzen unter den Oberarmen ein warmes Plätzchen. Im Februar kann man die Heizung ruhig ein wenig höher drehen, liebe Theaterleute. Zwischen den Augenbrauen liegt die kritische Falte. “Also, das war interessant?”, ist das erste, was Selma einfällt, nachdem sich die Protagonisten von der Bühne verabschiedet haben. Während sich die anderen Gäste um sie herum nach und nach von ihren Plätzen erheben und die Stufen hinauf zu den Ausgängen erklimmen, macht Selma keine Anstalten aufzustehen. Kurz die Beine einziehen, damit ein Paar an ihnen vorbeikommt. Ein entschuldigendes Lächeln auf den Lippen. Dann löst sich ein Zucken aus den schmalen Schultern und der Kopf bewegt sich sanft von der einen auf die andere Seite. “Ich weiß nicht, ob ich das jetzt gut oder schlecht fand.” Langsam wendet Selma das Kinn zu ihrer linken, um ihre Begleitung anzuschauen. Zwischendurch aus dem Augenwinkel mal versucht in Louis’ Zügen abzulesen, was die drei Personen dort unten auf der Bühne mit ihm machen. Immerhin hat er sich die Performance nicht freiwillig, sondern ihr zuliebe angesehen.
Zwei Karten verschenken und eine Woche vor der Vorstellung beschließen, dass Ghosting doch eigentlich eine großartige Sache ist. So verschwindet man(n) von der Bildfläche, ohne sich erklären zu müssen. Ein Glück für ihren Kurzzeit-Flirt, dass Selma keinen blassen Schimmer hat, wo der wohnt. Gerne würde sie ihm mal ein paar Takte erzählen. An diesem Abend macht Louis den Samariter und steht Selma bei, nur dass er überhaupt nichts von seinem Glück weiß. Die zweite Wahl zu sein, quasi, so könnte man das ja schon lesen, hat eine Freundin gesagt. Nein, nein, glückliche Fügung nennt Selma das. Denn wann verbringen die zwei seit ihrem Umzug nach Edinburgh schon mal einen Abend zusammen? “Unmögliches soll man auch nicht beginnen”, wiederholt sie leise eine Phrase und sucht dann denn direkten Augenkontakt vom Freund. “Das kommt mir bekannt vor. Woher kenn ich das?”
Die verschränkten Arme vor der Brust könnte man als Ablehnung deuten, tatsächlich suchen kalte Fingerspitzen unter den Oberarmen ein warmes Plätzchen. Im Februar kann man die Heizung ruhig ein wenig höher drehen, liebe Theaterleute. Zwischen den Augenbrauen liegt die kritische Falte. “Also, das war interessant?”, ist das erste, was Selma einfällt, nachdem sich die Protagonisten von der Bühne verabschiedet haben. Während sich die anderen Gäste um sie herum nach und nach von ihren Plätzen erheben und die Stufen hinauf zu den Ausgängen erklimmen, macht Selma keine Anstalten aufzustehen. Kurz die Beine einziehen, damit ein Paar an ihnen vorbeikommt. Ein entschuldigendes Lächeln auf den Lippen. Dann löst sich ein Zucken aus den schmalen Schultern und der Kopf bewegt sich sanft von der einen auf die andere Seite. “Ich weiß nicht, ob ich das jetzt gut oder schlecht fand.” Langsam wendet Selma das Kinn zu ihrer linken, um ihre Begleitung anzuschauen. Zwischendurch aus dem Augenwinkel mal versucht in Louis’ Zügen abzulesen, was die drei Personen dort unten auf der Bühne mit ihm machen. Immerhin hat er sich die Performance nicht freiwillig, sondern ihr zuliebe angesehen.
Zwei Karten verschenken und eine Woche vor der Vorstellung beschließen, dass Ghosting doch eigentlich eine großartige Sache ist. So verschwindet man(n) von der Bildfläche, ohne sich erklären zu müssen. Ein Glück für ihren Kurzzeit-Flirt, dass Selma keinen blassen Schimmer hat, wo der wohnt. Gerne würde sie ihm mal ein paar Takte erzählen. An diesem Abend macht Louis den Samariter und steht Selma bei, nur dass er überhaupt nichts von seinem Glück weiß. Die zweite Wahl zu sein, quasi, so könnte man das ja schon lesen, hat eine Freundin gesagt. Nein, nein, glückliche Fügung nennt Selma das. Denn wann verbringen die zwei seit ihrem Umzug nach Edinburgh schon mal einen Abend zusammen? “Unmögliches soll man auch nicht beginnen”, wiederholt sie leise eine Phrase und sucht dann denn direkten Augenkontakt vom Freund. “Das kommt mir bekannt vor. Woher kenn ich das?”
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Kira
outfit | Vor seinen Augen zieht das Stück als fortlaufende Bewegung vorbei, wie ein Strom aus Stimmen, Gesten und Bedeutungsangeboten, dem er sich mit ehrlichem Bemühen widmet, auch wenn seine Aufmerksamkeit stellenweise ausfranst und für Sekunden in ein gähnendes Nichts ausblutet. Manchmal glaubt er, einen Handlungsstrang erfasst zu haben, nur um im nächsten Moment unschlüssig zu sein, ob das gerade Gesagte nun wörtlich gemeint war oder als Spiegel auf das Draußen zielte, dieses allgegenwärtige Draußen, das heute selbst auf der Bühne seinen Platz findet. Trotzdem lässt er sich tragen vom Kollektiv, lacht an den Stellen, an denen das Publikum lacht, richtet sich nach Seufzen und zustimmenden Murmeln um ihn herum und klatscht am Ende höflich mit, beinahe so enthusiastisch, als könnte man meinen, er hätte soeben das verdammt nochmal beste Stück seines Lebens gesehen (hat er nicht). Aber er weiß Mühe und Hingabe zu schätzen; noch mehr ist es allerdings die soziale Pflicht, die ihn antreibt, denn immerhin stammen die Karten von Selma. Allein dieser Umstand verleiht dem Abend Gewicht, dem er gerecht zu werden versucht.
Neben ihm verschränkte Arme. Es ist eine Haltung, die man als Ablehnung lesen könnte, wäre da nicht der Februar und die kühle Luft, die sich ungebeten selbst in diese Räume schleicht. Er selbst registriert sie an Hals und Fingern, an Stellen, die sich schwer ohne Schal und Handschuhe verhüllen lassen, während der Rest gut geschützt ist von Hemd, Wollpullover und einem Grundverständnis dafür, zu wissen, wie man sich gegen frostige Temperaturen zu wappnen hat. Der Mann ist regelmäßig mit der Familie auf der Jagd, meist in den frühen Morgenstunden; ein echter Naturbursche, wenn man so will. Da nimmt man über die Jahrzehnte das ein oder andere mit. Zwiebellook als Lebensphilosophie, der Gedanke huscht amüsiert durch seinen Kopf, während sein Blick immer wieder zu Selma wandert, ohne sich festzusetzen, eher tastend, beobachtend, bemüht, ihre Reaktionen einzufangen. In ihren Zügen liegt Konzentration, vielleicht Skepsis, jedenfalls etwas, das tiefer geht als bloße Zerstreuung, und die Frage, was dieses Stück in ihr auslöst, schiebt sich leise in den Vordergrund.
Die verbale Antwort kommt schnell: Interessant. Klingt skeptisch, aber er kann sich da irgendwie anschließen. Der Applaus ebbt ab, die Lichter kehren zurück, holen alle sanft aus dem Bühnenstück in die Wirklichkeit zurück, sie bleiben noch einen Moment sitzen, während sich die Reihen zu leeren beginnen. Sein eigenes Urteil fühlt sich unscharf an, zusammengesetzt aus einzelnen Momenten, einer starken Szene hier, einer zähen Passage dort, insgesamt eher trocken, als hätte jemand große Fragen auf dem Tisch ausgebreitet und sie dann am Ende einfach achtlos auf den Boden gewischt. Gedanklich formuliert er eine Einschätzung, die irgendwo zwischen Anerkennung und Distanz pendelt, ehrlich gemeint, ohne verletzen zu wollen, denn Ehrlichkeit besitzt für ihn einen Wert, der nicht von Schonung lebt. „Ich fand’s gar nicht schlecht“, sagt er schließlich, während er den Blick auf die nun leere Bühne richtet. „Besonders dieser Teil über öffentliche Urteile und moralische Gewissheit hat mich irgendwie abgeholt“, fügt er hinzu, dreht den Kopf zu ihr; es zuckt schelmisch im Mundwinkel. „Regt schon zum Nachdenken an, oder?“ Kurz darauf hebt er die Schultern, ehrlich genug, um auch die andere Seite zu benennen. „Ein bisschen trocken war es vielleicht trotzdem.“
Mit einer Intensität, die von Aufmerksamkeit zeugt, erwidert er ihren Blick. „Keine Ahnung“, gibt er zurück und grinst, beinahe verspielt, währenddessen streichen seine Händen über die Oberschenkel, eine Bewegung, die Aufbruch signalisiert. „Sag du es mir.“ Immerhin ist sie die Belesenere von ihnen, kann sich die kleinsten und schönsten Nuancen aus allerlei Werken scheinbar mühelos merken, wohingegen Louis sich mitunter schwer damit tut. Mit diesen Worten erhebt er sich, wiegt den Kopf langsam hin und her, um die Muskulatur zu lockern, und reibt die Hände aneinander, um wieder Wärme hineinzubringen. „Na komm“, fügt er hinzu, einladend, ohne Druck. „Holen wir unsere Jacken.“
Neben ihm verschränkte Arme. Es ist eine Haltung, die man als Ablehnung lesen könnte, wäre da nicht der Februar und die kühle Luft, die sich ungebeten selbst in diese Räume schleicht. Er selbst registriert sie an Hals und Fingern, an Stellen, die sich schwer ohne Schal und Handschuhe verhüllen lassen, während der Rest gut geschützt ist von Hemd, Wollpullover und einem Grundverständnis dafür, zu wissen, wie man sich gegen frostige Temperaturen zu wappnen hat. Der Mann ist regelmäßig mit der Familie auf der Jagd, meist in den frühen Morgenstunden; ein echter Naturbursche, wenn man so will. Da nimmt man über die Jahrzehnte das ein oder andere mit. Zwiebellook als Lebensphilosophie, der Gedanke huscht amüsiert durch seinen Kopf, während sein Blick immer wieder zu Selma wandert, ohne sich festzusetzen, eher tastend, beobachtend, bemüht, ihre Reaktionen einzufangen. In ihren Zügen liegt Konzentration, vielleicht Skepsis, jedenfalls etwas, das tiefer geht als bloße Zerstreuung, und die Frage, was dieses Stück in ihr auslöst, schiebt sich leise in den Vordergrund.
Die verbale Antwort kommt schnell: Interessant. Klingt skeptisch, aber er kann sich da irgendwie anschließen. Der Applaus ebbt ab, die Lichter kehren zurück, holen alle sanft aus dem Bühnenstück in die Wirklichkeit zurück, sie bleiben noch einen Moment sitzen, während sich die Reihen zu leeren beginnen. Sein eigenes Urteil fühlt sich unscharf an, zusammengesetzt aus einzelnen Momenten, einer starken Szene hier, einer zähen Passage dort, insgesamt eher trocken, als hätte jemand große Fragen auf dem Tisch ausgebreitet und sie dann am Ende einfach achtlos auf den Boden gewischt. Gedanklich formuliert er eine Einschätzung, die irgendwo zwischen Anerkennung und Distanz pendelt, ehrlich gemeint, ohne verletzen zu wollen, denn Ehrlichkeit besitzt für ihn einen Wert, der nicht von Schonung lebt. „Ich fand’s gar nicht schlecht“, sagt er schließlich, während er den Blick auf die nun leere Bühne richtet. „Besonders dieser Teil über öffentliche Urteile und moralische Gewissheit hat mich irgendwie abgeholt“, fügt er hinzu, dreht den Kopf zu ihr; es zuckt schelmisch im Mundwinkel. „Regt schon zum Nachdenken an, oder?“ Kurz darauf hebt er die Schultern, ehrlich genug, um auch die andere Seite zu benennen. „Ein bisschen trocken war es vielleicht trotzdem.“
Mit einer Intensität, die von Aufmerksamkeit zeugt, erwidert er ihren Blick. „Keine Ahnung“, gibt er zurück und grinst, beinahe verspielt, währenddessen streichen seine Händen über die Oberschenkel, eine Bewegung, die Aufbruch signalisiert. „Sag du es mir.“ Immerhin ist sie die Belesenere von ihnen, kann sich die kleinsten und schönsten Nuancen aus allerlei Werken scheinbar mühelos merken, wohingegen Louis sich mitunter schwer damit tut. Mit diesen Worten erhebt er sich, wiegt den Kopf langsam hin und her, um die Muskulatur zu lockern, und reibt die Hände aneinander, um wieder Wärme hineinzubringen. „Na komm“, fügt er hinzu, einladend, ohne Druck. „Holen wir unsere Jacken.“
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Carii
Das schottische Theater kann ja auch anders, Selma hat es selbst erlebt. Wenn im Sommer beim Festival all die Kunstschaffenden ein buntes Programm auf die Beine stellen, ist sogar für sie immer etwas dabei. Nachher nochmal nachhaken, was er im August vor hat. Außer Geburtstag feiern. Selma verspürt das Bedürfnis, ihm nochmal eine andere Darbietung vorzuführen. Vielleicht auch die (halbwegs) verlorene Zeit wieder gutzumachen. Aber während Louis das Stück gar nicht so schlecht findet, lässt Selma ihren Blick auf seinem Profil ruhen. Die Rezension formuliert er taktvoll und folgt dabei einer simplen Regel: Erst das positive Feedback, dann die Kritik. Wissend heben sich da die Augenbrauen und als er ihr das Gesicht zuwendet, kann sie nichts gegen den Zug im Mundwinkel tun, denn natürlich “Mit Urteilen weißt du etwas anzufangen”, wirft sie ein und meint damit seine juristische Begabung. Aber sie stimmt ihm zu. Das Stück regt zum Nachdenken an, auch wenn Selmas Gedanken sich weniger um das große Ganze dort draußen drehen, sondern sie sich eher fragt, wie jemand auf die Idee kommt, dass man mit so einer Inszenierung einen Nerv bei ihr trifft. Aber, an Geschenken gibt es nicht herummäkeln, sagt Ruth immer.
Schlechte Bücher hat sie auch schon überwunden. Bei dem Grinsen verzeiht sie Louis seine Ratlosigkeit. Na, sie wird selbst noch auf die Lösung kommen. Gerne, bevor sie am Ende des Abends in den Pyjama schlüpft. So ein Rätsel kann ihr durchaus den Schlaf rauben und für eine Anfrage in der gängigen Suchmaschine ist Selma zu stolz. Die literarischen Referenzen hat sie sich schließlich von kleinauf tüchtig erarbeitet. Eine Abfrage im world wide web fühlt sich an, als würde sie sich selbst verraten. Doch seine Unwissenheit führt sie zu einem Entschluss, den sie im Stillen für sich notiert: Mehr Zeit in Louis’ Bibliothek verbringen. Mit Louis. Damit er ihr beim nächsten Mal direkt zur Lösung verhelfen kann. Seine Aufforderung beantwortet das zustimmende Nicken, sie sollten weiterziehen. Immerhin ist ihr Theaterbesuch erst der Auftakt eines ganzen Wochenendes und nach dem trockenen Stück sehnt sich die trockene Kehle nach goldener Abhilfe in einem gläsernen Zylinder. Nächste Adresse: Pub.
Bevor sich Selma von ihrem Sitz erhebt, greift die linke Hand in den Fußraum, um die Handtasche heranzuziehen. Im Laufen schiebt sie sich den Lederriemen über die Schulter, an vier, fünf leeren Plätzen vorbei, dann erreicht sie die Stufen und folgt ihnen hoch zum Ausgang. Ein kurzer Blick nach hinten, um sicherzugehen, dass Louis an ihrer Seite ist. “Vielleicht bin ich auch einfach nicht für modernes Theater gemacht”, spricht Selma ihren Gedanken laut aus, als sie dem oberen Treppenabsatz näher kommen. Vor ihnen schiebt sich die Menschentraube gemächlich durch die Tür ins Foyer, da kann man nochmal einen letzten Blick hinunter zur Bühne werfen, bevor sie zurück in die Realität treten. Dort, wo der kleine Bruder ihre Freitagsschicht in Musselburgh übernimmt. “Ich würd’ mal bei meiner Mum anrufen. Nur kurz nachhören, ob Leo sich auch benimmt”, wenn sie das so scherzhaft sagt, geht die gute Prise Gewissensbisse leicht unter. “Kann ich dir meine Marke geben?”, noch während sie die Frage stellt, zieht sie das kleine Plättchen aus Kunststoff von der Garderobe aus dem Inneren der Tasche und hält es ihm zwischen Daumen und Zeigefinger hin. Bei der Bitte in den Augen kann er eigentlich nicht Nein sagen.
Schlechte Bücher hat sie auch schon überwunden. Bei dem Grinsen verzeiht sie Louis seine Ratlosigkeit. Na, sie wird selbst noch auf die Lösung kommen. Gerne, bevor sie am Ende des Abends in den Pyjama schlüpft. So ein Rätsel kann ihr durchaus den Schlaf rauben und für eine Anfrage in der gängigen Suchmaschine ist Selma zu stolz. Die literarischen Referenzen hat sie sich schließlich von kleinauf tüchtig erarbeitet. Eine Abfrage im world wide web fühlt sich an, als würde sie sich selbst verraten. Doch seine Unwissenheit führt sie zu einem Entschluss, den sie im Stillen für sich notiert: Mehr Zeit in Louis’ Bibliothek verbringen. Mit Louis. Damit er ihr beim nächsten Mal direkt zur Lösung verhelfen kann. Seine Aufforderung beantwortet das zustimmende Nicken, sie sollten weiterziehen. Immerhin ist ihr Theaterbesuch erst der Auftakt eines ganzen Wochenendes und nach dem trockenen Stück sehnt sich die trockene Kehle nach goldener Abhilfe in einem gläsernen Zylinder. Nächste Adresse: Pub.
Bevor sich Selma von ihrem Sitz erhebt, greift die linke Hand in den Fußraum, um die Handtasche heranzuziehen. Im Laufen schiebt sie sich den Lederriemen über die Schulter, an vier, fünf leeren Plätzen vorbei, dann erreicht sie die Stufen und folgt ihnen hoch zum Ausgang. Ein kurzer Blick nach hinten, um sicherzugehen, dass Louis an ihrer Seite ist. “Vielleicht bin ich auch einfach nicht für modernes Theater gemacht”, spricht Selma ihren Gedanken laut aus, als sie dem oberen Treppenabsatz näher kommen. Vor ihnen schiebt sich die Menschentraube gemächlich durch die Tür ins Foyer, da kann man nochmal einen letzten Blick hinunter zur Bühne werfen, bevor sie zurück in die Realität treten. Dort, wo der kleine Bruder ihre Freitagsschicht in Musselburgh übernimmt. “Ich würd’ mal bei meiner Mum anrufen. Nur kurz nachhören, ob Leo sich auch benimmt”, wenn sie das so scherzhaft sagt, geht die gute Prise Gewissensbisse leicht unter. “Kann ich dir meine Marke geben?”, noch während sie die Frage stellt, zieht sie das kleine Plättchen aus Kunststoff von der Garderobe aus dem Inneren der Tasche und hält es ihm zwischen Daumen und Zeigefinger hin. Bei der Bitte in den Augen kann er eigentlich nicht Nein sagen.
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Kira
Ein feines Lächeln kräuselt Selmas Lippen, während sie mit treffsicherer Intuition bemerkt, wie souverän er sich in der Welt der Urteile und Paragrafen bewegt. Diese Beobachtung trifft den Kern seiner Existenz, denn als Solicitor gehört das Abwägen von Recht und Unrecht zu seinem täglichen Brot, auch wenn er momentan die schweren Aktenberge gegen die verlockende Leichtigkeit der Freiheit eingetauscht hat. Kostbare Tage liegen nun vor ihm, eine seltene Flucht aus den unerbittlichen Klauen der Kanzlei, die ihn oft bis tief in die Nacht gefangen hält und eine Hingabe fordert, die das Maß gewöhnlicher Arbeitszeiten bei weitem übersteigt. Es bereitet ihm ein fast diebisches Vergnügen, die vertraut-graue Silhouette Londons hinter sich zu lassen, sie einzutauschen gegen ein ähnlich graues Edinburgh, doch dieses Grau ist charmanter, findet Louis. Hier draußen verlieren die Erwartungen seiner Eltern und der Trubel rund um seine Geschwister an Bedeutung, während selbst die forderndsten Mandanten zu fernen Schatten verblassen. Die Freiheit schmeckt nach abgestandener Theaterluft, ein Hochgenuss, meint er, und der Abwesenheit jener Pflichten, die sonst jede Minute seines Daseins beanspruchen, sodass er endlich wieder der Regisseur seines eigenen Moments sein darf, egal wie flüchtig dieser auch sein mag.
Da werden die Augenbrauen gehoben, als der Blick seiner Begleitung über die Schulter zu ihm zurückwandert. Ein stummes Versprechen schwingt in diesem flüchtigen Augenblick mit, eine Versicherung, dass er keineswegs die Flucht vor den bizarren Auswüchsen der modernen Bühne angetreten hat, die sie soeben gemeinsam hinter sich gelassen haben. Er amüsiert sich im Stillen über die bloße Vorstellung eines hastigen Rückzugs, da er selbst an einem gänzlich misslungenen Tag niemals die Gelegenheit missen würde, an ihrer Seite durch die herrschaftlichen Räumlichkeiten zu flanieren und die besondere Atmosphäre des Abends aufzusaugen. „Ein Glück, dass sich die Klassiker im Theater so hartnäckig halten.“ Bevorzugt er auch die Beständigkeit der alten Geschichten, die seit jeher auf den Bühnen dieser Welt erzählt werden, so wertet Selmas charmante Präsenz selbst die sperrigsten Inszenierungen zu einem glanzvollen Erlebnis auf, das er für kein Geld der Welt eintauschen möchte.
Mit einer fließenden Bewegung hält er ihr die offene Hand entgegen und umschließt die kleine Plastikmarke, die wie ein winziges Pfand für ihre baldige Rückkehr in seinen Handteller gleitet, während die Menge um sie herum langsam dem Ausgang zuströmt. „Richte freundliche Grüße aus“, begleitet seinen Weg zur Garderobe, während er ihr den notwendigen Freiraum schenkt, um die gewohnten Bande zu ihrer Familie zu pflegen und sich nach dem Befinden von Ruth und Leo zu erkundigen. Er bemerkt das leise Zaudern in ihren Augen und das damit verbundene schlechte Gewissen, doch in seiner Welt hat sie sich diesen Ausbruch aus der unerbittlichen Pflicht ihres Alltags mehr als redlich verdient.
Während Selma sich für ihr Telefonat abwendet, harrt er geduldig in der Schlange vor der Garderobe aus. Stoische Gelassenheit liegt ihm im Blut, der stört sich nicht groß daran, wie schleppend es vorangeht. Und als er endlich die zwei Pfandmarken gegen ihre Mäntel eintauschen kann, wünscht er dem Personal in aller Freundlich- und Höflichkeit noch einen schönen Abend. Sorgfältig positioniert er sich in der Nähe des Ausgangs, den eigenen Mantel und Schal bereits angelegt, bereit für den Aufbruch. „Und, steht noch alles?“, ist das Erste, das er fragt, als Selma wenig später zu ihm aufschließt. Die Wärme seines Lächelns glüht bis hinauf in seine Augen, während er den schweren Mantel anhebt, um ihr mit einer Geste, die von Routine zeugt, in die Ärmel zu helfen. „Wie geht es Ruth?“ Seine Züge spiegeln eine aufrichtige Anteilnahme wider, als er die Frage nach dem Befinden ihrer Mutter folgen lässt, da ihm das Wohlergehen ihrer kleinen Familie wahrhaftig am Herzen liegt und er jeden ihrer Angehörigen längst in sein eigenes Weltbild fest integriert hat. Allzu gerne würde er seine Unterstützung weit über das Maß tröstender oder lobender Worte hinaus ausdehnen und ihr die Lasten des Alltags mit einer großzügigen Handbewegung abnehmen, doch achtet er die unbeugsame Mauer ihres Stolzes viel zu sehr, als dass er sich ungebeten in diese privaten Belange drängen würde.
Da werden die Augenbrauen gehoben, als der Blick seiner Begleitung über die Schulter zu ihm zurückwandert. Ein stummes Versprechen schwingt in diesem flüchtigen Augenblick mit, eine Versicherung, dass er keineswegs die Flucht vor den bizarren Auswüchsen der modernen Bühne angetreten hat, die sie soeben gemeinsam hinter sich gelassen haben. Er amüsiert sich im Stillen über die bloße Vorstellung eines hastigen Rückzugs, da er selbst an einem gänzlich misslungenen Tag niemals die Gelegenheit missen würde, an ihrer Seite durch die herrschaftlichen Räumlichkeiten zu flanieren und die besondere Atmosphäre des Abends aufzusaugen. „Ein Glück, dass sich die Klassiker im Theater so hartnäckig halten.“ Bevorzugt er auch die Beständigkeit der alten Geschichten, die seit jeher auf den Bühnen dieser Welt erzählt werden, so wertet Selmas charmante Präsenz selbst die sperrigsten Inszenierungen zu einem glanzvollen Erlebnis auf, das er für kein Geld der Welt eintauschen möchte.
Mit einer fließenden Bewegung hält er ihr die offene Hand entgegen und umschließt die kleine Plastikmarke, die wie ein winziges Pfand für ihre baldige Rückkehr in seinen Handteller gleitet, während die Menge um sie herum langsam dem Ausgang zuströmt. „Richte freundliche Grüße aus“, begleitet seinen Weg zur Garderobe, während er ihr den notwendigen Freiraum schenkt, um die gewohnten Bande zu ihrer Familie zu pflegen und sich nach dem Befinden von Ruth und Leo zu erkundigen. Er bemerkt das leise Zaudern in ihren Augen und das damit verbundene schlechte Gewissen, doch in seiner Welt hat sie sich diesen Ausbruch aus der unerbittlichen Pflicht ihres Alltags mehr als redlich verdient.
Während Selma sich für ihr Telefonat abwendet, harrt er geduldig in der Schlange vor der Garderobe aus. Stoische Gelassenheit liegt ihm im Blut, der stört sich nicht groß daran, wie schleppend es vorangeht. Und als er endlich die zwei Pfandmarken gegen ihre Mäntel eintauschen kann, wünscht er dem Personal in aller Freundlich- und Höflichkeit noch einen schönen Abend. Sorgfältig positioniert er sich in der Nähe des Ausgangs, den eigenen Mantel und Schal bereits angelegt, bereit für den Aufbruch. „Und, steht noch alles?“, ist das Erste, das er fragt, als Selma wenig später zu ihm aufschließt. Die Wärme seines Lächelns glüht bis hinauf in seine Augen, während er den schweren Mantel anhebt, um ihr mit einer Geste, die von Routine zeugt, in die Ärmel zu helfen. „Wie geht es Ruth?“ Seine Züge spiegeln eine aufrichtige Anteilnahme wider, als er die Frage nach dem Befinden ihrer Mutter folgen lässt, da ihm das Wohlergehen ihrer kleinen Familie wahrhaftig am Herzen liegt und er jeden ihrer Angehörigen längst in sein eigenes Weltbild fest integriert hat. Allzu gerne würde er seine Unterstützung weit über das Maß tröstender oder lobender Worte hinaus ausdehnen und ihr die Lasten des Alltags mit einer großzügigen Handbewegung abnehmen, doch achtet er die unbeugsame Mauer ihres Stolzes viel zu sehr, als dass er sich ungebeten in diese privaten Belange drängen würde.
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Carii
Die Plastikmarke wechselt ihren Besitzer und bevor Selma sich vor dem Saal von Louis abwendet, schenkt sie ihm ein dankbares Lächeln. Eine andere Begleitung hätte Fragen gestellt. Wozu der Anruf? Der Bruder ist schließlich alt genug, um keinen Unfug zu machen. Die Mutter wohlauf, wenn man sich auf die oberflächliche Antwort von Selma verlässt. Doch sie muss Louis nichts erklären, er versteht, woher der Drang kommt, sich bei ihren Liebsten zu melden. Das macht die Sache so einfach, so leicht zwischen den beiden. Bei dem munteren Geplauder im Foyer kann man aber unmöglich telefonieren, findet Selma. In einer Ecke neben einer Säule ist etwas ruhiger und von hier hat sie auch noch einen guten Überblick. Während am anderen Ende der Leitung der jüngere Bruder ihr weismachen will, dass Ruth ohnehin die beste Zeit mit ihrem Lieblingssohn hat, wandern die Augen durch fremde Gesichter. Das nimmt sie ihrem Bruderherz nicht ab und während er ihre Mum ans Telefon holt, findet der Blick einen anderen Menschen, der ihr am Herzen liegt. Selma nimmt sich ein paar Sekunden und so auf sicherer Distanz, lässt sie Louis’ Erscheinung einen Moment auf sich wirken.
Sie soll sich keinen Kopf machen, den Abend genießen. Den hat sie sich verdient. Und richte schöne Grüße aus. Nach der Verabschiedung verschwindet das Smartphone im Inneren der Handtasche. Und darf dort erstmal bleiben, wenn es nach Selma geht. Mit etwas mehr Ruhe im Bauch, kann sie sich voll und ganz auf die Stunden mit dem englischen Freund einlassen. Ein paar Schritte braucht sie, um den Raum zu durchqueren und kommt dann langsam vor Louis zum Halt. Sein Lächeln steckt an und auch die Frage sorgt für gute Laune. Amüsiert stößt sie die Luft über die Nase aus. “Ein Glück, ja. Die zwei sehen sich heute Graham Norton an, ohne mich. Eine Frechheit, wenn du mich fragst.” Nimmt sie nicht persönlich. Naja, ein bisschen vielleicht. Die angelernte Etikette für den Anwalt reine Gewohnheit, für die Freundin aber immer wieder ein schönes Schauspiel. Eines, das schmeichelt. Auch nach dem hundertsten Mal. Sie muss sich von ihm wegdrehen, damit er ihr in den Mantel helfen kann. Erst findet der rechte Arm in den einen Ärmel, gefolgt vom linken. Und als sich der schwere Wollstoff an die Schultern schmiegt, dreht sich Selma auf den Absätzen wieder zu ihm um. Auf seine Geste der Höflichkeit folgt ein “Danke” und bei seiner nächsten Frage entlässt sie die Luft langsam über die Lippen.
In den Händen liegt der selbstgestrickte Schal und Selma fixiert einen Moment das schokobraune Perlmuster zwischen ihren Fingern. “Ihr geht’s gut. Schöne Grüße zurück”, lässt sie Louis wissen und hebt wieder das Kinn. Auf den Lippen ein sanftes Lächeln, als sie das vertraute, blaue Augenpaar in den Fokus nimmt. “Ihre letzten Werte waren besser. Sie ist bloß ein bisschen vergesslich zur Zeit”, fügt sie hinzu und wickelt sich den Schal locker um den Hals. “Aber wir machen uns deswegen nicht verrückt, hm?”, und bleiben positiv, wenn man dem Tonfall Glauben schenken möchte. Aus der Manteltasche zieht sie die Wollmütze, um sie auf dem brünetten Schopf zu platzieren. Noch ein wenig in die Stirn zupfen, draußen vor dem Gebäude herrscht schließlich schottisches Winterwetter. Inklusive Schneeflocken, wie sie beim Blick durch die Glasfenster feststellt. “Sie hat gefragt, ob wir Sonntag vorbeikommen, bevor du zurück nach London fährst”, möchte sie noch ergänzen, als sie das Foyer hinter sich lassen und durch die Türen auf den Vorplatz treten. “Aber erstmal hab ich dich ganz für mich allein”, am Ende vom Satz senkt sie die Stimme und weil der Kopf, der sich an seine Schulter schmiegt, noch nicht genug ist, hakt sie sich ganz nonchalant bei ihm unter. Ein paar Sekunden bleibt sie so, dann hebt sie schmunzelnd den Kopf und sieht die Straße runter. “Wo wollen wir hin? Bennets Bar?”
Sie soll sich keinen Kopf machen, den Abend genießen. Den hat sie sich verdient. Und richte schöne Grüße aus. Nach der Verabschiedung verschwindet das Smartphone im Inneren der Handtasche. Und darf dort erstmal bleiben, wenn es nach Selma geht. Mit etwas mehr Ruhe im Bauch, kann sie sich voll und ganz auf die Stunden mit dem englischen Freund einlassen. Ein paar Schritte braucht sie, um den Raum zu durchqueren und kommt dann langsam vor Louis zum Halt. Sein Lächeln steckt an und auch die Frage sorgt für gute Laune. Amüsiert stößt sie die Luft über die Nase aus. “Ein Glück, ja. Die zwei sehen sich heute Graham Norton an, ohne mich. Eine Frechheit, wenn du mich fragst.” Nimmt sie nicht persönlich. Naja, ein bisschen vielleicht. Die angelernte Etikette für den Anwalt reine Gewohnheit, für die Freundin aber immer wieder ein schönes Schauspiel. Eines, das schmeichelt. Auch nach dem hundertsten Mal. Sie muss sich von ihm wegdrehen, damit er ihr in den Mantel helfen kann. Erst findet der rechte Arm in den einen Ärmel, gefolgt vom linken. Und als sich der schwere Wollstoff an die Schultern schmiegt, dreht sich Selma auf den Absätzen wieder zu ihm um. Auf seine Geste der Höflichkeit folgt ein “Danke” und bei seiner nächsten Frage entlässt sie die Luft langsam über die Lippen.
In den Händen liegt der selbstgestrickte Schal und Selma fixiert einen Moment das schokobraune Perlmuster zwischen ihren Fingern. “Ihr geht’s gut. Schöne Grüße zurück”, lässt sie Louis wissen und hebt wieder das Kinn. Auf den Lippen ein sanftes Lächeln, als sie das vertraute, blaue Augenpaar in den Fokus nimmt. “Ihre letzten Werte waren besser. Sie ist bloß ein bisschen vergesslich zur Zeit”, fügt sie hinzu und wickelt sich den Schal locker um den Hals. “Aber wir machen uns deswegen nicht verrückt, hm?”, und bleiben positiv, wenn man dem Tonfall Glauben schenken möchte. Aus der Manteltasche zieht sie die Wollmütze, um sie auf dem brünetten Schopf zu platzieren. Noch ein wenig in die Stirn zupfen, draußen vor dem Gebäude herrscht schließlich schottisches Winterwetter. Inklusive Schneeflocken, wie sie beim Blick durch die Glasfenster feststellt. “Sie hat gefragt, ob wir Sonntag vorbeikommen, bevor du zurück nach London fährst”, möchte sie noch ergänzen, als sie das Foyer hinter sich lassen und durch die Türen auf den Vorplatz treten. “Aber erstmal hab ich dich ganz für mich allein”, am Ende vom Satz senkt sie die Stimme und weil der Kopf, der sich an seine Schulter schmiegt, noch nicht genug ist, hakt sie sich ganz nonchalant bei ihm unter. Ein paar Sekunden bleibt sie so, dann hebt sie schmunzelnd den Kopf und sieht die Straße runter. “Wo wollen wir hin? Bennets Bar?”
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Kira
Der weiblichen Begleitung in den Mantel helfen — für Louis ist das selbstverständlich. Ein Akt tugendhafter Erziehung, ein Ausdruck von Aufmerksamkeit und, in der richtigen Gesellschaft, kann es auch etwas sehr intimes haben. Kleine Rituale, die die Freundschaft zelebrieren, sie lebendig halten, sie aber auch verwässern können, wenn die Hände, so wie jetzt, einen kleinen Augenblick, ein oder zwei Sekunden, zu lange verweilen, bevor sie sich zurückziehen und in den Schutz der eigenen Manteltaschen verschwinden. Als Selma sich zu ihm umdreht, ihre Augen sich treffen, ihr Dank zwischen sie gleitet, warm und unbeschwert, zieht es sanft an den Mundwinkeln und ufert schließlich in ein belustigtes Schmunzeln aus. „Vielleicht sind sie ja so nett und nehmen dir die Folge auf“, meint er die Graham Norton Show und muss dabei unweigerlich an seine jüngste Schwester denken. „Beatrice hat mich vor ein paar Jahren ständig dazu gezwungen, ihr Episoden von irgendwelchen Reality Shows aufzunehmen, nachdem der Sir ihr Hausarrest erteilt hatte.“ Alle Kinder der Harlington-Fane nennen ihren Vater oftmals nur ‚den Sir‘, aufgrund seines Titels. Nicht unbedingt, um ihn ins Lächerliche zu ziehen, sondern vielmehr um ihn zu vermenschlichen, denn so ein Titel kann sehr schnell sehr kalt und ausladend wirken. Das Lächeln auf seinen Lippen nimmt etwas närrisches an. „Falls du also jemals das Bedürfnis haben solltest, dir ein paar Folgen Love Island ansehen zu wollen…“ Er lässt den Satz absichtlich unvollendet, denn Selma kann sich sein selbstloses Angebot ganz bestimmt selbst zusammenreimen.
Ruth geht es gut, nur etwas vergesslich. Ruhig beobachtet Louis, wie Selma sich den Schal um den Hals legt, sich die Mütze aufzieht. Aber wir machen uns deswegen nicht verrückt. Immer optimistisch bleiben, das ist genau das Richtige, findet auch er, lässt den nachdenklichen Blick allerdings einen Moment länger auf der Freundin aus Schottland ruhen und brummt schließlich. „Natürlich nicht“, bestätigt er. „Freut mich, dass es ihr gut geht.“ Er ist untröstlich, wenn dem nicht so ist. In all den Jahren, die er und Selma sich inzwischen kennen, hat er auch ihre Familie ins Herz geschlossen. Sie alle sind so aufgeschlossene und freundliche Menschen, dass man sie einfach nur vergöttern kann.
Dicke Schneeflocken rieseln langsam zu Boden, als sie aus dem Theater hinaus treten. An seiner Schulter findet sich das willkommene Gewicht von Selmas Kopf wieder und ein warmer Schimmer nistet sich im Blau seiner Augen ein, als sie ganz selbstverständlich nach seinem Arm greift, sich bei ihm einhakt. Rituale. Mit der Hand tätschelt er sacht die ihre. „Ich würde sie gerne besuchen“, meint er. „Das letzte Mal ist schon wieder viel zu lange her.“ Aber Selma hat Recht; heute gehört er ganz ihr. Bis Sonntag ist noch genug Zeit. Seine Finger liegen noch immer über ihren, als er den Kopf leicht senkt, um ihren Blick auffangen zu können. Es ist ein Bild, das er sich am liebsten einrahmen lassen möchte: Selma umschmeichelt vom fallenden Schnee, vereinzelte Flocken, verfangen in Wimpern, Haaren und Mütze. Grüne Augen, durchsetzt von einem sanften Grau. „Bennets Bar“, nickt er dann. Im Grunde ist es unwichtig, wo sie den Abend ausklingen lassen, jeder Ort ist ihm recht, solange Selma seine Begleitung ist.
„When men were all asleep the snow came flying,
In large white flakes falling on the city brown,
Stealthily and perpetually settling and loosely lying,
Hushing the latest traffic of the drowsy town.“
Während sie über den Gehweg schlendern, rezitiert er Robert Bridges. Die Worte kommen ihm einfach so über die Lippen, dabei liegt ihm das eigentlich gar nicht. „Das mussten wir damals in der Schule lernen.“ Er schaudert leicht. „Ist bis heute hängen geblieben.“ Neugierig blinzelt er Selma an. „Hast du inzwischen herausgefunden, wen du vorhin im Theater zitiert hast?“
Ruth geht es gut, nur etwas vergesslich. Ruhig beobachtet Louis, wie Selma sich den Schal um den Hals legt, sich die Mütze aufzieht. Aber wir machen uns deswegen nicht verrückt. Immer optimistisch bleiben, das ist genau das Richtige, findet auch er, lässt den nachdenklichen Blick allerdings einen Moment länger auf der Freundin aus Schottland ruhen und brummt schließlich. „Natürlich nicht“, bestätigt er. „Freut mich, dass es ihr gut geht.“ Er ist untröstlich, wenn dem nicht so ist. In all den Jahren, die er und Selma sich inzwischen kennen, hat er auch ihre Familie ins Herz geschlossen. Sie alle sind so aufgeschlossene und freundliche Menschen, dass man sie einfach nur vergöttern kann.
Dicke Schneeflocken rieseln langsam zu Boden, als sie aus dem Theater hinaus treten. An seiner Schulter findet sich das willkommene Gewicht von Selmas Kopf wieder und ein warmer Schimmer nistet sich im Blau seiner Augen ein, als sie ganz selbstverständlich nach seinem Arm greift, sich bei ihm einhakt. Rituale. Mit der Hand tätschelt er sacht die ihre. „Ich würde sie gerne besuchen“, meint er. „Das letzte Mal ist schon wieder viel zu lange her.“ Aber Selma hat Recht; heute gehört er ganz ihr. Bis Sonntag ist noch genug Zeit. Seine Finger liegen noch immer über ihren, als er den Kopf leicht senkt, um ihren Blick auffangen zu können. Es ist ein Bild, das er sich am liebsten einrahmen lassen möchte: Selma umschmeichelt vom fallenden Schnee, vereinzelte Flocken, verfangen in Wimpern, Haaren und Mütze. Grüne Augen, durchsetzt von einem sanften Grau. „Bennets Bar“, nickt er dann. Im Grunde ist es unwichtig, wo sie den Abend ausklingen lassen, jeder Ort ist ihm recht, solange Selma seine Begleitung ist.
„When men were all asleep the snow came flying,
In large white flakes falling on the city brown,
Stealthily and perpetually settling and loosely lying,
Hushing the latest traffic of the drowsy town.“
Während sie über den Gehweg schlendern, rezitiert er Robert Bridges. Die Worte kommen ihm einfach so über die Lippen, dabei liegt ihm das eigentlich gar nicht. „Das mussten wir damals in der Schule lernen.“ Er schaudert leicht. „Ist bis heute hängen geblieben.“ Neugierig blinzelt er Selma an. „Hast du inzwischen herausgefunden, wen du vorhin im Theater zitiert hast?“
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Carii
Und selbst wenn du einen Landsitz in Irgendwo-Shire besitzt, bei Reality Shows kommt man immer noch am besten runter. Meint Selma zumindest vom Hörensagen zu wissen, über ihren Bildschirm ist das Genre bisher noch nicht geflimmert. Ob man damit bei dem Sir wohl gute Punkte macht. Den eigenen Vater so zu nennen, für Selma befremdlich. Gibt es da nicht mal einen Mann in ihrem Leben, den sie Dad nennen kann. Ein paar Jahre Freundschaft muss man teilen, bis sie irgendwann versteht, woher die Anrede kommt. Zu gerne würde sie wissen, ob Louis auch so ein Hausarrest erteilt wurde. Und wenn ja, warum. Nochmal nachhaken, wenn der Hopfen die Zunge lockerer macht. ”Dann weiß ich ganz genau, bei wem ich spontan auftauchen kann”, beendet sie den Satz, auch wenn sie beide wissen, dass sie sein Angebot vermutlich niemals wahrnehmen wird.
Die kalte Jahreszeit hat ihre Spuren hinterlassen. Über die raue Haut ihrer Fingerknöchel legt sich eine weiche, wärmende Handfläche. Dann planen sie also einen Besuch in Musselburgh ein, am Sonntag. ”Sie kocht uns sogar etwas", schiebt Selma noch hinterher und sie beide – alles andere als begnadete Köche – wissen, dass das ein unschlagbarer Bonus ist. Vielleicht schaffen sie es zur Muschelskulptur, das Highlight (ist es nicht) hat Louis sich beim letzten Mal einfach entgehen lassen. Für Selma kein Zustand, schließlich ist ihr erstes Wort angeblich Auster gewesen. Weil sich die Winterluft auf die Gesichtszüge legt, schiebt Selma das Kinn in die weiche Wolle, zieht die Schultern etwas hoch. Als sie ihren Blick hebt, trifft sie auf einen interessierten Ausdruck in den blauen Augen ihres Freundes. Was ihm wohl grad durch den Kopf geht?
Der Schnee legt sich fluffig und weiß wie Watte auf den Asphalt, schluckt das anrollende Treiben auf der Hauptstraße. Ein ganzes Stück müssen sie die Straße runter und gerade als ihr Blick auf den dunstigen Lichtkränzen der Straßenlaternen liegt, umwirbt Louis’ sanfte Stimme ihre Aufmerksamkeit. Mit einem überraschten Blinzeln sieht Selma rauf in sein Gesicht und wenn sie die weiße Zahnreihe, die hinter den Lippen aufblitzt, nicht verrät, dann das warme Funkeln in den Augen. “Louis”, gibt sie erstaunt von sich und knufft dabei sachte, fast ermutigend, in den Mantelstoff, der unter ihren Fingern liegt, ”wo auch immer das jetzt herkam, ich möchte mehr davon.” Bitte. “Wen hast du da zitiert? Du hast mir zwar schonmal ein Sonett vorgelesen, aber dass ich erst 40 werden muss, bis du mir ein paar Zeilen einfach so vorträgst”, bei dem liebevollen Lächeln kann das niemals als Vorwurf gemeint sein. Für solche Geschenke hat Selma was übrig.
Seiner Neugier begegnet sie mit einem Kopfschütteln, hinter das Rätsel aus dem Theatersaal ist sie noch nicht gekommen. Aber sie tippt auf die Antike. “Nein, es wird mich bestimmt wach halten. Und wenn es mir dann mitten in der Nacht einfällt, schreib’ ich dir sofort”, kein Anflug von Witz in der Stimme, Selma meint das absolut ernst. Aber das muss sie Louis nicht sagen, er kennt ihre late night texts. Auch wenn die sich seltener um Literatur drehen. Es gibt andere, wichtigere Themen, die sie um kurz nach drei mal bei ihm loswerden muss. “Wahrscheinlich sitzt du dann eh noch vor deinem Laptop”, obwohl sie sich eigentlich etwas anderes für ihn wünscht: “Oder hast du die Arbeit ausnahmsweise in London gelassen?” Sie nennen ihn Midas, aber Selma weiß, wie viel Anstrengung und Fleiß er in seinen scheinbar so mühelosen Erfolg steckt.
Die kalte Jahreszeit hat ihre Spuren hinterlassen. Über die raue Haut ihrer Fingerknöchel legt sich eine weiche, wärmende Handfläche. Dann planen sie also einen Besuch in Musselburgh ein, am Sonntag. ”Sie kocht uns sogar etwas", schiebt Selma noch hinterher und sie beide – alles andere als begnadete Köche – wissen, dass das ein unschlagbarer Bonus ist. Vielleicht schaffen sie es zur Muschelskulptur, das Highlight (ist es nicht) hat Louis sich beim letzten Mal einfach entgehen lassen. Für Selma kein Zustand, schließlich ist ihr erstes Wort angeblich Auster gewesen. Weil sich die Winterluft auf die Gesichtszüge legt, schiebt Selma das Kinn in die weiche Wolle, zieht die Schultern etwas hoch. Als sie ihren Blick hebt, trifft sie auf einen interessierten Ausdruck in den blauen Augen ihres Freundes. Was ihm wohl grad durch den Kopf geht?
Der Schnee legt sich fluffig und weiß wie Watte auf den Asphalt, schluckt das anrollende Treiben auf der Hauptstraße. Ein ganzes Stück müssen sie die Straße runter und gerade als ihr Blick auf den dunstigen Lichtkränzen der Straßenlaternen liegt, umwirbt Louis’ sanfte Stimme ihre Aufmerksamkeit. Mit einem überraschten Blinzeln sieht Selma rauf in sein Gesicht und wenn sie die weiße Zahnreihe, die hinter den Lippen aufblitzt, nicht verrät, dann das warme Funkeln in den Augen. “Louis”, gibt sie erstaunt von sich und knufft dabei sachte, fast ermutigend, in den Mantelstoff, der unter ihren Fingern liegt, ”wo auch immer das jetzt herkam, ich möchte mehr davon.” Bitte. “Wen hast du da zitiert? Du hast mir zwar schonmal ein Sonett vorgelesen, aber dass ich erst 40 werden muss, bis du mir ein paar Zeilen einfach so vorträgst”, bei dem liebevollen Lächeln kann das niemals als Vorwurf gemeint sein. Für solche Geschenke hat Selma was übrig.
Seiner Neugier begegnet sie mit einem Kopfschütteln, hinter das Rätsel aus dem Theatersaal ist sie noch nicht gekommen. Aber sie tippt auf die Antike. “Nein, es wird mich bestimmt wach halten. Und wenn es mir dann mitten in der Nacht einfällt, schreib’ ich dir sofort”, kein Anflug von Witz in der Stimme, Selma meint das absolut ernst. Aber das muss sie Louis nicht sagen, er kennt ihre late night texts. Auch wenn die sich seltener um Literatur drehen. Es gibt andere, wichtigere Themen, die sie um kurz nach drei mal bei ihm loswerden muss. “Wahrscheinlich sitzt du dann eh noch vor deinem Laptop”, obwohl sie sich eigentlich etwas anderes für ihn wünscht: “Oder hast du die Arbeit ausnahmsweise in London gelassen?” Sie nennen ihn Midas, aber Selma weiß, wie viel Anstrengung und Fleiß er in seinen scheinbar so mühelosen Erfolg steckt.
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Kira
Selmas Worte sind wie Musik in seinen Ohren, und das liegt ausnahmsweise nicht am wohltuenden Klang ihrer Stimme, sondern an der traumhaften Aussicht auf selbstgekochte Hausfrauenkost aus Musselburgh. In einer übertrieben-theatralisch anmutenden Geste greift sich Louis an die Brust und stößt einen Laut aus, der vage an das dankbare Luftschnappen eines Ertrinkenden erinnert, nachdem er zurück ans sichere Land geschafft wurde: pure Glückseligkeit. „Du weißt, ich würde für das Essen deiner Mutter sterben.“ Bis er Selma und ihre Familie kennengelernt hat, war ihm das Konzept von selbstgekochten Mahlzeiten fremd; zumindest, wenn sie von der eigenen Mutter kredenzt werden. Louis kann sich nicht entsinnen, ob er seine Mutter jemals in der Küche hat stehen sehen; für gewöhnlich sorgt das angestellte Personal dafür, dass täglich drei Mahlzeiten auf den Tisch kommen. Geld hat viele Vorteile, finde Louis, es erleichtert einem eine ganze Menge, öffnet Türen, bietet Gelegenheiten und ebnet Wege, aber es entfremdet auch, schafft Kluften und birgt auf lange Sicht mehr Ärger als erträglich ist.
Die Ohren färben sich rot, das Kinn drückt sich tiefer in den wärmenden Schal, als sich ein peinlich berührtes Lächeln auf seine Lippen stiehlt. Der Mann steht regelmäßig mit einem Klientel in einem Raum, das über die Geschicke ihres Landes bestimmt, er hält Blicken und Worten stand, ohne dabei die Fassung zu verlieren; vor Selma allerdings fühlt er sich schutzlos, nein, er macht sich schutzlos, gibt die Deckung auf, weil er weiß, dass sie ihm nicht kaltblütig das Messer in die Brust stoßen würde — sie nicht. Und doch bleibt es beängstigend, die Mauern hin und wieder einzureißen, darum stößt er lediglich ein verlegenes Lachen aus, das feine Wölkchen in die kühle Luft zeichnet, als sie sagt, sie wolle mehr von dieser Dichtkunst hören. „Robert Bridges“, antwortet er und wirft Selma dabei einen Seitenblick zu. „Ich weiß noch ganz genau, dass ich ihn damals abgrundtief gehasst habe, weil wir ständig seine Werke lernen mussten. Lächerlich, oder? Als ob ich ihn persönlich kennen würde und mir anmaßen dürfte, jemanden zu hassen, nur weil ich keine Lust habe, ein Gedicht von ihm auswendig aufzusagen.“ Erneut ein Lachen, das zum Ende in ein amüsiertes Lächeln übergeht. „Aber wir haben unsere Differenzen beigelegt, als ich mit dem Studium begonnen habe. Wir sind wieder Freunde.“
In einer unschuldigen Geste hebt Louis die Schultern, nachdem seine Begleiterin ihn richtig durchschaut hat. Es ist nicht ungewöhnlich, dass er auf Selmas spätnächtliche Nachrichten direkt antwortet, weil er zu den Zeiten meistens noch arbeitet. Arbeitszeiten aus der Hölle, scherzt er gerne mal, meinte es aber verdammt ernst. Er wusste natürlich, worauf er sich da einlässt, schließlich hat er bei seinem Vater und der näheren Verwandtschaft stets beobachten können, wie fordernd dieser Beruf ist. Hat ihn gut vorbereitet und dann auch wieder nicht, denn, heilige Scheiße, die erste Arbeitswoche war hart. Richtig, richtig hart. Inzwischen hat er sich damit arrangiert und er muss Selma enttäuschen: „Ich fürchte nicht.“ Entschuldigend blinzelt er sie an, dabei beeinträchtigt der Umstand, dass er seine Arbeit mit nach Schottland genommen hat, ihr Wochenende im Grunde so gut wie gar nicht. „Ich muss heute Nacht noch ein paar Mails schreiben und Dokumente sichten, aber das Gröbste ist in England geblieben“, verspricht er schnell und stößt die Tür zur Bennets Bar auf.
Eine lauschige Atmosphäre empfängt sie: warme Luft, in der sich Gespräche mit einer leisen Hintergrundmusik verweben; Paare und Gruppen an Tischen, die einander zuprosten, lachen, witzeln, eine gute Zeit haben. Im hinteren Teil der Bar macht Louis einen freien Tisch ausfindig. „Da drüben?“, fragt er an Selma gewandt und nickt in die entsprechende Richtung.
Die Ohren färben sich rot, das Kinn drückt sich tiefer in den wärmenden Schal, als sich ein peinlich berührtes Lächeln auf seine Lippen stiehlt. Der Mann steht regelmäßig mit einem Klientel in einem Raum, das über die Geschicke ihres Landes bestimmt, er hält Blicken und Worten stand, ohne dabei die Fassung zu verlieren; vor Selma allerdings fühlt er sich schutzlos, nein, er macht sich schutzlos, gibt die Deckung auf, weil er weiß, dass sie ihm nicht kaltblütig das Messer in die Brust stoßen würde — sie nicht. Und doch bleibt es beängstigend, die Mauern hin und wieder einzureißen, darum stößt er lediglich ein verlegenes Lachen aus, das feine Wölkchen in die kühle Luft zeichnet, als sie sagt, sie wolle mehr von dieser Dichtkunst hören. „Robert Bridges“, antwortet er und wirft Selma dabei einen Seitenblick zu. „Ich weiß noch ganz genau, dass ich ihn damals abgrundtief gehasst habe, weil wir ständig seine Werke lernen mussten. Lächerlich, oder? Als ob ich ihn persönlich kennen würde und mir anmaßen dürfte, jemanden zu hassen, nur weil ich keine Lust habe, ein Gedicht von ihm auswendig aufzusagen.“ Erneut ein Lachen, das zum Ende in ein amüsiertes Lächeln übergeht. „Aber wir haben unsere Differenzen beigelegt, als ich mit dem Studium begonnen habe. Wir sind wieder Freunde.“
In einer unschuldigen Geste hebt Louis die Schultern, nachdem seine Begleiterin ihn richtig durchschaut hat. Es ist nicht ungewöhnlich, dass er auf Selmas spätnächtliche Nachrichten direkt antwortet, weil er zu den Zeiten meistens noch arbeitet. Arbeitszeiten aus der Hölle, scherzt er gerne mal, meinte es aber verdammt ernst. Er wusste natürlich, worauf er sich da einlässt, schließlich hat er bei seinem Vater und der näheren Verwandtschaft stets beobachten können, wie fordernd dieser Beruf ist. Hat ihn gut vorbereitet und dann auch wieder nicht, denn, heilige Scheiße, die erste Arbeitswoche war hart. Richtig, richtig hart. Inzwischen hat er sich damit arrangiert und er muss Selma enttäuschen: „Ich fürchte nicht.“ Entschuldigend blinzelt er sie an, dabei beeinträchtigt der Umstand, dass er seine Arbeit mit nach Schottland genommen hat, ihr Wochenende im Grunde so gut wie gar nicht. „Ich muss heute Nacht noch ein paar Mails schreiben und Dokumente sichten, aber das Gröbste ist in England geblieben“, verspricht er schnell und stößt die Tür zur Bennets Bar auf.
Eine lauschige Atmosphäre empfängt sie: warme Luft, in der sich Gespräche mit einer leisen Hintergrundmusik verweben; Paare und Gruppen an Tischen, die einander zuprosten, lachen, witzeln, eine gute Zeit haben. Im hinteren Teil der Bar macht Louis einen freien Tisch ausfindig. „Da drüben?“, fragt er an Selma gewandt und nickt in die entsprechende Richtung.
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Carii
Wie schüchtern er sich zurückzieht. Versucht, sich in seinem Schal zu verstecken. Das löst etwas aus in der Bauchgegend, sorgt für einen amüsierten Schwung auf den Lippen. Überrascht sie, wenn sie den erfahrenen Solicitor so in Verlegenheit bringt. Ausgerechnet sie. Selma. Wo ist denn plötzlich die antrainierte Abgeklärtheit hin, hm? Den Namen, den Louis ihr nennt, hat sie noch nie gehört. Vermutlich ist der Kanon an einer öffentlichen Schule in der schottischen Gemeinde ein anderer, als an einer schicken, englischen Privatschule. ”Könnte ich also Glück haben und nun öfters was von deinem Freund Robert hören”, spricht sie ihre Hoffnung laut aus und lässt den Blick durch die Gegend schweifen. Ein paar Schritte, dann findet der Blick von einer auffdringlichen Leuchtreklame zurück in sein Gesicht. Auch wenn sich die Fältchen neben seinen Augen Mühe geben. Wenn sie in sich reinhört, ist Louis’ Antwort keine, die sie wirklich zufrieden stellt. ”Du arbeitest zu viel”, stellt Selma mal wieder fest und setzt dabei einen gespielt mahnenden Blick auf. Nach dem nächsten Wimpernschlag wird der Ausdruck in den Zügen wieder milde, sie weiß schließlich, woher der Arbeitseifer kommt.
Im Inneren des übersichtlichen Pubs empfängt sie der süßliche Geruch nach Hopfen, das muntere Geplauder von Gästen. Vor den Buntglasfenstern im Eingangsbereich lassen Selmas Hände ab vom Freund an ihrer Seite und klopfen die mitgebrachten Schneeflocken vom Mantel. Als sie den Kopf hebt, um in den Räumlichkeiten nach einer freien Sitzgelegenheit Ausschau zu halten, hat Louis bereits den Überblick. “Gerne”, erwidert Selma auf seinen Vorschlag und schlängelt sich vorbei an den besetzten Tischen. Im Gehen zieht sie Mütze und Schal runter, streift sich am Tisch angekommen den Mantel von den Schultern. Zusammen mit den winterlichen Accessoires wird beides auf der Stuhllehne platziert, bevor sie sich selbst auf die mit Leder bespannte Sitzfläche setzt. ”Die erste Runde geht auf mich”, sagt sie an den Freund gewandt. Während der Blick sich auf die Suche nach der Bedienung macht, plaudert sie munter weiter: “Ich muss mich doch dafür revanchieren, dass du das mittelmäßige Stück mit mir durchgestanden hast. Und heute so heldenhaft eingesprungen bist.” Mit einem Schmunzeln auf den Lippen, wendet sie das Kinn in seine Richtung.
Eine aufsteigende Hitze im Brustkorb, muss wohl an den wohlig warmen Temperaturen hier drin liegen, woran sonst. Oder daran, dass sie sich – ein, zwei Sekunden nachdem sie ihre Worte ausgesprochen hat – wieder daran erinnert, dass Louis’ keine Ahnung davon hat. Dass sie die zwei Karten nicht extra für sie beide besorgt hat, sondern sie einfach sitzen gelassen wurde. Blinzelnd löst sich das Grün von seinen hellen Augen. Sieht der Handkante dabei zu, wie sie ein paar Krümel von der in Glas gefassten Weltkarte schiebt. Das Räuspern aus der Kehle versucht, die Aussage gleich mit unter den Tisch zu kehren. “Für dich einen Old Fashioned?”, startet sie ihren Ablenkungsversuch und zieht ihre Geldbörse aus der Handtasche. Zwischen Kunstleder liegen zerknitterte Scheine, die darauf warten, ausgegeben zu werden. Beide Hände auf der Tischplatte, drückt Selma sich vom Stuhl zurück in die Horizontale. Der Zeigefinger der linken Hand deutet über die Schulter hinüber zur Bar. “Ich geh an den Tresen, das geht schneller.”
Im Inneren des übersichtlichen Pubs empfängt sie der süßliche Geruch nach Hopfen, das muntere Geplauder von Gästen. Vor den Buntglasfenstern im Eingangsbereich lassen Selmas Hände ab vom Freund an ihrer Seite und klopfen die mitgebrachten Schneeflocken vom Mantel. Als sie den Kopf hebt, um in den Räumlichkeiten nach einer freien Sitzgelegenheit Ausschau zu halten, hat Louis bereits den Überblick. “Gerne”, erwidert Selma auf seinen Vorschlag und schlängelt sich vorbei an den besetzten Tischen. Im Gehen zieht sie Mütze und Schal runter, streift sich am Tisch angekommen den Mantel von den Schultern. Zusammen mit den winterlichen Accessoires wird beides auf der Stuhllehne platziert, bevor sie sich selbst auf die mit Leder bespannte Sitzfläche setzt. ”Die erste Runde geht auf mich”, sagt sie an den Freund gewandt. Während der Blick sich auf die Suche nach der Bedienung macht, plaudert sie munter weiter: “Ich muss mich doch dafür revanchieren, dass du das mittelmäßige Stück mit mir durchgestanden hast. Und heute so heldenhaft eingesprungen bist.” Mit einem Schmunzeln auf den Lippen, wendet sie das Kinn in seine Richtung.
Eine aufsteigende Hitze im Brustkorb, muss wohl an den wohlig warmen Temperaturen hier drin liegen, woran sonst. Oder daran, dass sie sich – ein, zwei Sekunden nachdem sie ihre Worte ausgesprochen hat – wieder daran erinnert, dass Louis’ keine Ahnung davon hat. Dass sie die zwei Karten nicht extra für sie beide besorgt hat, sondern sie einfach sitzen gelassen wurde. Blinzelnd löst sich das Grün von seinen hellen Augen. Sieht der Handkante dabei zu, wie sie ein paar Krümel von der in Glas gefassten Weltkarte schiebt. Das Räuspern aus der Kehle versucht, die Aussage gleich mit unter den Tisch zu kehren. “Für dich einen Old Fashioned?”, startet sie ihren Ablenkungsversuch und zieht ihre Geldbörse aus der Handtasche. Zwischen Kunstleder liegen zerknitterte Scheine, die darauf warten, ausgegeben zu werden. Beide Hände auf der Tischplatte, drückt Selma sich vom Stuhl zurück in die Horizontale. Der Zeigefinger der linken Hand deutet über die Schulter hinüber zur Bar. “Ich geh an den Tresen, das geht schneller.”
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Kira
„Naja“, stößt Louis hervor, und dabei wird dieses eine Wort von einem amüsierten Laut getragen, „ich kann nichts versprechen.“ Da blitzen die Augen leicht verspielt auf. Vor anderen Reime und Gedichtzeilen aufsagen, er dachte, er hätte das mit der Schulzeit hinter sich gelassen. Aber Selma erfreut sich an diesen Dingen: an dem Lyrischen, dem Poetischen, Dinge, die zum Nachdenken anregen oder zum Träumen anhalten. Das hat ihn bei ihrem ersten Treffen direkt fasziniert. Diese Tiefgründigkeit, mit der Selma sich zu präsentieren weiß. Solche Menschen lernt man nicht oft kennen, und falls doch, verkaufen sie es wohl kaum mit einer solchen Ehrlichkeit und Hingabe, wie seine langjährige Freundin es tut. „Aber wenn du mich ganz lieb bittest, werde ich gerne darüber nachdenken.“ Er will ja mal nicht so sein. „Ich weiß, ich weiß“, fährt er fort, als Selma zurecht sein irres Arbeitspensum kritisiert. Er arbeitet wirklich viel zu viel. Früher oder später wird sich das noch bei der Gesundheit bemerkbar machen, ist schließlich auch nicht mehr der Jüngste. Nur ist es schwer, sich von einer so gefestigten Routine zu lösen, es steckt einfach drin, das wird eine Weile brauchen, bis er den Sprung schafft — falls er ihn schafft, oder gar wagt.
Ist gleich viel angenehmer, wenn Mantel und Schal abgelegt sind. Akkurat über die Stuhllehne platziert, lässt sich Louis auf den freien Stuhl gegenüber von Selma an dem kleinen Tisch nieder. Kurz sieht er sich prüfend um, lässt die Kulisse auf sich wirken, betrachtet die gerahmten Bilder an den getäfelten Wänden, die Bar, hinter der die Angestellten reichlich zu tun haben, und stoppt seinen visuellen Rundgang abrupt, als Selma verkündet, die erste Runde würde auf sie gehen. Überrascht dreht er ihr wieder den Kopf zu. Eigentlich hat er vorgehabt, sie einzuladen, immerhin hat sie bereits die Tickets für das Stück bezahlt, in dem sie bis eben gesessen haben. Aber er weiß es besser, darum grinst er ihr vergnügt zu. „Aye, aye.“ Er vollführt einen saloppen Salut, nicht ganz sicher, ob Seefahrer so etwas überhaupt tun, und verschränkt die Finger vor sich auf der Tischplatte ineinander, als wolle er jeden Moment ein Abendgebet an den Allmächtigen entsenden. Louis ist nicht gläubig — lediglich auf dem Papier, auf dem vermerkt steht, dass er dem Anglikanismus zugehörig ist. Mit Gott und der Kirche hat er allerdings wenig zu tun, hat auch nur einer Handvoll von Gottesdiensten beigewohnt, entsprechend wüsste er nicht einmal, wie man ein vernünftiges Gebet spricht. Seine Bibel sind die SRA, die Standards and Regulations, nach denen sich jeder Anwalt und Solicitor auf seinem Gebiet richtet, und seine Kirche ist die Kanzlei, in der er viel zu viele Stunden seines Lebens absitzt. Seine verschränkten Hände sind demnach mehr ein Beiwerk seiner ganz eigenen Religion: seiner Arbeit. Die überspielen gekonnt die Unsicherheit, machen womöglich zittrige Finger unkenntlich und sorgen äußerlich für eine schöne Ruhe und Gelassenheit, die er innerlich plötzlich gar nicht mehr empfindet. Eingesprungen? Na sowas. Er weiß nicht, warum er an diesem einen Wort so viel Anstoß nimmt, vielleicht, weil es so klingt, als ob er lediglich eine Lücke gefüllt hat, die für jemand anderen gedacht gewesen ist? „Ach, das war doch selbstverständlich“, weiß Louis die Stimme trotz Zweifel gelassen klingen zu lassen. „Lieber ein mittelmäßiges Stück, als ein furchtbares, nicht wahr?“
Nervöse Gesten auf der anderen Seite des Tisches. Louis verfolgt Selmas Hand, die ein paar Krümelt beiseite schiebt. Auf ihre Frage hin nickt er im ersten Moment nur, fängt sich dann aber direkt und hängt noch ein erheitertes „Du kennst mich.“ hinten an. Ein weiteres Nicken, als sich Selma aufrichtet und Richtung Bar entschwindet, um dort ihre Bestellung aufzugeben. Diesmal gibt es keine verbale Unterstützung, das Nicken steht für sich allein. Huh. Nachdenklich kratzt sich Louis den Hals, betrachtet einen Moment den nun leeren Platz vor seiner Nase und weiß nicht recht, wie er das alles einordnen soll. Da er im Moment niemanden zum Plaudern hat, zieht er in Ermangelung eines Gesprächspartners sein Handy aus der Jackentasche und überfliegt kurz die hunderten Benachrichtigungen, die ihm quasi direkt ins Gesicht springen, nachdem er den Flugmodus ausgestellt hat: SMS, verpasste Anrufe, neue E-Mails. War vielleicht doch keine gute Idee, das Geschäftliche aufs Privathandy mitzunehmen, nur hatte der sein Geschäftshandy lieber in der Heimat lassen wollen. Jetzt mischen sich Textnachrichten von Freunden und Familie mit trocken-höflich klingenden Texten seiner Mandanten. Eine kuriose Mischung, wie er findet, während er sich durch die Benachrichtigungen wischt. Hin und wieder verirrt sich sein Blick dabei hinüber zur Bar, einmal verheddern sich seine Augen dabei mit Selmas, der er daraufhin ein kurzes Lächeln schenkt, ehe er sich wieder dem Display in seiner Hand widmet. Eingesprungen. Das Wort sitzt wie ein Splitter in seinen Gedanken fest.
Ist gleich viel angenehmer, wenn Mantel und Schal abgelegt sind. Akkurat über die Stuhllehne platziert, lässt sich Louis auf den freien Stuhl gegenüber von Selma an dem kleinen Tisch nieder. Kurz sieht er sich prüfend um, lässt die Kulisse auf sich wirken, betrachtet die gerahmten Bilder an den getäfelten Wänden, die Bar, hinter der die Angestellten reichlich zu tun haben, und stoppt seinen visuellen Rundgang abrupt, als Selma verkündet, die erste Runde würde auf sie gehen. Überrascht dreht er ihr wieder den Kopf zu. Eigentlich hat er vorgehabt, sie einzuladen, immerhin hat sie bereits die Tickets für das Stück bezahlt, in dem sie bis eben gesessen haben. Aber er weiß es besser, darum grinst er ihr vergnügt zu. „Aye, aye.“ Er vollführt einen saloppen Salut, nicht ganz sicher, ob Seefahrer so etwas überhaupt tun, und verschränkt die Finger vor sich auf der Tischplatte ineinander, als wolle er jeden Moment ein Abendgebet an den Allmächtigen entsenden. Louis ist nicht gläubig — lediglich auf dem Papier, auf dem vermerkt steht, dass er dem Anglikanismus zugehörig ist. Mit Gott und der Kirche hat er allerdings wenig zu tun, hat auch nur einer Handvoll von Gottesdiensten beigewohnt, entsprechend wüsste er nicht einmal, wie man ein vernünftiges Gebet spricht. Seine Bibel sind die SRA, die Standards and Regulations, nach denen sich jeder Anwalt und Solicitor auf seinem Gebiet richtet, und seine Kirche ist die Kanzlei, in der er viel zu viele Stunden seines Lebens absitzt. Seine verschränkten Hände sind demnach mehr ein Beiwerk seiner ganz eigenen Religion: seiner Arbeit. Die überspielen gekonnt die Unsicherheit, machen womöglich zittrige Finger unkenntlich und sorgen äußerlich für eine schöne Ruhe und Gelassenheit, die er innerlich plötzlich gar nicht mehr empfindet. Eingesprungen? Na sowas. Er weiß nicht, warum er an diesem einen Wort so viel Anstoß nimmt, vielleicht, weil es so klingt, als ob er lediglich eine Lücke gefüllt hat, die für jemand anderen gedacht gewesen ist? „Ach, das war doch selbstverständlich“, weiß Louis die Stimme trotz Zweifel gelassen klingen zu lassen. „Lieber ein mittelmäßiges Stück, als ein furchtbares, nicht wahr?“
Nervöse Gesten auf der anderen Seite des Tisches. Louis verfolgt Selmas Hand, die ein paar Krümelt beiseite schiebt. Auf ihre Frage hin nickt er im ersten Moment nur, fängt sich dann aber direkt und hängt noch ein erheitertes „Du kennst mich.“ hinten an. Ein weiteres Nicken, als sich Selma aufrichtet und Richtung Bar entschwindet, um dort ihre Bestellung aufzugeben. Diesmal gibt es keine verbale Unterstützung, das Nicken steht für sich allein. Huh. Nachdenklich kratzt sich Louis den Hals, betrachtet einen Moment den nun leeren Platz vor seiner Nase und weiß nicht recht, wie er das alles einordnen soll. Da er im Moment niemanden zum Plaudern hat, zieht er in Ermangelung eines Gesprächspartners sein Handy aus der Jackentasche und überfliegt kurz die hunderten Benachrichtigungen, die ihm quasi direkt ins Gesicht springen, nachdem er den Flugmodus ausgestellt hat: SMS, verpasste Anrufe, neue E-Mails. War vielleicht doch keine gute Idee, das Geschäftliche aufs Privathandy mitzunehmen, nur hatte der sein Geschäftshandy lieber in der Heimat lassen wollen. Jetzt mischen sich Textnachrichten von Freunden und Familie mit trocken-höflich klingenden Texten seiner Mandanten. Eine kuriose Mischung, wie er findet, während er sich durch die Benachrichtigungen wischt. Hin und wieder verirrt sich sein Blick dabei hinüber zur Bar, einmal verheddern sich seine Augen dabei mit Selmas, der er daraufhin ein kurzes Lächeln schenkt, ehe er sich wieder dem Display in seiner Hand widmet. Eingesprungen. Das Wort sitzt wie ein Splitter in seinen Gedanken fest.
